Das Xpo­sed Film Fes­ti­val fei­ert Ju­bi­lä­um, Werk­schau: Die Fass­bin­der-Aus­stel­lung

Siegessaeule - - Inhalt - < Ta­nia Wit­te

Zu sei­nem zehn­jäh­ri­gen Ge­burts­tag kehrt das Xpo­sed Queer Film Fes­ti­val zu sei­nen Wur­zeln zu­rück – nach Aus­tra­li­en

> Als Re­mi­ni­si­zenz an die ei­ge­nen An­fän­ge kurvt „Pri­scil­la, Queen of the De­sert“im Er­öff­nungs­film durch das Out­back – im Ge­päck je­de Men­ge Gla­mour. An­sons­ten geht es ger­ne mal re­du­zier­ter und ex­pe­ri­men­tel­ler zu bei dem Fes­ti­val, das 2006 an­trat, dem quee­ren aus­tra­li­schen Kurz­film die Auf­merk­sam­keit zu ver­schaf­fen, die ihm ge­bührt. Seit­her wech­sel­ten die Län­der­schwer­punk­te von Ka­na­da über die Tür­kei und Spa­ni­en bis hin zum Na­hen Os­ten, Deutsch­land und Skan­di­na­vi­en. Die Um­trie­big­keit, mit der Fes­ti­val­grün­der Bart Sam­mut und sein Team nach Per­len such­ten, wur­de be­lohnt: Nach ei­ni­gen er­folg­rei­chen Jah­ren im zum Kino um­funk­tio­nier­ten SchwuZ zog das Fes­ti­val 2012 ins tech­nisch bes­ser aus­ge­stat­te­te Mo­vie­men­to um. Seit­her hat sich die Zahl der Be­su­che­rIn­nen mehr als ver­dop­pelt, Ten­denz stei­gend. „Un­se­re Umfrage im letz­ten Jahr hat ge­zeigt, dass wir mit un­se­rem Pro­gramm ein wahn­sin­nig viel­schich­ti­ges Pu­bli­kum er­rei­chen“, sagt Bart. Bei al­ler Freu­de über den Zustrom aus an­de­ren Sze­nen schla­gen die Her­zen von Bart und sei­nem Ber­li­na­le-er­prob­ten Ko-Fes­ti­val­di­rek­tor Micha­el Stütz doch vor al­lem für die quee­re Com­mu­ni­ty. Und für die den­ken sich die bei­den im­mer neue Über­ra­schun­gen und frucht­ba­re Ko­ope­ra­tio­nen aus. Ne­ben zwei Film-Talks („Drag im Film“und „Queer Film Fun­ding“) wird es ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit dem Porn­film­fes­ti­val ge­ben. Die „Naugh­ty Room Shorts“wer­den in die­sem Jahr im End­losloop in ei­ner klei­nen Box ge­zeigt, in die nur ei­ne Hand­voll Stüh­le pas­sen. So kann zwi­schen den Haupt­fil­men ent­spannt und in in­ti­mer At­mo­sphä­re ein Por­no ge­nos­sen wer­den. Dar­über hin­aus gibt es zum Ju­bi­lä­um ein be­son­de­res Ge­schenk an die Com­mu­ni­ty: den Queer Short Film Fund. „Wir wol­len der Com­mu­ni­ty et­was zu­rück­ge­ben“, er­klärt Micha­el. „Wenn wir in den letz­ten zehn Jah­ren nicht so vie­le Fil­me, vor al­lem Kurz­fil­me, gra­tis hät­ten zei­gen dür­fen, wä­re das Fes­ti­val gar nicht mög­lich ge­we­sen. Des­halb ha­ben wir statt ei­ner Re­tro­spek­ti­ve zum Zehn­jäh­ri­gen die­sen Preis für Ber­li­ner Fil­me­ma­che­rin­nen und Fil­me­ma­cher aus­ge­lobt.“Bei 5.000 Eu­ro Preis­geld und der kos­ten­lo­sen Leih­ga­be von Fil­me­quip­ment durch 25P Ci­ne Sup­port ha­ben Micha­el und Bart be­rech­tig­te Hoff­nung, dass dank des Prei­ses ein neu­er quee­rer Kurz­film ent­steht. Ne­ben den „Naugh­ty Room Shorts“gibt es fünf wei­te­re Kurz­film­pro­gram­me, zwei da­von sind dem aus­tra­li­schen Kino ge­wid­met. Fast die Hälf­te der Fes­ti­val­fil­me stam­men üb­ri­gens von weib­li­chen Re­gis­seu­rin­nen. Ist die­se pa­ri­tä­ti­sche Ver­tei­lung Ab­sicht? „Nein“, lacht Micha­el. „Wir ha­ben kei­ne Quo­te für un­se­re Fil­me, wir zei­gen sie, weil sie uns ge­fal­len. Ich muss im­mer la­chen, wenn ich das Ar­gu­ment hö­re, es gä­be nicht ge­nug gu­te Fil­me von Frau­en. Ge­ra­de im Kurz­film­be­reich ist das Un­sinn – bei Lang­fil­men sieht es lei­der an­ders aus.“Von den dies­jäh­ri­gen Spiel­fil­men ha­ben es den Di­rek­to­ren be­son­ders die spa­ni­sche Pro­duk­ti­on „Amor eter­no“und der ar­gen­ti­ni­sche Film „He­tero­fo­bia“an­ge­tan. „Bei­des sind Gen­re­fil­me“, er­klärt Micha­el. „Es ist uns wich­tig, dass un­se­re quee­ren Ge­schich­ten auch in Gen­res wie Hor­ror, Splat­ter oder Fan­ta­sy er­zählt wer­den.“Dass bei dem viel­sei­ti­gen Pro­gramm das Mo­vie­men­to plat­zen könn­te, ha­ben Bart und Micha­el mit­be­dacht: „Wir ha­ben im Mo­vie­men­to ei­nen Nach­rück­ki­no­saal in der Hin­ter­hand – wenn der An­sturm zu groß wird, zei­gen wir den Film ein­fach in bei­den.“

Sze­nen­fo­to aus dem quee­ren Hor­ror­film „Amor eter­no“, der als Mid­ni­ght Snack Spe­cial am 22.05. um 23:30 läuft

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