Läuft bei de­nen

So krie­gen Sie’s auch! Für Läu­fer ist es wohl das bes­te Ge­fühl der Welt: das „Run­ner’s High“. Wie die­ser rau­sch­ar­ti­ge Zu­stand ent­steht – und was Sie tun kön­nen, um ihn zu er­le­ben

SHAPE (Germany) - - Editorial / Welcome -

Re­dak­teu­rin­nen An­na Tie­fen­ba­cher (l.) und Sa­rah Jung­claus wis­sen, wie man ein „Run­ner’s High“er­lebt

B Be­reits um 1900 be­ob­ach­te­te die ita­lie­ni­sche Ärz­tin Ma­ria Montes­so­ri, dass spie­len­de Kin­der in ei­ne Art Tran­ceZu­stand ge­ra­ten. Die Klei­nen fo­kus­sie­ren sich dann so voll­kom­men auf ih­re Ak­tio­nen, dass sie die Um­ge­bung nicht mehr wahr­neh­men. Sie wir­ken da­bei aus­ge­gli­chen, ja glück­lich. „Ähn­lich könn­te man zu­min­dest die Vor­stu­fe vom Run­ner’s High be­schrei­ben: den Flow“, weiß Sport­me­di­zi­ner und Läu­fer Dr. Kai Dreß­ler. „Flow“und der noch ex­tre­me­re, eu­pho­ri­sche Hö­he­punkt „Run­ner’s High“– die meis­ten Läu­fer ken­nen das zu­min­dest vom Na­men her. Ein Zu­stand des pu­ren Glücks, der süch­tig macht.

Wie ent­steht’s? Beim Aus­dau­er­sport schüt­tet der Or­ga­nis­mus En­do­can­na­bi­no­ide aus, die an den glei­chen Stel­len im Hirn an­do­cken wie Can­na­bis – mit ähn­li­cher Wir­kung. Auch die kör­per­ei­ge­ne Ver­si­on die­ser Dro­ge ver­rin­gert das Schmerz­emp­fin­den. Zie­hen­de Mus­keln? Bla­sen an den Fü­ßen? Ver­ges­sen. Wir füh­len uns, als könn­ten wir ewig wei­ter­ren­nen. Sind im Flow. Den­ken an nichts mehr: „Beim Lau­fen wird nach ei­ner Wei­le die Ak­ti­vi­tät des Fron­tal­hirns run­ter­ge­fah­ren. Das Ge­hirn ar­bei­tet im Spar­mo­dus, Ent­schei­dungs­pro­zes­se wer­den auf Eis ge­legt. Das Ge­dan­ken­ka­rus­sell, das uns im All­tag oft kei­ne Ru­he lässt, steht end­lich mal still.“

Wer kriegt’S?

Dür­fen auch blu­ti­ge An­fän­ger auf ein Run­ner’s High hof­fen? „Für je­man­den, der ge­ra­de erst mit Lauf­sport be­ginnt, ist es schwie­ri­ger. Sei­ne Mus­ku­la­tur er­mü­det zu schnell, wird nicht gut ge­nug durch­blu­tet. Die Ener­gie geht aus, be­vor er sich in ei­nen Flow lau­fen kann. Au­ßer­dem muss man sich erst mal ei­nen sau­be­ren Lauf­stil an­eig­nen, Rou­ti­ne be­kom­men.“Na gut, dann trai­nie­ren wir eben erst mal. Drei- bis vier­mal pro Wo­che zwan­zig Mi­nu­ten lo­cker lau­fen. Wer das schafft, kann Län­ge der Stre­cke und Tem­po lang­sam er­hö­hen – und da­mit auch die Chan­ce aufs High.

wie kit­zel ich es raus?

Aber was, wenn wir re­gel­mä­ßig lau­fen und trotz­dem noch nie ein High hat­ten? „Man muss wis­sen, dass die Fas­zi­en ei­ne gro­ße Rol­le spie­len. Die­ses in­ne­re Bin­de­ge­we­be um­man­telt al­le Mus­keln. Nur wenn es fle­xi­bel ist und schön fe­dern kann, lau­fen wir mü­he­los und im Flow. Yo­ga zum Bei­spiel ist ei­ne pri­ma Mög­lich­keit, die Fas­zi­en ge­schmei­dig zu hal­ten. Zie­hen Sie au­ßer­dem das Tem­po an. Wenn das Herz or­dent­lich pumpt, er­höht sich die Wahr­schein­lich­keit eben­falls. Lau­fen Sie ge­ra­de so schnell, dass Sie sich nicht mehr un­ter­hal­ten könn­ten (in Zah­len: Der Lak­tat­wert soll­te bei 4 mmol/Li­ter Blut lie­gen). Nach­weis­lich sind auch ex­tre­me Wet­ter­be­din­gun­gen ei­ne gu­te Vor­aus­set­zung. Ge­gen strö­men­den Regen oder Schnee­ge­stö­ber an­zu­kämp­fen, gibt uns den Ex­tra-Kick.“Der Win­ter ist al­so kei­ne Aus­re­de mehr, um nicht lau­fen zu ge­hen. Ihr Run­ner’s High könn­te in der Käl­te auf Sie war­ten …

high­lights im­mer wei­ter Läu­fer sind die glück­li­che­ren Men­schen. Das weiß je­der, der re­gel­mä­ßig joggt

Un­ser Ex­per­te Dr. Kai Dreß­ler ist selbst ak­ti­ver Läu­fer. Er ar­bei­tet als Sport­me­di­zi­ner und Fach­arzt für Or­tho­pä­die in Schwein­furt.

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