Ein gu­tes Bauch­ge­fühl Was steckt hin­ter Bauch­weh?

… wün­schen wir uns doch al­le. Aber wenn es doch mal mit­tig drückt oder seit­lich weh­tut: Die Bauch­schmer­zen-Ma­trix ver­rät uns, was da­hin­ter­ste­cken könn­te

SHAPE (Germany) - - Inhalt / Juni -

Geht Lie­be wirk­lich durch den Ma­gen? Ja, das tut sie! Denn un­se­re Kör­per­mit­te ist über Mil­lio­nen von Ner­ven­zel­len mit dem Ge­hirn ver­netzt. For­scher spre­chen so­gar von ei­nem „Hirn im Un­ter­ge­schoss“. Doch un­ser „Bauch­hirn“re­agiert nicht nur auf Ge­fühls­la­gen, es kann auch un­se­re Stim­mung be­ein­flus­sen! Denn tat­säch­lich lau­fen 80 Pro­zent der Ner­ven­strän­ge vom Bauch zum Ge­hirn. Von un­ten wer­den al­so mehr Si­gna­le nach oben ge­sen­det als um­ge­kehrt emp­fan­gen. Das be­deu­tet auch: Wenn wir Bauch­be­schwer­den lin­dern oder ganz be­sie­gen, sen­ken wir da­mit un­ser Ri­si­ko für psy­chi­sche Er­kran­kun­gen.

auf den bauch hö­ren

Hin­zu kommt: Im Bauch wer­den 80 Pro­zent al­ler Im­mun­stof­fe ge­bil­det. Das heißt, je ge­sün­der er ist, des­to grö­ßer ist die Ab­wehr­kraft un­se­res Im­mun­sys­tems. Meist ten­die­ren wir da­zu, leich­te bis mä­ßi­ge Schmer­zen erst mal zu igno­rie­ren. Oder wir schie­ben sie dar­auf, et­was Fal­sches oder zu viel ge­ges­sen zu ha­ben. Hin­ter Be­schwer­den kön­nen aber auch ernst­haf­te Er­kran­kun­gen ste­cken, de­ren Ur­sa­chen vom Arzt drin­gend be­han­delt wer­den müs­sen. In ei­ni­gen Fäl­len – wie bei ei­ner Blind­darm­ent­zün­dung – soll­te so­gar der Not­arzt ge­ru­fen wer­den. Me­di­zi­ner sind sich des­we­gen ei­nig: Bauch­schmer­zen soll­ten wir nie ein­fach igno­rie­ren. Und: Ei­ne ers­te Selbst­dia­gno­se er­setzt zwar nicht den Doc, kann aber der ers­te Schritt Rich­tung Hei­lung sein.

der selbst-check

Die Lis­te mög­li­cher Ur­sa­chen für Bauch­be­schwer­den ist ex­trem lang. „Je­des Or­gan, das an der Ver­dau­ung be­tei­ligt ist – Ma­gen, Bauch­spei­chel­drü­se, Gal­le, Dick­darm und Dünn­darm –, kann Pro­ble­me ver­ur­sa­chen“, er­klärt der Gas­tro­en­te­ro­lo­ge Prof. Dr. med. Chris­ti­an Traut­wein. Mit­hil­fe der Bauch­schmer­zen-Ma­trix (sie­he S. 77) lässt sich zu­ord­nen, um wel­che Erkrankung es sich han­deln könn­te. „Maß­geb­lich ist, ob ein Schmerz neu auf­tritt, al­so vor­her nicht da war“, so der Experte. Ha­ben wir be­reits über Jah­re Bauch­g­rum­meln, ist das kein Grund zur Sor­ge. „Wir soll­ten al­ler­dings un­be­dingt zum Gas­tro­en­te­ro­lo­gen oder In­ter­nis­ten, wenn auf ein­mal Schmer­zen ­auf­tre­ten, die mit Warn­sym­pto­men ein­her­ge­hen. Das sind: Ge­wichts­ab­nah­me, Er­bre­chen, Blut im Stuhl oder Urin, Atem­not, Läh­mun­gen oder Schmer­zen, die in an­de­re Kör­per­re­gio­nen aus­strah­len.“Bei ei­ner aku­ten ­In­fek­ti­on mit Durch­fall und/oder Er­bre­chen, die drei bis vier Ta­ge dau­ert, ist das nicht nö­tig. „Dann ist es emp­feh­lens­wert, sich zu scho­nen, min­des­tens zwei Li­ter am Tag zu trin­ken und Fieber mit Wa­den­wi­ckeln und Me­di­ka­men­ten (zum Bei­spiel Par­acet­amol) zu sen­ken“. Statt Co­la und Salz­stan­gen emp­fiehlt Dr. Traut­wein: „Ei­ne Elek­tro­lyt­lö­sung gleicht den Salz- und Was­ser­ver­lust bei Durch­fall aus (z. B. „Elo­trans Pul­ver“, 10 Beu­tel ca. 5 Eu­ro, in der Apo­the­ke). Ge­gen leich­te Be­schwer­den gibt es au­ßer­dem zahl­rei­che ef­fek­ti­ve Haus­mit­tel.“

aus omas apo­the­ke

Was zum Bei­spiel hilft, wenn wir tat­säch­lich mal zu viel ge­ges­sen ha­ben: ei­nen Tee­löf­fel ge­ras­pel­ten Ing­wer mit Was­ser über­brü­hen und zehn Mi­nu­ten zie­hen las­sen. Die Scharfstof­fe aus der Wur­zel för­dern den Stoff­wech­sel und un­ter­stüt­zen die Ma­gen­funk­ti­on. Bei Luft im Bauch: Küm­mel-Tee trin­ken. Zwei Tee­löf­fel Küm­mel­kör­ner mit hei­ßem Was­ser über­gie­ßen, zehn Mi­nu­ten zie­hen las­sen und drei­mal täglich trin­ken. Kei­ne Heil­pflan­ze lin­dert Blä­hun­gen ef­fek­ti­ver. Sod­bren­nen kön­nen wir mit Hei­ler­de vor­beu­gen. Sie bin­det über­schüs­si­ge Säu­re und hemmt Kei­me im Ma­gen. Zwei Tee­löf­fel in ei­nem Glas Was­ser auf­lö­sen und vor dem Essen trin­ken.

lie­bes ta­ge­buch …

Ha­ben wir öf­ter leich­te Ma­gen­be­schwer­den, ist es sinn­voll, ei­ne Wei­le Ta­ge­buch dar­über zu füh­ren, was wir essen. Dr. Traut­wein: „Wir er­leich­tern uns da­mit die Selbst­dia­gno­se und hel­fen dem Arzt, ei­ne wirk­sa­me The­ra­pie zu fin­den.“

Grum­meln, Gluck­sen, Blub­bern: Ner­vi­ge Darm­ge­räu­sche ver­schwin­den, wenn wir lang­sa­mer essen und auf Koh­len­säu­re in Ge­trän­ken ver­zich­ten.

star­kes zen­trum Nur wenn un­se­re Kör­per­mit­te in Ba­lan­ce ist, sind wir’s auch

Un­ser Experte Univ.-Prof. Dr. med. Chris­ti­an Traut­wein, Di­rek­tor an der Uni­k­li­nik Aa­chen, Gas­tro­en­te­ro­lo­ge und Vor­stands-Mit­glied der Deut­schen Ge­sell­schaft für Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, Ver­dau­ungs­und Stoff­wech­sel­krank­hei­ten

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