Kna­ckarsch de lu­xe

Siegessaeule - - Film -

„Lie­bes­brie­fe ei­ne Un­be­kann­ten“: Ein se­xu­ell auf­ge­la­de­ner Psy­cho­kri­mi, der auf dem Ro­man „Der Gar­ten der to­ten Bäu­me“des is­rae­li­schen Best­sel­ler­au­tors Yos­si Av­ni-Le­vy ba­siert

Tel Aviv ge­gen En­de der 80er-Jah­re. Hier lebt Bo­az, ein Lin­gu­is­tik­stu­dent und fleisch­ge­wor­de­ner Ado­nis, der es kaum über die Stra­ße schafft, oh­ne be­gehr­li­che Bli­cke auf sich zu zie­hen. Das un­be­küm­mer­te Le­ben mit sei­ner Freun­din ge­rät ins Wan­ken, als er Lie­bes­brie­fe von ei­nem an­ony­men männ­li­chen Ver­fas­ser er­hält. Die an­fäng­li­che Fas­zi­na­ti­on kippt bald in blan­ke Pa­ra­noia. Hin­ter je­dem Be­kann­ten, Nach­barn oder Pas­san­ten ver­mu­tet er den un­be­kann­ten Ver­eh­rer. Ein Psy­cho­thril­ler bahnt sich an, der aber in der nüch­ter­nen Ins­ze­nie­rung des is­rae­li­schen Re­gis­seurs Ya­riv Mo­zer et­was ver­san­det. Statt­des­sen ge­win­nen klas­si­sche The­men des Queer Ci­ne­ma wie­der die Ober­hand: Denn na­tür­lich grün­det Bo­az’ im­mer ag­gres­si­ver und ho­mo­pho­ber wer­den­des Ver­hal­ten auf der Ver­drän­gung der ei­ge­nen Ho­mo­se­xua­li­tät. Ein wohl­be­kann­tes Mo­tiv, dem sich der Film nach­denk­lich, aber auch re­la­tiv er­eig­nis­arm nä­hert. Sei­nem Wil­len zum Un­der­state­ment schwört er nur ab, wenn es dar­um geht, die ein­drucks­vol­le Er­schei­nung von Ar­ma­ni-Mo­del und Bo­az-Darstel­ler Yo­av Reu­ve­ni ins rech­te Licht zu rü­cken. Der Film lässt wirk­lich nichts un­ver­sucht, sei­nen Hel­den aus den Kla­mot­ten zu be­kom­men, und ver­legt Bo­az’ Iden­ti­täts­kämp­fe in Um­klei­de­ka­bi­nen, in die Ba­de­wan­ne, an den Strand und des Öf­te­ren un­ter die Du­sche. Ei­ne ero­ti­sche Fan­ta­sie, die man als Lie­bes­brief an die Schön­heit sei­nes Haupt­dar­stel­lers ver­ste­hen könn­te oder aber als ei­ne et­was arg kal­ku­lier­te Fleisch­be­schau, bei der die exis­ten­zi­el­len Kon­flik­te zum Vor­wand wer­den, um ei­nen hüb­schen Kna­ckarsch im Bild zu ha­ben. An­dre­as Scholz „Lie­bes­brie­fe ei­nes Un­be­kann­ten“, ab 13.03. im Ki­no, Pre­view MonGay: 10.03., 22:00, OmU, Ki­no In­ter­na­tio­nal

Ado­nis in Tel Aviv: Ar­ma­ni-Mo­del Yo­av Reu­ve­ni als Bo­az

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