Vom Kin­der­wunsch zum Wunsch­kind

Pil­le ab­set­zen, Sex ha­ben, Win­deln kau­fen. Ja, so schnell kann es ge­hen, muss es aber nicht. Denn je­des Wun­der hat sein ei­ge­nes Tem­po – und braucht manch­mal ein we­nig Hil­fe von au­ßen

SHAPE (Germany) - - Inhalt / April -

So klappt’s

Die Be­zie­hung läuft su­per. Der Job ist si­cher. Und selbst wenn sich dar­an was än­dern soll­te: Die Kar­rie­re könn­te lo­cker mal ei­ne Pau­se ver­tra­gen. Gibt schließ­lich Wich­ti­ge­res im Le­ben, wahr­haft Ele­men­ta­res. Wenn Ih­nen die­se Ge­dan­ken kom­men, könn­te der Grund da­für Ihr Kin­der­wunsch sein! Ja, dann mal los, den­ken Sie jetzt viel­leicht. Und tat­säch­lich: Vie­le Paa­re ver­ab­schie­den sich von der Ver­hü­tung, ha­ben Sex und hal­ten schon we­ni­ge Zy­klen spä­ter glück­lich den po­si­ti­ven Schwan­ger­schafts­test hoch. Doch ei­ne schnel­le Emp­fäng­nis ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Fach­ärz­te hal­ten ein Jahr War­te­zeit so­gar bei gu­ten Vor­aus­set­zun­gen für völ­lig nor­mal. Las­sen Sie sich al­so nicht ent­mu­ti­gen, wenn sich Ihr Ba­by et­was mehr Zeit lässt. Scheu­en Sie aber auch nicht da­vor zu­rück, recht­zei­tig um Un­ter­stüt­zung zu bit­ten.

bes­te be­din­gun­gen

Hin­ter un­ge­woll­ter Kin­der­lo­sig­keit steckt meis­tens kein erns­tes Pro­blem. Manch­mal kann schon ei­ne Än­de­rung des Le­bens­stils die Frucht­bar­keit po­si­tiv be­ein­flus­sen. Zum Bei­spiel durch Re­du­zie­ren von Stress, um den emp­find­li­chen Re­gel­kreis der Hor­mo­ne nicht zu stö­ren. Na­tür­lich ra­ten Me­di­zi­ner zum Ver­zicht auf Ni­ko­tin und Al­ko­hol. Pro­ble­ma­tisch sind aber auch Über- und Un­ter­ge­wicht, weil zum Bei­spiel hor­mon­wirk­sa­mes Fett­ge­we­be den Zy­klus er­heb­lich durch­ein­an­der­brin­gen kann – ge­nau­so wie ein Zu­we­nig an weib­li­chen Hor­mo­nen durch Diä­ten. Wich­tig ist aber auch das rich­ti­ge Ti­ming: „Er­staun­li­cher­wei­se über­schät­zen im­mer noch vie­le Paa­re das klei­ne Zeit­fens­ter, in dem ei­ne Be­f­ruch­tung über­haupt statt­fin­den kann“, er­klärt der Gy­nä­ko­lo­ge und Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zi­ner Dr. Kay Löb­be­cke vom Fer­ti­li­ty Cen­ter in Ham­burg (fer­ti­li­ty-cen­ter-hh.de). „Die männ­li­chen Sa­men­zel­len sind viel län­ger be­weg­lich als die Ei­zel­le be­fruch­tungs­fä­hig ist. Am bes­ten schla­fen Paa­re des­halb ei­nen Tag vorm und da­zu di­rekt am Ei­sprung­tag mit­ein­an­der.“

Da s ma­gi­sche Tor

Um die ge­nau­en Hin­ter­grün­de für den un­er­füll­ten Kin­der­wunsch her­aus­zu­fin­den, kon­zen­triert sich der Me­di­zi­ner zu­nächst auf die Fra­ge, ob es über­haupt ei­nen Ei­sprung gibt. „Re­gel­mä­ßi­ge Zy­klus­län­gen von 25 bis 28 Ta­gen mit ent­spre­chen­den Re­gel­blu­tun­gen deu­ten dar­auf hin, dass es zu ei­nem Ei­sprung kommt. Ist or­ga­nisch sonst al­les in Ord­nung, reicht es oft schon, wenn Paa­re ‚Ver­kehr zum op­ti­ma­len Zeit­punkt‘ (VOZ) ha­ben“, so Löb­be­cke. Der Me­di­zi­ner meint da­mit den ge­nau­en Tag des Ei­sprungs, der mit­hil­fe zwei­er Dia­gno­se­zy­klen er­mit­telt wer­den kann: Denn bis zum 12. Tag nach der letz­ten Blu­tung sen­det die Hirn­an­hangs­drü­se nor­ma­ler­wei­se das Fol­li­kel­sti­mu­lie­ren­de Hor­mon FSH an die Eier­stö­cke. Dar­auf­hin reift ein Ei­bläs­chen her­an, das Östro­gen bil­det. Die­ses Hor­mon sorgt auch da­für, dass sich der Mut­ter­mund öff­net. Den Start­schuss für den gro­ßen Sprung der Ei­zel­le in den Ei­lei­tern gibt schließ­lich das „Lu­t­ei­ni­sie­ren­de Hor­mon“LH. Ge­nau in die­ser Pha­se ist – ver­gleich­bar mit ei­nem ma­gi­schen Tor – die rei­fe Ei­zel­le für et­wa acht bis neun St­un­den be­reit, die Sa­men­zel­le in sich auf­zu­neh­men. „Bei zu kur­zen oder lan­gen Zy­klen gibt es sehr wahr­schein­lich ein Pro­blem mit der Ei­zel­len­rei­fung“, sagt Löb­be­cke. „Dann kön­nen wir die Eier­stö­cke mit FSH-In­jek­tio­nen von au­ßen sti­mu­lie­ren.“Denn so­lan­ge die Sper­mi­en in Ord­nung sind, kann schon die sanf­te Hor­mon­sti­mu­la­ti­on die Chan­ce auf ei­ne Schwan­ger­schaft um et­wa 15 Pro­zent er­hö­hen. Ei­ne Be­hand­lung mit dem Wirk­stoff Clo­mi­fen in Ta­blet­ten­form wird auch von Frau­en­ärz­ten durch­ge­führt. Hö­her do­sier­te Hor­mo­nin­jek­tio­nen wer­den hin­ge­gen nur in Frucht­bar­keits­zen­tren ge­ge­ben.

