Gön­nen kön­nen!

Aus­se­hen, Lie­bes­glück, Kar­rie­re: wie wir uns ein für al­le Mal vom Neid auf an­de­re be­frei­en – und da­durch viel glück­li­cher wer­den

SHAPE (Germany) - - Inhalt / Oktober -

Wie wir Neid­ge­füh­le ein für al­le Mal los­wer­den

Neu­lich im Fit­ness-Stu­dio. Fol­gen­des Sze­na­rio: Jen­ny ist ge­ra­de auf dem Cross­trai­ner, als sich die Stim­mung im Raum plötz­lich spür­bar ver­än­dert. Das Ge­schnat­ter der Frau­en­grüpp­chen ver­stummt, Män­ner­schul­tern rich­ten sich auf. Ei­ne ech­te Wow-Frau hat so­eben das Gym be­tre­ten. Strah­len­des Lä­cheln, lan­ge, blon­de Haa­re, per­fek­ter Bo­dy wie ein Vic­to­ria’sSe­cret- Mo­del. Jen­nys Nach­ba­rin schnaubt und zischt dann: „Die ist si­cher dumm wie Stroh!“Jen­ny will schon zu­stim­mend ni­cken und die Au­gen ver­dre­hen. Doch dann denkt sie sich: „Mo­ment. War­um ei­gent­lich? Wie­so ha­ben mei­ne Nach­ba­rin und ich das Be­dürf­nis, ei­ne wild­frem­de Frau schlecht­zu­re­den? Nur weil sie um­wer­fend gut aus­sieht?“Ob Lie­bes­glück, Kar­rie­re, Aus­se­hen oder Wohl­stand – wie­so kön­nen Frau­en an­de­ren ei­gent­lich nur sel­ten et­was gön­nen? Die­se und wei­te­re Fra­gen ha­ben wir ei­ner Psy­cho­lo­gin ge­stellt.

vor­teil Neid an sich ist so alt wie die Mensch­heit selbst – und nicht ­un­be­dingt schlecht für uns. „Es ist ein Ge­fühl, das so­zia­le We­sen aus­macht. Wir ver­glei­chen uns mit an­de­ren, wol­len ha­ben, was sie ha­ben. Das ist ei­ne Art Ge­rech­tig­keits­sinn, ein stän­di­ges Stre­ben nach Be­loh­nung. Ei­gent­lich et­was, das uns an­spor­nen und im Le­ben vor­an­brin­gen kann“, er­klärt Di­plom-Psy­cho­lo­gin San­dra Jan­kow­ski aus Ber­lin. Wenn wir al­so zum Bei­spiel un­se­re Vor­ge­setz­te um ih­re Füh­rungs­po­si­ti­on be­nei­den, sie uns zum Vor­bild neh­men und ex­tra hart an un­se­rer Kar­rie­re ar­bei­ten – dann ist un­ser Neid kon­struk­tiv.

nach­teil Aber Hand aufs Herz: Wir er­tap­pen uns wohl al­le ab und zu da­bei, wie wir an­de­ren et­was miss­gön­nen. Das heißt, wir wol­len nicht nur ha­ben, was der an­de­re hat – son­dern wol­len nicht, dass ER es hat. Sol­che Ge­füh­le sind Gift für un­se­re See­le. Wir gön­nen der Kol­le­gin nicht die Ge­halts­er­hö­hung, der Nach­ba­rin nicht das ma­kel­lo­se Aus­se­hen – und vi­el­leicht so­gar der bes­ten Freun­din nicht ihr neu­es Lie­bes­glück. „Wenn wir mer­ken, dass sol­che Ge­füh­le in uns hoch­kom­men, müs­sen wir uns fra­gen, war­um“, so Jan­kow­ski. Was ge­nau stört uns ­dar­an, dass die Freun­din nun glück­lich ver­ge­ben ist – an­statt uns mit ihr zu freu­en? Dass wir sel­ber im­mer nur die Idio­ten an­zie­hen? Oder sie jetzt we­ni­ger Zeit für uns hat? Wich­tig ist, die Wur­zel ei­nes Neid­ge­fühls frei­zu­le­gen. Wol­len wir wirk­lich Kar­rie­re ma­chen – oder geht es ei­gent­lich um die An­er­ken­nung, um die wir den Kol­le­gen ­be­nei­den? Falls Letz­te­res der Fall ist, kön­nen wir uns die­ses po­si­ti­ve Feed­back auch an­der­wei­tig ho­len – in­dem wir zum Bei­spiel in der Frei­zeit Gu­tes tun und uns eh­ren­amt­lich be­tä­ti­gen.

