Rói­sín Mur­phy über ihr neu­es Al­bum, Neu­be­ginn: Aus Kool Thing wird Ev­vol

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Acht Jah­re ist es her, dass die ehe­ma­li­ge Mo­lo­ko-Front­frau Rói­sín Mur­phy ihr letz­tes So­lo­al­bum „Over­powe­r­ed“ver­öf­fent­lich­te, das da­mals als Sta­te of the Art der Pop­mu­sik gel­ten konn­te. Nun mel­det sie sich mit dem eher sper­ri­gen Nach­fol­ger „Hair­less Toys“zu­rück. Wir tra­fen sie zum Interview

Rói­sín, auf dem Co­ver dei­nes neu­en Al­bums wirkst du sehr skep­tisch und schüch­tern. Ist das be­ab­sich­tigt?

Ich ha­be aus der Fo­to­stre­cke ein Bild zwi­schen den Po­sen aus­ge­wählt, um et­was halb­wegs Un­ge­stell­tes zu krie­gen. Das Co­ver hat aber sonst kei­ne Be­deu­tung, wie auch der Ti­tel des Al­bums. Der Grund, war­um es so heißt, ist ein Miss­ver­ständ­nis: Mein Pro­du­zent Ed­die hat beim gleich­na­mi­gen Lied „Hair­less Toys“ver­stan­den, ich aber sag­te „Ca­re­less Talk“. Es be­deu­tet ein­fach nichts.

In­so­fern stim­men Co­ver und Ti­tel über­ein.

Der Ti­tel ist wie ein Schwamm, der Be­deu­tun­gen auf­saugt. Das al­les hat ab­so­lut nichts zu tun mit Kahl­köp­fig­keit oder Spiel­zeug. Es ist ein biss­chen ge­spens­tisch, ein biss­chen 70er, ein biss­chen wie ei­ne Er­in­ne­rung an ei­nen Traum, ein biss­chen angst­ein­flö­ßend.

Da­zu pas­sen die ver­stö­ren­den Song­ti­tel, et­wa „Exi­le“, „Un­in­vi­ted Gu­est“, „Evil Eyes“oder „Ex­ploi­ta­ti­on“…

Uh, gru­se­lig! So ha­be ich das noch gar nicht ge­se­hen. (lacht)

… die zu­gleich von an­ge­neh­men Dis­co-, Hou­se- und Jaz­zSounds um­hüllt sind.

Weißt du, ich mag es, wenn die Din­ge so of­fen wie mög­lich sind, sonst fan­ge ich an, um mich zu tre­ten. Auch auf der Büh­ne drü­cke ich ganz vie­le Din­ge auf ein­mal aus, weil ich aus ganz vie­len Din­gen auf ein­mal be­ste­he. Das ist mei­ne Idee vom Mensch­sein, und die ist kom­pli­ziert und un­voll­kom­men.

Du bist al­so nicht auf der Su­che nach dem per­fek­ten Pop­song?

Nein! Ich will nichts Ab­so­lu­tes in ir­gend­ei­ner Hin­sicht. Ich war schon im­mer schwie­rig, auch als das mit Mo­lo­ko an­fing. Ich trug die­se bil­li­gen Ho­sen, Le­der­klei­der, trat se­xu­ell auf, hat­te die­ses selt­sa­me Na­ge­tier­ge­biss. Al­les an mir war durch­ein­an­der, die Leu­te hiel­ten mich für un­au­then­tisch – ich woll­te auch nie au­then­tisch sein. Ich war doch ge­ra­de mal ver­damm­te 20 Jah­re jung! Im­mer ver­su­chen al­le, et­was Au­then­ti­sches auf­zu­spü­ren. Bäh, das ist so re­strik­tiv und lang­wei­lig! Ich bin so flam­boyant, wie ich will, und den­ke trotz­dem, dass ich die Wahr­heit sa­ge. Und dar­auf kommt es an: auf die Wahr­heit, nicht auf die Au­then­ti­zi­tät.

Dei­ne Sing­le „Go­ne Fis­hing“ist in­spi­riert von „Paris Is Burning“, der Do­ku über die Ball­room-Sze­ne im New York der spä­ten 80er. Wo­her kam das Be­dürf­nis, die­ses Lied zu schrei­ben?

„Go­ne Fis­hing“und „Hou­se of Glass“sind ei­gent­lich ein und das­sel­be Lied. In bei­den geht es dar­um, ei­ne Fa­mi­lie jen­seits der Fa­mi­lie zu fin­den. Si­cher­heit zu fin­den in ei­ner Sze­ne, ei­nem Un­der­ground, ei­ner Ju­gend­kul­tur. Au­ßer­dem hat mich der Film be­rührt. Grel­le Bil­der vol­ler Schön­heit, präch­ti­ge Ko­s­tü­me, die als Schutz, als Pan­zer die­nen und zu­gleich als krea­ti­ves Ven­til. In die­sen Leu­ten steckt so viel Stär­ke. Ich dach­te, hey, das sind mei­ne Bit­ches. Ge­nau­so füh­le ich mich auch! (lacht)

Ich ha­be ge­le­sen, dass du we­gen des kom­mer­zi­el­len Miss­er­folgs von „Over­powe­r­ed“ei­ni­ger­ma­ßen rat­los warst. Ist das der Grund, war­um du dich so lan­ge an kein neu­es Al­bum ge­wagt hast?

Nein. Ich war­te im­mer auf den rich­ti­gen Mo­ment, um ei­ne neue Plat­te zu ma­chen. Wenn du fünf­zehn Jah­re da­mit ver­bracht hast, Al­ben auf­zu­neh­men und auf Tour zu ge­hen, wird das auch lang­wei­lig. Es ver­wirrt mich nach wie vor, war­um in der ers­ten Be­spre­chung von „Over­powe­r­ed“stand, dass es die bes­te Popplat­te der letz­ten zehn Jah­re sei, ich da­mit aber kein Pop­star wer­den wür­de. Of­fen­sicht­lich gab es gu­te Grün­de, die Be­spre­chung war fun­diert ge­schrie­ben. Aber es wä­re zu ein­fach, des­halb ei­nen Kom­plex zu ent­wi­ckeln. < Interview: Micha­el Thiele

Rói­sín Mur­phy: Hair­less Toys (Play It Again Sam/Rough Tra­de), ab dem 08.05. er­hält­lich SIE­GES­SÄU­LE prä­sen­tiert: Berlin Fes­ti­val 2015, 29.–31.05., Are­na Park Mit Rói­sín Mur­phy live am 31.05. u. a.

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