NACHT­AK­TIV

„Mer­maids“, „Gra­ce O’Mal­ley“, „Girls on the Ro­xx*“– in den letz­ten Jah­ren hat sich Lu­ca An­ge­la Pre­sti­fi­lip­po zur um­trie­bigs­ten Les­ben­par­ty­Ver­an­stal­te­rin Ber­lins ge­mau­sert. Höchs­te Zeit al­so, um sie zum In­ter­view zu bit­ten. Wir spra­chen mit ihr über Frau­en

Siegessaeule - - Vorderseite -

Par­ty­ho­lic: Ver­an­stal­te­rin Lu­ca re­giert die Les­ben­sze­ne Neu­es Buch über Club­kid und Sti­li­ko­ne Leigh Bo­wery J. Ja­ckie Bai­ers „Ju­lia“: Film­por­trät ei­ner Sex­ar­bei­te­rin

> Lu­ca, beim Blick in den quee­ren Par­ty­ka­len­der könn­te man mei­nen, dass die Ber­li­ner Nacht mitt­ler­wei­le den Frau­en ge­hört. Das war nicht im­mer so. Die­se Tat­sa­che war vor knapp 10 Jah­ren für uns – mei­ne Ge­schäfts­part­ne­rin Bir­te und mich – auch der Grund, mit un­se­rer ers­ten Party an­zu­fan­gen, der „Mer­maids“. Es gab da­mals zwar die „Sub­ter­ra“im SchwuZ und ei­ne Les­ben-Party im SO36, aber de­fi­ni­tiv nicht je­des Wo­che­n­en­de was. In­zwi­schen sind es weit mehr Ver­an­stal­tun­gen, wo­bei na­tür­lich im­mer die Fra­ge bleibt, ob und wie die sich hal­ten kön­nen. Wir sind auf treue Gäs­te an­ge­wie­sen. Mit drei er­folg­rei­chen Par­tys ge­lingt euch die Gäs­te­bin­dung of­fen­bar gut. Wie hast du dein Or­ga-Ta­lent ent­deckt? Ich kam 2005 nach Ber­lin und hab in der SIEGESSÄULE ge­le­sen, dass sie beim Les­ben­früh­lings­tref­fen (LFT) noch Hel­fe­rin­nen such­ten. Schließ­lich war ich mit drei wei­te­ren Frau­en für das ge­sam­te Abend­pro­gramm des LFTs zu­stän­dig. Dort ha­be ich Bir­te ken­nen­ge­lernt, die ei­ne Aus­bil­dung auf der In­sel im Trep­tower Park be­gon­nen hat­te. Sie kam auf mich zu und frag­te, ob wir nicht ge­mein­sam die ehe­ma­li­ge Les­ben­par­ty der In­sel wie­der auf­le­ben las­sen könn­ten. Tat­säch­lich ha­ben wir das zu­nächst ge­gen Be­zah­lung ge­macht, dann die Party ganz über­nom­men und die „Mer­maids“hoch­ge­zo­gen. Eu­er mul­tise­xu­ell aus­ge­rich­te­ter Vor­läu­fer der „Mer­maids“– die „Mo­no­pho­bia“– war we­ni­ger er­folg­reich. Kom­men Les­ben nur, wenn sie als Ziel­grup­pe ex­pli­zit auf dem Fly­er ste­hen? Ja, ich den­ke schon – zu­min­dest hat das mit dem mul­tise­xu­ell nicht wirk­lich funk­tio­niert. So­bald Les­ben-Party auf dem Fly­er stand, lief die Ver­an­stal­tung. Es war uns auch wich­tig, die Ver­an­stal­tung Les­ben-Party zu nen­nen und nicht Frau­en­Par­ty. Wir sind Les­ben und ma­chen das für Les­ben, das heißt, für al­le, die sich als Les­ben de­fi­nie­ren. Auch wenn ich es gut fin­de, klar­zu­stel­len, dass Freun­de in Be­glei­tung von Les­ben will­kom­men sind. Frau­en- und Les­ben­räu­me sind al­so im­mer noch wich­tig? Es ist wich­tig, Räu­me zu ha­ben, wo les­bi­sche Frau­en wis­sen, dass sie sa­fe sind und so sein kön­nen, wie sie sind. Ich möch­te Les­ben sol­che Räu­me bie­ten. Ich wer­de schon mal ge­fragt, war­um ich in ei­nem les­bi­schen Sport­ver­ein bin – nach dem Mot­to: „Wie­so das denn? Du willst dich doch ge­sell­schaft­lich in­te­grie­ren!