Quee­ring the screen

Siegessaeule - - Film -

Mad Max: Fu­ry Road, AUS/USA 2015, R.: Ge­or­ge Mil­ler, mit Char­li­ze The­ron und Tom Har­dy, ab 14.05. im Kino So ein zi­vi­li­sier­tes Le­ben ist kom­pli­ziert, und so rich­tig glück­lich kann man da­bei auch nie wer­den. Im­mer wird man auf­ge­hal­ten: am Klei­der­schrank, beim Fri­seur, im Fit­ness-Stu­dio, bei der Wahl der rich­ti­gen Le­bens­ab­schnitts­be­glei­tung oder Lang­zeit­the­ra­pie. Das geht auch an­ders! Näm­lich im PostA­po­ka­lyp­se-Film, al­so dann, wenn der gro­ße Knall durch Vi­ren, Ko­me­ten, Zom­bies, Atom­krieg schon ver­hallt ist und man mor­gens nicht im Fe­der­bett auf­wacht und mit Pa­nik an die Steu­er­er­klä­rung denkt. Im bes­ten Fall hat man die Nacht über­lebt, macht sich noch ei­ne Do­se Kat­zen­fut­ter warm und ver­lässt dann bis auf die un­ge­putz­ten Zäh­ne be­waff­net un­ge­duscht die Feu­er­stel­le. Klingt stres­sig? Ist es auch, hat aber auch ein paar Vor­zü­ge, die die­ses Film­gen­re zu so ei­nem ent­span­nen­den Spaß ma­chen. Die Frau­en­fi­gu­ren sind näm­lich meist coo­le Säue, die ih­re mus­ku­lö­se Fi­gur nicht durch Nah­rungs­ver­zicht und Bo­dy­sha­ping-Kur­se er­wor­ben ha­ben, son­dern beim knall­har­ten Über­le­bens­kampf oh­ne Hoch­schul­ab­schluss. Denn für die post-apo­ka­lyp­ti­sche Frau gilt: wer sich nicht wehrt, lan­det im Bor­dell, auf dem Skla­vin­nen­markt, als Ge­bär­ma­schi­ne oder am Flei­scher­ha­ken. Die weib­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­ons­tu­gen­den wie Ge­duld, Freund­lich­keit, Kom­pro­miss­be­reit­schaft und so­zia­les Ein­füh­lungs­ver­mö­gen sind da we­nig er­folg­ver­spre­chend. Um­so er­freu­li­cher, dass Hol­ly­wood die Freu­de am ent­fes­sel­ten Ra­di­kal­fe­mi­nis­mus er­kannt hat. Mit Char­li­ze The­ron als Im­pe­ra­tor Fu­rio­sa gibt es im neu­en Film der Mad-Max-Rei­he, „Fu­ry Road“, dem bis­her vier­tei­li­gen Ma­chos-auf­Rä­dern-Spaß, end­lich ei­ne Hel­din, die den bö­sen Jungs mit prak­ti­scher Glat­ze, sinn­vol­ler Be­klei­dung und da­zu auch noch ein­ar­mig zeigt, wer kein Op­fer ist. Das er­in­nert si­cher­lich nicht zu­fäl­lig an die eben­falls eher prak­tisch ver­an­lag­ten End­zeit-Hel­din­nen und pas­sio­nier­ten Waf­fen­lieb­ha­be­rin­nen wie El­len Ri­pley (Si­gour­ney Weaver) aus der Ali­en-Se­rie, Tank Girl (Lo­ri Pet­ty) aus der gleich­na­mi­gen Co­mic-Ver­fil­mung oder Kat­niss Ever­de­en (Jen­ni­fer La­wrence) aus der Block­bus­ter-Film­se­rie „Die Tri­bu­te von Pa­nem“. Bis­her wa­ren die Mad-Ma­xFil­me eher un­auf­fäl­lig, was po­si­ti­ve Frau­en­fi­gu­ren an­geht, aber sie hat­ten auch ih­ren Charme und ih­ren Iden­ti­fi­ka­ti­ons­wert, der vor al­lem der Ab­we­sen­heit ge­ord­ne­ter und zi­vi­li­sier­ter He­te­ro­se­xua­li­tät zu ver­dan­ken ist. Scha­de, dass da­für die Welt im­mer erst den Bach run­ter­ge­hen muss, um mit nicht TÜV-zu­ge­las­se­nen Ma­schi­nen durch die Ge­gend zu hei­zen und kei­ne in vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam selbst­op­ti­mier­ten Ge­schlech­ters­te­reo­ty­pe end­los zu pro­du­zie­ren. Das schafft Frei­räu­me, bricht mit dem Ge­walt­ta­bu und gro­tes­ken Schuh­mo­del­len für Frau­en. Das mö­gen man­che un­ter­kom­plex fin­den, aber so funk­tio­niert ent­spann­tes Pop­corn-Kino: man geht rein, isst un­ge­sun­de Sa­chen, schwärmt ei­ne Hel­din an, die re­du­ziert gut­aus­se­hend und angst­frei ir­gend­ei­nen gu­ten Zweck ver­folgt, da­bei ih­re Hin­der­nis­se über den Hau­fen schießt und am En­de in den stau­bi­gen Son­nen­un­ter­gang rei­tet. Dar­über kann man nach dem Film noch nicht ein­mal gut dis­ku­tie­ren. Wenn die Welt, wie wir sie ken­nen, zu Staub zer­fällt, ist le­dig­lich ei­nes si­cher: Nur die Har­ten kom­men in den Gar­ten. <

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