Auf den spu­ren der na­tur

„Paa­re un­ter 25 Jah­re ha­ben meis­tens kei­ne Pro­ble­me, schwan­ger zu wer­den“, er­klärt Löb­be­cke. „Es sei denn, es

die chan­ce auf ei­ne schwan­ger­schaft er­höht sich durch ver­zicht auf ge­nuss­mit­tel

lie­gen Er­kran­kun­gen wie ei­ne En­do­me­trio­se vor oder die Ei­lei­ter der Frau sind durch In­fek­tio­nen ver­klebt. Chla­my­di­en sind üb­ri­gens die häu­figs­te Ur­sa­che für Ver­kle­bun­gen.“Bei An­fang 30-Jäh­ri­gen sieht es laut Me­di­zi­nern schon an­ders aus. Hier lie­gen die Schwie­rig­kei­ten oft an Hor­mons­tö­run­gen oder ge­schä­dig­ten Ei­lei­tern. Hin­zu kommt, dass die Men­ge und auch die Qua­li­tät der Ei­zel­len ab Mit­te 30 lang­sam ab­nimmt. Ist zu­dem die Be­schaf­fen­heit der Sper­mi­en man­gel­haft, ver­schlech­tern sich die Chan­cen auf ei­ne nor­ma­le Be­f­ruch­tung zu­sätz­lich. „Er­freu­lich ist, dass sich Paa­re heu­te viel schnel­ler be­ra­ten las­sen als noch vor ein paar Jah­ren. Das spart Zeit und er­höht die Chan­ce auf ei­ne er­folg­rei­che Kin­der­wunsch­be­hand­lung“, sagt der Gy­nä­ko­lo­ge. „Die meis­ten ver­su­chen im Schnitt seit zwei Jah­ren, schwan­ger zu wer­den und sind Mit­te 30 bis An­fang 40.“Mit dem Spe­zia­lis­ten wird er­ör­tert, wel­che me­di­zi­ni­sche Un­ter­stüt­zung sinn­voll ist (sie­he da­zu Kas­ten links). „Wir wol­len mo­ti­vie­ren, blei­ben aber rea­lis­tisch. Es heißt zwar künst­li­che Be­f­ruch­tung, aber die Na­tur ent­schei­det im­mer noch selbst, ob ei­ne Be­f­ruch­tung statt­fin­det und die Schwan­ger­schaft wei­ter­geht“, sagt der Spe­zia­list.

und die kos­ten?

Die kom­plet­te Dia­gnos­tik zur Kin­der­wunsch­be­hand­lung ist ei­ne Kas­sen­leis­tung. Je­der kann sich al­ter­s­un­ab­hän­gig be­ra­ten las­sen. Nur nicht in Be­zug auf die Ei­zel­len­spen­de. Die ist in Deutsch­land ver­bo­ten. Ver­hei­ra­te­te Paa­re über 25 Jah­re kön­nen die Hälf­te der Kos­ten für je­weils drei Ver­su­che pro Be­hand­lungs­me­tho­de von der Kas­se er­stat­tet be­kom­men. Je­des wei­te­re Ver­fah­ren muss neu be­an­tragt wer­den. Kos­ten für die In-vi­tro-Fer­ti­li­sa­ti­on wer­den er­stat­tet, wenn die Frau nicht äl­ter als 40, der Mann nicht über 50 ist.

ma­gie des au­gen­blicks Um den 12. Tag nach der Re­gel­blu­tung öff­net sich ei­ne Art ma­gi­sches Tor: Für nur acht bis neun St­un­den

ist die rei­fe Ei­zel­le dann be­reit, die schnells­te und stärks­te Sa­men­zel­le auf­zu­neh­men und neu­es Le­ben

ent­ste­hen zu las­sen

voll im rhyth­mus In der ers­ten Zy­klus­hälf­te be­rei­tet das Östro­gen den Kör­per auf ei­ne Schwan­ger­schaft vor. Dann stat­tet das „Nest­bau-Hor­mon“Pro­ges­te­ron die Ge­bär­mut­ter op­ti­mal für den Em­bryo aus

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Tref­fer? Schon zwei Ta­ge vor Be­ginn der Re­gel­blu­tung kön­nen Tests an­zei­gen, ob Sie schwan­ger sind

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