“(lacht) Es geht da­bei aber nicht um Ab­gren­zung, son­dern dar­um, dass ich auch ein­fach mal ent­span­nen möch­te. Ich will nicht stän­dig Auf­klä­rungs­ar­beit als ein­zi­ge Les­be in ei­nem He­te­ro­ver­ein ma­chen. Eu­re Jüngs­te, die „Girls on the Ro­xx*“im Bang Bang Club (ehe­ma­li­ges SchwuZ), ist jung, ro­ckig, queer-les­bisch – und er­folg­reich. Spielt SchwuZ-Nost­al­gie bei die­sem Er­folg ei­ne Rol­le? Klar, zieht die al­te SchwuZ-Stim­mung noch, das ist ja so ei­ne Art Nach­hau­se­kom­men. Das al­te SchwuZ war auch mein ers­ter Club hier in Ber­lin. Ich fin­de, es ist ein­fach ei­ne sehr schö­ne Lo­ca­ti­on mit net­ten Räu­men. Nost­al­gie spielt al­so ei­ne Rol­le, aber vor al­lem auch die Mu­sik­aus­wahl. Zu­mal es die „Fe­ma­le Attack“-Party nicht mehr gibt, die da­vor die Les­ben, die auf Rock und In­die ste­hen, be­dient hat­te. Mit der „Mer­maids on Tour“seid ihr neue We­ge ge­gan­gen, wart auf dem Köl­ner CSD und auf les­bi­schen Fes­ti­vals von Mallor­ca bis Les­bos ver­tre­ten. Wel­che Rol­le spielt Ver­net­zung für dich? Ver­net­zung ist klas­se, das ist qua­si mein Ste­cken­pferd und macht mir un­heim­lich Spaß. Les­bos war das ers­te Mal, dass ich ei­gens zum Ver­net­zen auf ein Fes­ti­val ge­fah­ren bin. Dort ent­stand auch der Kon­takt zum Köl­ner CSD. Wir wa­ren mit Ver­an­stal­te­rin­nen der „Ve­nus De­light“aus Köln ins Ge­spräch ge­kom­men und die ha­ben uns dann zum CSD ein­ge­la­den – wo wir im Jahr dar­auf dann tat­säch­lich wa­ren. Die über­le­gen gera­de, ob sie zum CSD 2015 ei­nen Wa­gen ma­chen – dann sind wir nächs­tes Mal viel­leicht auf dem Wa­gen mit da­bei. Apro­pos CSD – den gibt es, theo­re­tisch, in Ber­lin 2015 auch wie­der. Wä­re das was für euch, da mit­zu­zie­hen? Vor drei Jah­ren wur­den wir per E-Mail vom CSD e. V. schon mal an­ge­fragt, ob wir nicht teil­neh­men möch­ten. „L-Beach“war ab­ge­sprun­gen und so hät­ten sie kei­nen Les­ben­wa­gen da­bei ge­habt. Das war knapp zwei Wo­chen vor dem CSD. Wir hät­ten das auch ge­stemmt, ob­wohl al­les so kurz­fris­tig war, doch die re­la­tiv ho­he Mie­te für den Wa­gen war in un­se­rem Bud­get ein­fach nicht drin. Auf die Schnel­le ei­nen Spon­sor zu fin­den wä­re schwie­rig ge­we­sen. Mit ei­nem Wa­gen auf dem Ber­li­ner CSD da­bei zu sein wä­re klas­se, aber da­für müss­ten sich wohl al­le Les­ben­par­tys zu­sam­men­tun. (lacht) Jetzt, wo An­ge­la Schmer­feld im Vor­stand des CSD e. V. ist, könn­te sich da viel­leicht was be­we­gen. Les­bi­sche Bars ster­ben aus, Par­tys da­ge­gen wer­den mehr. Wo­hin ent­wi­ckelt sich das les­bi­sche Sze­ne­an­ge­bot? Das Ver­schwin­den der Bars fin­de ich per­sön­lich sehr trau­rig. Bei schwu­len Freun­den mer­ke ich, dass sie stär­ker und be­wuss­ter ih­re Pro­jek­te und Or­te auf­su­chen, um die­se zu er­hal­ten. Bei den Les­ben se­he ich das lei­der nicht. Da er­le­be ich eher ei­ne Er­war­tungs­hal­tung, die Or­te im­mer voll vor­zu­fin­den. Wenn das mal nicht der Fall ist, lau­tet der ers­te Im­puls schein­bar: da ge­he ich nicht mehr hin. Da­bei soll­te frau gera­de dann dort hin­ge­hen – und noch fünf Freun­din­nen mit­brin­gen! < In­ter­view: Melanie Götz

Fo­to und Co­ver: Mar­cus Wit­te mar­cus­wit­te.com Lo­ca­ti­on: Rausch­gold rausch­gold-ber­lin.de Kon­zept und Um­set­zung: Jan Noll, Ka­ey Mo­dels, Co­ver: Lu­ca, De­bo­ra, Nel­ly, Burg­hard, Sara, Len­ni, An­na, An­ni­ka, Ma­ria Be­son­de­ren Dank an Sal­ly Mo­rell für die Un­ter­stüt­zung!

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