Sze­ne ma­chen

Siegessaeule - - Community - Mehr In­fos un­ter the­bal­le­ry.com In­ter­view: Cars­ten Bau­haus

Der ge­bür­ti­ge En­g­län­der Si­mon Wil­li­ams (Fo­to) ist Lei­ter der Bal­le­ry, ei­ner Ga­le­rie in der Nol­len­dorf­stra­ße in Schö­ne­berg, die nicht nur Ber­li­ner Künst­lern wie Ri­nal­do Hopf oder Andre­as Fux Raum bie­tet, son­dern auch Per­for­mance­kunst, Events und Kon­zer­ten. In un­se­rer Ru­brik „Sze­ne ma­chen“er­klärt er, was sei­ne Ga­le­rie von an­de­ren un­ter­schei­det, was man sich un­ter „Speak Ea­sy Ber­lin“vor­zu­stel­len hat und war­um Schö­ne­berg reif für ein Come­back ist

Wie kamst du auf den Na­men Bal­le­ry? Ich ha­be zwan­zig Jah­re in Lon­don und an an­de­ren Or­ten der Welt als Tän­zer ge­ar­bei­tet. Die Bal­le­ry ist ei­ne Mi­schung aus Bal­lett, al­so Show, und ei­ner Ga­le­rie. Nicht ein­fach nur ein Ort, wo man Bil­der zeigt. Vie­le Ga­le­ri­en fin­de ich zu ste­ril, sie se­hen aus wie Show­rooms für In­nen­ar­chi­tek­tur. Die Bal­le­ry kre­iert Events, um Leu­te zu­sam­men­zu­brin­gen. Was wird denn ne­ben Kunst­aus­stel­lun­gen in der Bal­le­ry ge­bo­ten? Ne­ben Ver­nis­sa­gen und Fi­nis­sa­gen gibt es re­gel­mä­ßig Kon­zer­te und Per­for­man­ces. Im nächs­ten Jahr wird die Mu­si­ke­rin An­ne Clark auf­tre­ten. Zur Fa­shion Week jetzt im Ja­nu­ar wer­den zwei Pop-up-Sto­res in der Bal­le­ry Zwi­schen­sta­ti­on ma­chen. Und dann gibt es je­den Di­ens­tag­abend un­ser „Speak Ea­sy Ber­lin“. Was ge­nau pas­siert da? Zum „Speak Ea­sy“kom­men in­zwi­schen 60 bis 100 Leu­te al­ler Na­tio­na­li­tä­ten und se­xu­el­ler Iden­ti­tä­ten. Na­tio­nal­fah­nen zei­gen an, wel­che Spra­che an den Steh­ti­schen ge­spro­chen wird. Und dann lernt man sich ein­fach ken­nen und re­det. Das ist das Tol­le an Ber­lin und spe­zi­ell an Schö­ne­berg: Hier ge­hen die Leu­te noch aus. Nach Ber­lin kommt schließ­lich kei­ner, um reich zu wer­den, son­dern um sich aus­zu­le­ben und Leu­te ken­nen­zu­ler­nen. Viel­leicht liegt es aber auch dar­an, dass das deut­sche Fern- se­hen so schlecht ist. Wer will da schon zu Hau­se blei­ben? Gibt es auch ein rei­nes Ho­moE­vent? Ab Fe­bru­ar wird es in der Bal­le­ry je­den letz­ten Don­ners­tag des Mo­nats dann mit „Ghet­to Fa­bu­lous“ei­nen ex­pli­zit schwu­len Af­ter-Wor­kAbend ge­ben, bei dem es je­weils ei­ne klei­ne Per­for­mance gibt. Ich glau­be, dass es in Ber­lin schwer ist, neue Män­ner vor Mit­ter­nacht oder au­ßer­halb se­xu­el­ler Kon­tex­te ken­nen­zu­ler­nen. Ich möch­te die­sen krea­ti­ven Ort schaf­fen, wo es nicht um Sex geht – das kön­nen sie dann ja an­schlie­ßend ma­chen. Die meis­ten Ga­le­ri­en be­fin­den sich in Mit­te oder Kreuz­berg. War­um hast du dich für Schö­ne­berg ent­schie­den? Es gibt zu we­ni­ge Ga­le­ri­en, die ei­ne ge­wis­se Art von Com­mu­ni­ty re­prä­sen­tie­ren, sei sie nun schwul oder nicht. Ber­lin ist ein gu­ter Ort, um sich nicht aus­schließ­lich als „schwul“zu de­fi­nie­ren. In­klu­si­on ist die Zu­kunft, das fin­de ich pro­gres­siv. Und Schö­ne­berg ist groß­ar­tig. Der Kiez hier hat ei­ne lan­ge span­nen­de Ge­schich­te: Chris­to­pher Is­her­wood wohn­te in der Nol­len­dorf­stra­ße, Mar­le­ne Dietrich sang hier um die Ecke und Ot­to Dix such­te sei­ne Mo­del­le auf der Motz­stra­ße. Der Be­zirk ist reif für ein Come­back. Und ich möch­te die Bal­le­ry zum Hot Spot des Kie­zes ma­chen. <

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.