Wach statt platt!

Lang ge­nug ge­schla­fen und trotz­dem hun­de­mü­de? Wor­an es lie­gen könn­te – und wie wir es ver­mei­den

SHAPE (Germany) - - Healthy Living -

SSchon wie­der ge­rä­dert aus dem Bett quä­len und mit lee­rem Ak­ku durch den Tag kämp­fen – pas­siert je­dem mal, aber die Fra­ge ist: Wie oft? Füh­le ich mich ei­nen Tag pro Mo­nat mü­de oder sind es zwei, vier oder mehr? Ab fünf Ta­gen, so die Faust­re­gel, kann der Zu­stand näm­lich be­handl ungs­be­dürf­tig sein. Dann gilt: ab zum Haus­arzt!

wenn der in­ne­re mo­tor st reikt  …

„Bei Pa­ti­en­ten, die un­ter Mü­dig­keit lei­den, den­ke ich so­fort an zwei Ur­sa­chen. Die ers­te: ei­ne Schild­drü­sen­un­ter­funk­ti­on“, sagt Dr. med. Mat­thi­as Bram­kamp, ­In­ter­nist aus Bochum. Vor al­lem wenn an­de­re in der Fa­mi­lie be­reits Schild­drü­sen­pro­ble­me ha­ben, liegt der Ver- dacht na­he. Pro­du­ziert das Or­gan, das vor der Luft­röh­re liegt, zu we­nig Hor­mo­ne, ist der kom­plet­te Kör­per auf Spar­flam­me ge­setzt. „Zu dem Leit­sym­ptom Mü­dig­keit kom­men spä­ter auch an­de­re Be­schwer­den wie nied­ri­ger Blut­druck, Ver­stop­fung, Frie­ren, Leis­tungs­ab­fall, de­pres­si­ve Ver­stim­mun­gen, Haut­ver­än­de­run­gen und Ge­wichts­zu­nah­me trotz Ap­pe­tit­man­gel hin­zu.“So sieht die Be­hand­lung aus: Dem Kör­per wer­den die Schild­drü­sen­hor­mo­ne durch Ta­blet­ten zu­ge­führt. Das muss zwar le­bens­lang ge­sche­hen, da­für füh­len wir uns schnell wie­der ­wa­cher und fit­ter.

ess en ma cht mü­de – oder mu nter

Ei­sen­man­gel ist für den Ex­per­ten ei­ne zwei­te mög­li­che Ur­sa­che von ex­tre­mer Mü­dig­keit. Wenn uns das Spu­ren­ele­ment fehlt, wird we­ni­ger Sau­er­stoff in die Mus­keln und an­de­re Kör­per­zel­len trans­por­tiert. Auch ein Man­gel an an­de­ren Spu­ren­ele­men­ten, Mi­ne­ral­stof­fen

Nur „nor­ma­le“Mü­dig­keit kön­nen wir ein­fach weg­schla­fen – 7,5 St­un­den pro Nacht emp­feh­len Ex­per­ten.

oder Vit­ami­nen kann da­für ver­ant­wort­lich sein, dass wir uns stän­dig schlapp füh­len. Des­we­gen misst der In­ter­nist auch die Wer­te der Vit­amin B-Kom­ple­xe (B1, B6, B12) und die von Zink, Se­len und Vit­amin D im Blut. „Bei Ve­ge­ta­ri­ern kön­nen zum Bei­spiel Ei­sen und die ­BVit­ami­ne feh­len, bei Ve­ga­nern zu­sätz­lich Zink und Se­len.“Ei­ne ein­sei­ti­ge Di­ät ist eben­falls ei­ne mög­li­che ­Ur­sa­che für Man­gel­zu­stän­de und da­mit auch für Mü­dig­keit. Ob ein Arzt Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel oder den Aus­gleich durch Nah­rungs­mit­tel emp­fiehlt, hängt von der Grö­ße des Man­gels ab. „Ein leich­tes Vit­amin-D-De­fi­zit be­kom­men wir zum Bei­spiel in den Griff, in­dem wir uns ei­ne Vier­tel­stun­de am Tag dem Son­nen­licht aus­set­zen.“Das regt die kör­per­ei­ge­ne Vit­amin-DPro­duk­ti­on an.

