Neu­es Ver­lags­pro­jekt für an­ti­dis­kri­mi­nie­ren­de Bü­cher, Neu­er Ro­man von Ria Klug

Siegessaeule - - Inhalt - Interview: Da­ni­el Se­gal

Mit ih­rem Ver­lags­pro­jekt w_or­ten & meer tre­ten Lann Horn­scheidt und Steff Ur­gast an, um ge­zielt an­ti­dis­kri­mi­nie­ren­de Bü­cher zu ver­le­gen – Sze­ne­n­ah und de­mo­kra­tisch. Ein Interview mit den bei­den über ge­schlechts­neu­tra­le Wör­ter und die Her­aus­for­de­run­gen ei­nes Non-Pro­fit-Ver­lags

Was be­weg­te euch, ei­nen Ver­lag ins Le­ben zu ru­fen? Lann:

Bü­cher sind ein tol­les Me­di­um, um ge­sell­schaft­li­che Ve­rän­de­run­gen an­zu­sto­ßen. Durch mei­ne Ar­beit in ei­nem Buch­la­den und mei­ne Uni-Tä­tig­keit kam dann ir­gend­wann der Ge­dan­ke, ei­nen ei­ge­nen Ver­lag zu grün­den – und da­für ha­be ich so­fort Steff mit an Bord ge­holt. Steff: Ich lie­be die Idee, po­li­ti­sche Pro­jek­te zu gestal­ten und da­durch den All­tag und auch das Um­feld mit ver­än­dern zu kön­nen. Mit ei­nem Ver­lag ist das be­son­ders gut mög­lich, weil Bü­cher her­vor­ra­gend ge­eig­net sind, kom­ple­xe In­hal­te zu über­mit­teln.

Eu­er Pro­jekt-Slo­gan ist „Ver­lag für an­ti­dis­kri­mi­nie­ren­des Han­deln“. Das be­deu­tet? L:

Es gibt ganz un­ter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten, ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung vor­zu­ge­hen. Un­ser An­satz sind di­ver­se, ganz neue Gen­res un­se­rer Pu­bli­ka­tio­nen so­wie der wich­ti­ge Aspekt der Spra­che, ge­ra­de in Be­zug auf an­ti­ras­sis­ti­sche Spra­che und ei­ne In­fra­ge­stel­lung von Zwei­ge­schlecht­lich­keit. Wie kann et­wa das ge­schlechts­neu­tra­le „they“ins Deut­sche über­setzt wer­den? Der Ver­lag pro­biert neue For­men aus, da­mit sich dis­kri­mi­nier­te Per­so­nen in den Tex­ten wie­der­fin­den und sich an­we­send füh­len.

Spie­len auch per­sön­li­che Er­fah­run­gen mit Dis­kri­mi­nie­rung in eu­re Ar­beit mit rein? S:

Ich persönlich er­le­be im All­tag häu­fig Dis­kri­mi­nie­rung. Ob es be­stimm­te Gen­der-Zu­schrei­bun­gen sind, die ich für mich als un­pas­send emp­fin­de, bis hin zu kör­per­li­chen Atta­cken, weil ich als Les­be oder Trans ge­le­sen wer­de. Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen und die Struk­tu­ren da­hin­ter spie­len da­her ei­ne gro­ße Rol­le und wir ver­su­chen, die­se pro­duk­tiv und stark in den Buch­her­aus­ga­ben um­zu­set­zen.

Wel­che Vor­aus­set­zun­gen braucht es, um bei euch ver­legt zu wer­den? L:

Wir müs­sen uns be­wusst ma­chen, dass bei­spiels­wei­se schwar­ze Per­so­nen un­glaub­lich we­nig Raum ha­ben, über­haupt Sa­chen zu äu­ßern und selbst gestal­ten zu kön­nen. In die­sem Sin­ne geht es nicht nur dar­um, was für Bü­cher wir ma­chen, son­dern auch wie wir sie ma­chen. Kön­nen Leu­te für sich selbst spre­chen? Oder sind es dann doch wie­der wei­ße Per­so­nen, die über Schwar­ze spre­chen? Ein gro­ßes An­lie­gen un­se­res Ver­lags ist es, dass al­les po­si­tio­niert ist. Soll hei­ßen: Leu­te, die von Ras­sis­mus dis­kri­mi­niert wer­den, schrei­ben auch über Ras­sis­mus. Die Über­set­zung ei­nes Trans*Buchs wird von ei­ner Trans*-Per­son vor­ge­nom­men und so wei­ter.

Eu­re Bü­cher wer­den es wahr­schein­lich nicht ein­fach auf dem um­kämpf­ten Buch­markt ha­ben. L:

Wir wis­sen na­tür­lich, dass die meis­ten un­se­rer Bü­cher nicht un­be­dingt Best­sel­ler wer­den, und ha­ben gesagt, dass wir uns fünf Jah­re Zeit ge­ben, um zu se­hen, ob wir uns da­nach über die Ver­käu­fe, Ver­an­stal­tun­gen und an­de­re Events fi­nan­zie­ren kön­nen. Der Ver­lag ist nicht auf Pro­fit aus, son­dern dar­auf, sich selbst zu tra­gen und ei­nen Raum für Neu­es zu schaf­fen. S: Au­ßer­dem set­zen wir auf Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren Ver­la­gen. Wir se­hen uns nicht als Kon­kur­renz, son­dern als Teil ei­nes kul­tu­rel­len Netz­werks. Wich­tig ist au­ßer­dem: Uns macht die Ar­beit viel Spaß und das Feed­back ist po­si­tiv. <

Ganz neu im Ber­li­ner Ver­lags­ge­schäft: Lann Horn­scheidt (Foto, re.) und Steff Ur­gast

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