Grun­zen im Wel­tall

Siegessaeule - - Buch -

Am 7. März er­scheint der neue Co­mic von Ralf Kö­nig. Ei­ne voll be­haar­te Me­lan­ge aus Sci-Fi, Ten­nes­see Wil­li­ams und der Köl­ner Sze­ne

• „Lie­be Ali­ens, nach mei­nem fünf­jäh­ri­gen Aus­flug in die Re­li­gi­ons­ver­wurs­tung bin ich nun erst mal fer­tig mit Gott. Zu­rück zu den Wur­zeln! Da sind sie wie­der: Kon­rad und Paul!“So wird das Come­back des be­lieb­tes­ten deut­schen Co­mic-Paa­res – wenn man mal von Max & Mo­ritz ab­sieht – auf der Home­page von Ralf Kö­nig an­ge­kün­digt. Und Fans des knol­len­na­si­gen Lang­zeit-Cou­ples kön­nen sich freu­en. Ihr Schöp­fer hat nach re­li­giö­sen The­men – zu­letzt der my­tho­lo­gi­schen Satire „Elf­tau­send Jung­frau­en“– et­was köst­lich Neu­es er­son­nen. In „Raum­sta­ti­on Sehn­sucht“wid­met sich der Meis­ter des iro­ni­schen Zei­chen­stifts ei­ner li­te­ra­ri­schen Ver­qui­ckung der US-ame­ri­ka­ni­schen Süd­staa­ten mit der Köl­ner Sze­ne. Kon­rad und Paul go Ten­nes­see Wil­li­ams – im wei­tes­ten Sin­ne. Und qua­si als Film im Film kom­men mit­ten im Co­mic im­mer wie­der ei­ni­ge Sei­ten von Pauls ent­ste­hen­dem Sci­ence-Fic­tion-Ro­man „Im Welt­raum hört dich nie­mand grun­zen“zum Ein­satz. An die­sem Ma­nu­skript sitzt Paul und ist auf­grund ei­ner un­ge­wöhn­li­chen vor­som­mer­li­chen Hit­ze­wel­le noch mehr tes­to­ste­ron­ge­plagt als oh­ne­hin. Das Raum­schiff heißt Li­bi­do XL, die As­tro­nau­ten sind Brick Hun­ter und Bar­ry Ho­den. Kon­rad fragt: „Ich neh­me an, die Mars­männ­chen sind be­haart?“– „Nur so’n biss­chen ums Ar­sch­loch rum“, er­wi­dert Paul trot­zig. Da er­eilt ihn der No­t­ruf nach Frank­furt zu sei­ner hoch­schwan­ge­ren Schwes­ter: Die be­sorg­te Mut­ter macht sich Ge­dan­ken und fin­det, ihr Sohn soll­te nach dem Rech­ten se­hen, bis das Baby da ist. Aber sie hat nicht be­dacht, dass Edel­traut mit ei­nem „Tier von Mann“ver­hei­ra­tet ist. Der heißt Kal­kow­ski, könn­te aber in der vor­som­mer­li­chen Hit­ze schnell mit Ko­wal­ski aus Wil­li­ams’ „End­sta­ti­on Sehn­sucht“ver­wech­selt wer­den. Im wei­ßen Un­ter­hemd na­tür­lich. Oben­drein ist sei­ne phy­si­sche Prä­senz von solch be­haar­ter Wucht, dass sie so­fort in Pauls Fan­ta­sie­welt und zu­gleich sein li­te­ra­ri­sches Pro­dukt Ein­gang fin­det. Ob Paul, der sich so­wie­so stän­dig wie ei­ne Kat­ze auf dem hei­ßen Blech­dach fühlt, der Ver­su­chung wi­der­ste­hen kann, wird hier nicht ver­ra­ten. Kon­rad gibt der­weil Kla­vier­stun­den, un­ter an­de­ren dem me­lan­cho­li­schen An­ton, der ein ge­brauch­tes Kon­dom un­ter dem Kla­vier­ho­cker fin­det – es ist na­tür­lich nicht von Kon­rad – und des­we­gen fast trau­ma­ti­siert ist. Au­ßer­dem ist er heim­lich in sei­nen Leh­rer ver­liebt und be­sitzt ei­ne an­ti­ke Li­körglä­ser­samm­lung, die in ih­rer Viel­falt an ei­ne „Glas­me­na­ge­rie“er­in­nert. Die­se Wil­li­ams-Ver­wei­se ma­chen Spaß, auch wenn sie zu­wei­len et­was er­zwun­gen wir­ken. Wie bei ei­nem Dia­log zwi­schen Kon­rad und Paul, wo auf den Dis­kurs über das be­kann­te Zitat von Blan­che Du­Bo­is aus „End­sta­ti­on Sehn­sucht“und wel­ches die bes­se­re deut­sche Über­set­zung sei, an­ge­spielt wird. Ob es nun „Ich ha­be mich im­mer auf die Gü­te von Frem­den ver­las­sen“oder doch die „Freund­lich­keit von Frem­den“hei­ßen soll? Ab­ge­se­hen da­von su­chen sich die Trie­be Ge­le­gen­heit zur Ent­la­dung, je­der auf sei­ne Wei­se. Egal, ob im rea­len Le­ben oder im fik­ti­ven Raum­schiff. Und na­tür­lich hat Paul Sex-Da­tes, lan­det aber wie stets bei sei­nem Long­time-Com­pa­ni­on Kon­rad. Am En­de wer­den die wo­mög­lich noch al­le bei­de häus­lich? Es wird doch nicht am Al­ter lie­gen? Zu­min­dest gibt es An­zei­chen da­für, dass Kö­nig zu die­sem Thema noch was nach­le­gen könn­te. Frank Her­mann

Ralf Kö­nig: „Kon­rad & Paul: Raum­sta­ti­on Sehn­sucht“, Ro­wohlt, 160 Sei­ten, 19,95 Eu­ro

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