Der rich­ti­ge treib­s­to ff?

Ei­gent­lich ist Nah­rung da­für da, un­se­ren Kör­per mit Ener­gie zu ver­sor­gen. Doch manch­mal er­rei­chen wir mit dem, was wir es­sen, ge­nau das Ge­gen­teil. Ei­ne Stu­die be­legt: Rühr­ei zum Früh­stück macht mü­de. Der Ef­fekt ent­steht durch die Kom­bi­na­ti­on schwer ver­dau­li­cher Pro­te­ine und des er­hitz­ten Fetts bei der Zu­be­rei­tung. Die Ver­dau­ung be­nö­tigt so viel Ener­gie, dass für den Rest des Kör­pers und das Ge­hirn nichts mehr üb­rig bleibt. Des­we­gen: Zu dem Rühr­ei ein Voll­korn­brot es­sen, so kann es der Kör­per bes­ser ver­wer­ten. Prin­zi­pi­ell gilt: Er­näh­ren wir uns nicht aus­ge­wo­gen, kann das zu Er­schöp­fung füh­ren. Fer­tig­pro­duk­te, Junk­food, Sü­ßig­kei­ten & Co. ent­hal­ten vie­le leicht ver­wert­ba­re Koh­len­hy­dra­te. Die trei­ben den Blut­zu­cker­spie­gel schnell in die Hö­he, um ihn eben­so schnell wie­der ab­fal­len zu las­sen. Die­ses kraft­rau­ben­de Auf und Ab lässt sich ver­mei­den, wenn wir auf kom­ple­xe Koh­len­hy­dra­te set­zen – zum Bei­spiel in Voll­korn­pro­duk­ten, Hül­sen­früch­ten und Ge­mü­se. Da die näm­lich bei der Ver­dau­ung erst auf­ge­spal­ten wer­den müs­sen, ge­hen sie lang­sa­mer ins Blut.

ein fie­se r ene rgie -räu­be r

Stress ist ei­ner der häu­figs­ten Grün­de da­für, dass wir uns mü­de, ab­ge­schla­gen und lust­los füh­len. Der Grund: Un­ser Cor­ti­sol­spie­gel ge­rät aus dem Gleich­ge­wicht. An­hal­ten­de Dau­er­be­las­tung kann da­zu füh­ren, dass die Leis­tungs­fä­hig­keit der Ne­ben­nie­ren­rin­de auf ein Mi­ni­mum re­du­ziert wird. Sie kann dann Hor­mo­ne wie Cor­ti­sol, Ad­re­na­lin und No­r­ad­re­na­lin nicht mehr in ge­nü­gen­der Men­ge frei­set­zen. „Des­we­gen soll­ten wir un­be­dingt ei­nen Aus­gleich zu un­se­rer Ar­beit schaf- fen, Sport ma­chen und uns Er­ho­lungs­pha­sen gön­nen.“Am bes­ten pla­nen wir die Be­we­gung ge­zielt in un­se­ren All­tag ein, in­dem wir mit dem Rad zur Ar­beit fah­ren oder ei­ne Sta­ti­on eher aus­stei­gen und den Rest zu Fuß ge­hen. Au­ßer­dem emp­fiehlt der In­ter­nist, auf die Warn­zei­chen des Kör­pers zu hö­ren. „Ha­ben wir Herz­ra­sen, re­gen uns bei der Ar­beit schnell auf oder

kön­nen uns schlecht kon­zen­trie­ren, soll­ten wir we­nigs­tens am Wo­che­n­en­de ein­fach mal nur aus­span­nen.“Noch bes­ser wä­re na­tür­lich ei­ne Wo­che Ur­laub! Sonst ris­kie­ren wir ein Burn-out-Syn­drom. Dann füh­len wir uns so nie­der­ge­schla­gen und ka­putt, dass wir uns zu nichts mehr auf­raf­fen kön­nen. „Wir zie­hen uns im­mer mehr zu­rück, das kann bis zur De­pres­si­on füh­ren.“