er­ken­nen Wenn wir ei­ne star­ke Ten­denz zu de­struk­ti­vem Neid und Miss­gunst ha­ben, lie­gen die Ur­sa­chen da­für meis­tens in der Kind­heit. „Wer von sei­nen El­tern nicht ge­nug Auf­merk­sam­keit, Lie­be und Be­stä­ti­gung be­kom­men hat, wird spä­ter im­mer un­ter dem Ge­fühl lei­den, nicht gut ge­nug zu sein.“

„Neid lässt sich auch ins Po­si­ti­ve um­wan­deln: in Ei­gen­mo­ti­va­ti­on“

„Auch Män­ner sind nei­disch. Sie lei­den je­doch nicht so sehr dar­un­ter“

Auf wel­che Be­rei­che un­se­res Le­bens sich das dann ge­nau aus­wirkt, hat eben­falls viel mit un­se­ren Er­fah­run­gen in der Ver­gan­gen­heit zu tun. „Wenn euch schon als Mäd­chen ge­sagt wur­de, ihr wärt ein biss­chen zu mop­pe­lig, kann es gut sein, dass ihr spä­ter vor ­al­lem auf Frau­en mit Mo­del­ma­ßen nei­disch seid“, weiß die Ex­per­tin. In­ter­es­sant: Män­ner sind üb­ri­gens ­ge­nau­so nei­disch wie Frau­en. Nur ihr Fo­kus liegt an­ders: „Män­ner sind eher auf Sta­tus­sym­bo­le der an­de­ren nei­disch. Vil­la, Por­sche, Ro­lex. Mag ein Kli­schee sein, stimmt aber. Und das ge­ben sie auch of­fen zu, oh­ne da­mit an­zu­ecken. Wäh­rend Kon­kur­renz­kampf un­ter Män­nern näm­lich ak­zep­tiert, ja so­gar von ih­nen ,er­war­tet‘ wird, ist er un­ter Frau­en in un­se­rer Ge­sell­schaft noch im­mer ver­pönt. Des­halb ist un­ser Neid oft un­ter­schwel­li­ger, ­ag­gres­si­ver – Stich­wort Läs­tern. Im schlimms­ten Fall er­le­ben Frau­en ih­ren ver­meint­li­chen ,Nach­teil‘ so frus­trie­rend, dass sie de­pres­siv wer­den.“

Um­den­ken Stellt euch vor, das Vic­to­ria’s-Se­cret-Mo­del vom An­fang der Sto­ry wä­re in den Raum ge­kom­men und Jen­nys Nach­ba­rin hät­te ge­flüs­tert: „Wow, sieht die Ham­mer aus! Da­für hat sie si­cher hart ge­ar­bei­tet!“Ein viel schö­ne­res Sze­na­rio, oder? An­de­ren Frau­en et­was zu gön­nen, kön­nen wir ler­nen. In­dem wir uns in ih­re La­ge ver­set­zen. Er­ken­nen, wie viel Ar­beit hin­ter ih­rem Er­folg steckt. Sei es in der Lie­be, im Be­ruf oder aufs Äu­ße­re be­zo­gen. Freu­en wir uns doch mit­ein­an­der! Steht uns so­wie­so viel bes­ser …

Hap­py to­ge­ther Wenn un­se­re Freun­din glück­lich ist, soll­ten wir uns mit ihr freu­en, oder?

Dream-team Oft er­ken­nen wir ei­ge­ne Stär­ken erst, wenn ei­ne gu­te Freun­din uns von ih­nen vor­schwärmt 113

Die ex­per­tin Di­plom-Psy­cho­lo­gin San­dra Jan­kow­ski ar­bei­tet als The­ra­peu­tin, Coach und Paar­be­ra­te­rin in ih­rer Pra­xis in Ber­lin und bie­tet auch On­li­ne-Be­ra­tung an: psy­cho­lo­gin-on­li­ne.com

114 Yeah! Sich mit an­de­ren zu freu­en, kann man ler­nen. Ein gu­tes Ge­fühl!

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