Be­ton­gär­ten

Black Cra­ckers drit­tes So­lo­al­bum klei­det mit­un­ter kon­tro­ver­se Männ­lich­kei­ten in düs­te­re Ge­wän­der aus Klang

Siegessaeule - - Musik -

• Der Rap­per Black Cra­cker ist ein künst­le­ri­scher Wel­ten­bür­ger. Von Brook­lyn über Pa­ris bis Lausanne und schließ­lich nach Ber­lin, wo er der­zeit wohnt, von Sze­ne zu Sze­ne fährt der Stift auf der Land­kar­te sei­nes krea­ti­ven Schaf­fens. Brei­te An­er­ken­nung im mu­si­ka­li­schen Un­der­ground ist das Er­geb­nis die­ser in­ter­na­tio­na­len Ver­net­zung, die ihn zu un­ter­schied­lichs­ten Ufern spül­te: So tour­te er mit der quee­ren Freak-Folk-Com­bo Co­coRo­sie, mach­te Shan­non und Bru­no, die ur­sprüng­li­che Be­set­zung des Synth-Wa­ve-Du­os Light Asyl­um, mit­ein­an­der be­kannt und ar­bei­te­te mit der Schwei­zer Jaz­zcom­bo Grand Pian­ora­max. Nicht ge­ra­de die ty­pi­schen Re­fe­ren­zen ei­nes Rap­pers. Aber in ei­ner Welt, in der schwar­ze Männ­lich­keit ver­dammt wird, ein Da­sein als Ka­ri­ka­tur zu fris­ten, ent­fal­ten sich Cra­ckers Ebe­nen wie ei­ne quee­re Ro­se, die auf he­te­ro­nor­ma­ti­vem Be­ton sprießt. Sein neu­es Al­bum stellt ei­nen will­kom­me­nen An­lass dar, um für ei­nen Mo­ment in­ne­zu­hal­ten und ih­ren Duft ein­zu­sau­gen. Der Ti­tel sei­ner ers­ten So­lo­plat­te von 2010, „PreT­ty Boy“, war ein Wort­spiel, dass sich auf sein Le­ben vor Hor­mon­be­hand­lung und Tran­si­ti­on be­zog. Nach dem zwei­ten Al­bum „Te­ars Of A Clown“(2012) und der Ge­dich­te­samm­lung „40oz Ele­phant“zeigt ihn „Pos­Ter Boy“nun als voll­ende­ten Mann. Sei­ne Stim­me ist durch die Hor­mo­ne tie­fer ge­wor­den, sei­ne kri­ti­schen An­sich­ten und Selbst­be­ob­ach­tun­gen sind klar und ge­fes­tigt, auch sei­ne Fä­hig­kei­ten als Pro­du­zent sind ge­reift, al­le Beats auf dem Al­bum stam­men von ihm selbst. „Das Al­bum fei­ert Gen­der und Se­xua­li­tät“, er­zählt er im In­ter­view mit Sie­ges­säu­le, „ei­ne Co­m­ing-of-Age-Plat­te. Es geht dar­um, mei­ne ei­ge­ne Stim­me dar­in zu fin­den, aber auch dar­um, sie selbst zu hö­ren und bes­ser ken­nen­zu­ler­nen.“Auch wenn der Pres­se­text „Pos­Ter Boy“als „Off-Pop“und „spie­le­ri­scher“als sei­ne letz­ten Plat­ten be­schreibt, kann von Ra­diot­aug­lich­keit und Ea­sy Lis­ten­ing kei­ne Re­de sein. Stü­cke wie „Oh Boy“und „Hung Li­ke Sla­ve“set­zen Zei­len von Lil Way­ne und Ri­han­na in den Kon­text von Black Cra­ckers Psy­che, auf­ge­la­den mit se­xu­el­lem Raub­tier-Beu­te-Duk­tus auf der Fo­lie des „Race“-Dis­kur­ses. Das Per­sön­li­che ist das Po­li­ti­sche, aber nicht im­mer po­li­tisch kor­rekt. „Das Al­bum ist ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit dem für mich manch­mal schwie­ri­gen Ter­rain mei­ner He­te­ro­se­xua­li­tät im Spek­trum von ,queer’“, er­klärt Cra­cker. Ei­ne eben­so au­ßer­ge­wöhn­li­che wie wert­vol­le Per­spek­ti­ve, die uns dar­an er­in­nert, dass Din­ge nicht im­mer klar um­ris­sen sind. Ge­gos­sen in düs­te­re, manch­mal so­gar gru­se­li­ge Klang­wel­ten, die in ih­rer neb­li­gen Trost­lo­sig­keit bis­wei­len an ei­nen an­de­ren quee­ren Rap­per er­in­nern: Ze­bra Katz. „Pos­Ter Boy“ist üb­ri­gens die ers­te Ver­öf­fent­li­chung auf Cra­ckers ei­ge­nem La­bel Gul­ly Ha­voc Re­cor­ds, das er ge­mein­sam mit Ex-„Ber­lin Hil­ton“-Ver­an­stal­ter Ri­car­do Do­men­eck be­treibt. Am 20.03. steigt die Re­lease-Par­ty im Prin­ce Charles mit Kon­zert und DJ-Sets von Pl­an­ningto­rock, Lo­tic und Lau­ra Clock.

Text: Jo­ey Han­som, Über­set­zung: Jan Noll

Black Cra­cker: Pos­Ter Boy (Gul­ly Ha­voc Rec.), ab dem 15.03. er­hält­lich Re­lease-Par­ty, 20.03., 22:00, Prin­ce Charles

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