So läuft das nicht! Nichts

Un­se­re Au­to­rin liebt ih­re Fit­ness-Apps to­tal. Das Pro­blem dar­an: Sie kann mitt­ler­wei­le nicht mehr oh­ne Tra­cker auf die Stre­cke ge­hen …

SHAPE (Germany) - - Inhalt / Januar-Februar -

geht oh­ne Fit­ness­tra­cker

EEs war der Lauf mei­nes Le­bens. Ja­nu­ar 2015, fran­zö­si­sche Schweiz kurz vor Mit­tag: Vom Haus mei­ner Freun­de aus jog­ge ich über die Fel­der Rich­tung Forst. Es hat um die null Grad, die Son­ne steht matt im Ze­nith. Als ich in den Misch­wald hin­ein­lau­fe, se­he ich, wie Son­nen­strah­len durch die Baum­kup­pen drän­gen. Kein Mensch weit und breit, mei­ne Stim­mung: eu­pho­risch. Ich lau­fe die wei­chen We­ge ent­lang und bin so be­schäf­tigt mit Gu­cken, dass ich jeg­li­ches Zeit­ge­fühl ver­lie­re. Zu Hau­se wer­den ja im­mer die glei­chen Stre­cken ab­ge­joggt, da weiß ich, wie viel ein Ki­lo­me­ter ist und wie lang der Lauf schon dau­ert. Aber jetzt? Beim Blick aufs Han­dy zeigt die Run­nin­gApp 9,56 km. Un­fass­bar! 9,56! Und ich bin noch fit! Muss noch min­des­tens ei­nen Ki­lo­me­ter zu­rück­lau­fen! Das wä­ren dann über zehn Ki­lo­me­ter! Ich quie­ke vor Be­geis­te­rung. Nor­ma­ler­wei­se sind nur sechs Ki­lo­me­ter drin, sie­ben ma­xi­mal. Noch ein Blick aufs Han­dy: Der Ak­ku ist fast leer. Nur noch zehn Pro­zent! Pa­nik steigt in mir auf. Ein Wett­lauf ge­gen die Zeit be­ginnt. Ich ra­se nach Hau­se – zum Ak­ku. Denn die­ser glo­rio­se Lauf MUSS ge­spei­chert wer­den! Ich schal­te die Mu­sik aus, schlie­ße al­le An­wen­dun­gen, lau­fe mit dem Han­dy in der Hand. „Bit­te halt durch!“, fle­he ich in Ge­dan­ken. Das Haus ist schon zu se­hen … Zu spät. Auf der Ziel­ge­ra­den stirbt das Smart­pho­ne in mei­nen Hän­den. „Fuuuuuck!“, schreie ich durch die Nach­bar­schaft, könn­te heu­len. So­gar jetzt noch, wäh­rend ich die­se Zei­len schrei­be, är­ge­re ich mich to­tal, dass mein Han­dy da­mals ver­sagt und die­sen Jahr­hun­dert­lauf nicht auf­ge­zeich­net hat. Es fühlt sich so an, als hät­te er nicht statt­ge­fun­den und ich mir al­les nur ein­ge­bil­det … Mit die­sen selt­sa­men Ge­füh­len bin ich nicht al­lein. Mei­ne Freun­din K. zum Bei­spiel wür­de nie­mals oh­ne Run­nin­gApp jog­gen. Das brin­ge doch nichts. Und mei­ne Freun­din A. steht in ei­nem be­un­ru­hi­gend en­gen Ver­hält­nis zu ih­rer Fit­ness­uhr. „Ich schal­te sie im­mer ein, egal, ob ich wirk­lich Sport ma­che oder nur et­was zü­gi­ger zum Su­per­markt ge­he.“Auch A. hat das Ge­fühl, sie ha­be nur dann wirk­lich Sport ge­macht, wenn es ein di­gi­ta­les Pro­to­koll da­von gibt. Ich glau­be, wir sind al­le fit­ness­tracking­süch­tig. Vi­el­leicht ge­he ich das nächs­te Mal ein­fach mal oh­ne Run­ning-App lau­fen. Oder das über­nächs­te Mal. Weil: Wenn ich es nicht auf­zeich­ne, gilt’s ja nicht …

Oh­ne di­gi­ta­les Pro­to­koll fühlt es sich an, als ha­be der Lauf nie statt­ge­fun­den!

„oh­ne tra­cker zieht’s mir den ste­cker! Aber mit Mes­sIn­stru­ment ist man gleich viel mo­ti­vier­ter!“

smi­le Nur für ein Jog-Sel­fie in al­ler Herr­gotts­frü­he stellt Sa­bi­ne Ma­gnet mal kurz ih­re Run­ning-App aus

Kon­di­ti­on top – ak­ku flop! Am 9. Ja­nu­ar 2015 lief un­se­re Au­to­rin zum ers­ten Mal über zehn Ki­lo­me­ter. Nur lei­der gibt es da­für kei­nen Be­weis …

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