Hand aufs Haar

Füh­len sich Ih­re Sträh­nen sprö­de an? Oder ver­lie­ren Sie beim Käm­men mehr Haa­re als üb­lich? Das könn­ten die Grün­de da­für sein …

SHAPE (Germany) - - Inhalt / Januar-Februar -

Was wir ge­gen sprö­de Sträh­nen oder Haar­aus­fall tun kön­nen

SSind Sie blond? Dann ha­ben Sie mit et­wa 150.000 Haa­ren mehr auf dem Kopf als Brü­net­te, Rot- und Schwarz­haa­ri­ge. De­ren Mäh­ne zählt durch­schnitt­lich „nur“et­wa 100.000. Der Grund: Hel­le­re Haa­re sind dün­ner. Doch egal, wie vie­le uns ex­akt schmü­cken und wel­che Far­be sie ha­ben: Haa­re ha­ben ei­ne be­grenz­te Le­bens­dau­er. Nach zwei bis sechs Jah­ren hö­ren sie auf zu wach­sen, fal­len aus. Da­für kom­men stän­dig neue nach.

Nur ein Bad-hair-day?

Es gibt ei­ne ma­gi­sche Schwel­le, die uns an­zeigt, ob es doch ei­nen Grund zur Sor­ge gibt: Die liegt bei 100 Haa­ren am Tag. „Wenn im Wasch­be­cken deut­lich mehr lie­gen als sonst, ist es sinn- voll, sie ein­zeln zu zäh­len“, rät die Der­ma­to­lo­gin Dr. med. In­grid Schmoeckel. Im Früh­jahr und Herbst kann es ei­ne Pha­se ge­ben, in der un­ser Haar­ver­lust grö­ßer ist. Da­bei han­delt es sich tat­säch­lich um ei­ne Art „Fell­wech­sel“, der wohl ein Über­bleib­sel mensch­li­cher Evo­lu­ti­on ist. Erst wenn die­ser Zu­stand län­ger als zwei Wo­chen an­hält und täg­lich mehr als hun­dert aus­ge­hen, soll­ten wir den Arzt auf­su­chen. In vie­len Haut­kli­ni­ken gibt es da­für spe­zi­el­le Haar­sprech­stun­den. „Auch ein Krib­beln an der Kopf ha u t oder da s Ge­fühl, der Pfer­de­schwanz wird im­mer dün­ner, kön­nen An­zei­chen für Haar­aus­fall sein.“

die wur­zel des übels

Wenn die Haar­pracht schwin­det, kann das erb­lich, hor­mo­nell oder psy­chisch be­dingt sein. Oder: Wir er­näh­ren uns falsch. Ein aku­ter In­fekt wie Gr i ppe o der Schar­lach i st eben­falls ein mög­li­cher Aus­lö­ser. Da es so vie­le un­ter­schied­li­che Ur­sa­chen gibt, ist ei­ne

Auch die Psy­che spielt mit: Manch­mal spie­geln Haa­re see­li­sche Pro­ble­me durch Tro­cken­heit oder ver­mehr­tes Fet­ten wi­der.

ex­ak­te Dia­gno­se ent­schei­dend, wie Dr. Schmoeckel er­klärt: „Wenn ei­ne Frau mit Haar­aus­fall zu mir kommt, fra­ge ich, ob sie ge­ra­de die Pil­le ab­ge­setzt hat, schwan­ger ist oder war, Diä­ten ge­macht oder un­ter vie­len Stress­fak­to­ren lei­det.“Mög­lich ist auch, dass meh­re­re Fak­to­ren zu­sam­men­wir­ken.

ge­stör­te haar­mo­nie

Der Der­ma­to­lo­ge un­ter­schei­det drei Ar­ten des Haar­aus­falls: Beim klas­si­schen, dif­fu­sen ver­lie­ren wir über­all am Kopf gleich­mä­ßig Haa­re. Häu­fig sind Stress, Pro­ble­me mit der Schild­drü­se oder Ei­sen­man­gel die Ur­sa­che. Be­trof­fe­ne soll­ten sich un­ter­su­chen las­sen – dann ist die Pro­gno­se, dass sich die Lü­cken bald wie­der schlie­ßen, sehr gut. Im Fal­le des we­sent­lich sel­te­ne­ren kreis­run­den Haar­aus­falls ent­ste­hen kah­le, run­de Stel­len an der Kopf­haut. „Ur­sa­che da­für ist ein Au­to­im­mun­pro­zess: Der Kör­per zer­stört die ei­ge­nen Haar­wur­zeln, so­dass die Haa­re zu­nächst nicht mehr nach­wach­sen.“Zwar kom­men die Haa­re in 70 Pro­zent der Fäl­le oh­ne The­ra­pie zu­rück – das kann al­ler­dings meh­re­re Mo­na­te dau­ern. Bei hor­mon­be­ding­tem Haar­aus­fall kön­nen die An­ti­ba­by- Pil­le, ei­ne Schwan­ger­schaft oder an­de­re hor­mo­nel­le Um­stel­lun­gen ur­säch­lich sein. Frau­en lei­den dann un­ter ei­nem Haar­aus­fall des männ­li­chen Typs: Die Haa­re wer­den im vor­de­ren und obe­ren Kopf­be­reich lich­ter – al­so dort, wo auch Män­ner Ge­heim­rats­ecken und ei­ne Glat­ze be­kom­men. We­sent­lich häu­fi­ger ist der hor­mon­be­ding­te Haar­aus­fall aber ge­ne­tisch be­dingt und tritt meist ab dem 40. Le­bens­jahr auf. „Die Haar­wur­zeln re­agie­ren dann über­emp­find­lich auf das männ­li­che Hor­mon Tes­to­ste­ron.“