oh­ne was­ser läuft’s nicht

Stu­di­en be­le­gen: Ma­chen wir drei­mal in der Wo­che 20 Mi­nu­ten Sport, kur­belt das den Kreis­lauf an und ver­scheucht die Mü­dig­keit. Al­ler­dings soll­ten wir im Som­mer et­was vor­sich­tig agie­ren, emp­fiehlt der Spe­zia­list: „Bei Hit­ze ver­lie­ren wir nicht nur Flüs­sig­keit, son­dern auch Elek­tro­ly­te, die un­se­ren Kreis­lauf sta­bil hal­ten. Ein iso­to­ni­sches Ge­tränk nach dem Sport gleicht die­sen Ver­lust wie­der aus.“Auch mög­lich: ei­ne Ge­mü­se­sup­pe es­sen oder ei­ne Lö­sung mit Elek­tro­ly­ten (aus der Apo­the­ke) ein­neh­men. Au­ßer­dem soll­ten wir 1,5 bis 2L iter Was­ser pro Tag trin­ken. Ma­chen wir Sport, zwi­schen 2 und 3L iter am Tag. Wenn wir we­ni­ger Flüs­sig­keit auf­neh­men, als wir aus­schei­den, kön­nen die Kör­per­zel­len vie­le Funk­tio­nen nicht mehr er­fül­len. Das Blut wird di­cker, die Durch­blu­tung schlech­ter, der Blut­druck sinkt – das Ge­hirn be­kommt zu we­nig Sau­er­stoff. Die Fol­ge: Mü­dig­keit.

fast je­de krank­heit macht kraft­los

Lei­der kön­nen hin­ter dau­er­haf­ter Mü­dig­keit auch zahl­rei­che Krank­hei­ten ste­cken. Wir ken­nen das Matt­heits­ge­fühl von be­gin­nen­den In­fek­ten. Es kann aber auch auf ho­hen Blut­druck, Herz-, Lun­gen-, Le­ber-, Ma­gen­er­kran­kun­gen bis hin zu Krebs hin­wei­sen. „Vor al­lem bei Mü­dig­keit, die mit ei­nem Ge­wichts­ver­lust und/oder Nacht­schweiß ein­her­geht, soll­ten Sie un­be­dingt zum Arzt“, be­tont Dr. Bram­kamp.

ME­DI­zin als MÜDEMACH ER

Nicht sel­ten sind auch Me­di­ka­men­te ei­ne mög­li­che Ur­sa­che für ver­stärk­te Mü­dig­keit. Vor al­lem sol­che, die Blut­druck, Ner­ven­funk­tio­nen und Hor­mo­ne be­ein­flus­sen – al­so: Blut­druck­sen­ker, Be­ru­hi­gungs­mit­tel, Psy­cho­phar­ma­ka und Schmerz­mit­tel. Meist tritt der Er­schöp­fungs­zu­stand erst nach län­ger­fris­ti­ger Ein­nah­me auf. Es gibt aber auch Arz­nei­en, die be­reits ab der ers­ten Ein­nah­me Ener­gie rau­ben: „So zum Bei­spiel All­er­gie­ta­blet­ten mit dem Wirk­stoff Ce­ti­ri zi n und st ar­ke Kopf­schmerz­ta­blet­ten mit dem Wirk­stoff Tra­ma­dol.“In die­sen Fäl­len hilft es meis­tens, auf ein an­de­res Prä­pa­rat zu wech­seln. Ab­set­zen soll­te man ein Me­di­ka­ment grund­sätz­lich erst nach Rück­spra­che mit dem Arzt.

Drau­ßen früh­stü­cken? Gu­te Idee! Ta­ges­licht senkt die Pro­duk­ti­on des Mü­de­ma­cherHor­mons Me­la­to­nin

78 fal­sches früh­stück Viel Weiß­mehl und Fett in Crois­sants ma­chen uns gleich wie­der mü­de

NUR Die ers­te tas­se kaf­fee macht wach, weil das Kof­f­e­in die Aus­schüt­tung des Stress­hor­mons Ad­re­na­lin an­kur­belt. Bei der zwei­ten Tas­se müss­te der Kör­per erst neu­es Ad­re­na­lin pro­du­zie­ren, was ihn Kraft kos­tet – wir wer­den wie­der mü­de

Un­ser Ex­per­te

Dr. med. Mat­thi­as Bram­kamp, Fach­arzt für In­ne­re und All­ge­mein­me­di­zin, tä­tig in Bochum

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