hil­fe fürs haar

Wenn die Ur­sa­che des Haar­aus­falls fest­steht, wird da­nach the­ra­piert: „Hat die Pa­ti­en­tin Schild­drü­sen­pro­ble­me, stel­len wir sie mit Hor­mo­nen so ein, dass die Haa­re meist wie­der nach­wach­sen“, so die Ärz­tin. Liegt es an fal­scher Er­näh­rung, Diä­ten oder ei­nem Man­gel an Spu­ren­ele­men­ten, wird das Haar oft sprö­de und fühlt sich an wie Stroh, be­vor es schließ­lich aus­fällt. Dann soll­ten wir Bio­tin, Zink und Ei­sen in Form von Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln zu­füh­ren. Bei erb­lich be­ding­tem Haar­aus­fall wer­den be­stimm­te Sub­stan­zen in die Kopf­haut mas­siert. Manch­mal so­gar sol­che, die man sonst schluckt: „Der Wirk­stoff Min­oxi­dil in der Tink­tur ,Re­gai­ne‘ ist ei­gent­lich ein Blut­druck­sen­ker. Durch Zu­fall wur­de ent­deckt, dass er das Haar­wachs­tum an­regt.“Auch Prä­pa­ra­te, die Kof­f­e­in ent­hal­ten (z. B. Plan­tur), wer­den ein­ge­setzt. „ Die

Schät­zun­gen zu­fol­ge ist je­de vier­te Frau von Haar­aus­fall be­trof­fen. Un­ter sprö­dem Haar (oft ei­ne Vor­stu­fe zum Haar­aus­fall) lei­den so­gar noch mehr.

Kopf­haut wird stär­ker durch­blu­tet. In der Fol­ge wer­den auch die Haar­wur­zeln bes­ser mit Nähr­stof­fen ver­sorgt. Der Ef­fekt ist aber eher mi­ni­mal.“

shades of grey

„Er­graut das Haar früh­zei­tig, kann man das nicht rück­gän­gig ma­chen“, weiß die Ex­per­tin. „Das Farb­pig­ment Me­la­nin wird nicht mehr aus­rei­chend pro­du­ziert und durch Luft­bläs­chen er­setzt.“Die Fol­ge: Das Haar wird weiß. Da der Pro­zess nicht bei al­len Haa­ren gleich­zei­tig ab­läuft, er­scheint es so lan­ge grau, bis je­des Haar weiß wird. Im Al­ter ist der Vor­gang völ­lig nor­mal. Sind jun­ge Frau­en be­trof­fen, liegt das meist in den Ge­nen. Wird je­mand „grau über Nacht“, war er ei­ner ex­tre­men psy­chi­schen Be­las­tung aus­ge­setzt. Die Fol­ge: „Im Kör­per ent­steht oxi­da­ti­ver Stress. Freie Ra­di­ka­le wer­den ge­bil­det, die ver­mut­lich die pig­ment­bil­den­den Zel­len schä­di­gen.“Aber zum Glück kön­nen graue Haa­re toll aus­se­hen: Nicht um­sonst lie­gen sie voll im Trend!

Plötz­lich Lo­cken! Ab et­wa 40 kön­nen glat­te Haa­re durch die hor­mo­nel­le Um­stel­lung stör­ri­scher und wel­lig wer­den.

echt spit­ze! Haa­re wach­sen et­wa ei­nen Zen­ti­me­ter pro Mo­nat

die fri­sur sitzt? Der Arzt macht bei Ver­dacht auf Haar­aus­fall ei­nen Zupf­test

vol­le mäh­ne! Erst wenn der Östro­gen­spie­gel in den Wech­sel­jah­ren sinkt, wird sie dün­ner. Die Kopf­haut pro­du­ziert dann nicht mehr so viel Feuch­tig­keit

Un­se­re Ex­per­tin Dr. med In­grid Schmoeckel, Der­ma­to­lo­gin und Haar-Ex­per­tin, tä­tig am Der­ma­to­lo­gi­kum in Ham­burg

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.