Dreh­mo­ment mit Snax

Siegessaeule - - Musik -

> Zu ei­ner Zeit, als man noch das Haus ver­las­sen muss­te, um Mu­sik zu kau­fen, ent­deck­te ich die LP von The Fa­mi­ly. Ich wuss­te so­fort, dass die Band et­was mit Prin­ce zu tun ha­ben muss­te, denn die Frau auf dem Co­ver, in in­ni­ger Umar­mung mit ih­rem männ­li­chen Coun­ter­part, war Su­san­nah Mel­vo­in. Prin­ce hat­te auf Su­san­nah, die Zwil­lings­schwes­ter sei­ner da­ma­li­gen Gi­tar­ris­tin Wen­dy Mel­vo­in, zu die­ser Zeit (1985) ge­ra­de ein Au­ge ge­wor­fen. Er kon­zi­pier­te The Fa­mi­ly als Platt­form, um Su­san­nah und Ex-Ti­me-Mit­glied Paul Pe­ter­son groß raus­zu­brin­gen – ganz sei­ner An­ge­wohn­heit ent­spre­chend, Freun­de und Lieb­ha­be­rin­nen als Co­ver­stars oder Sän­ge­rIn­nen ein­zu­set­zen. The Fa­mi­ly wa­ren gen­der- und haut­far­b­en­tech­nisch divers und lun­ger­ten auf den Fotos in Cou­ture-Py­ja­mas auf der Trep­pe ei­nes Her­ren­hau­ses her­um. Das Er­geb­nis war ein bi­zar­rer, kul­ti­ger Mix aus Psy­che­de­lia, Zu­häl­ter­ge­ha­be und alt­mo­di­schem Gla­mour. 1985 schrieb Prin­ce Nost­al­gie und Kino groß, wie sein zwei­ter Film „Un­der the Cher­ry Moon“und der da­zu­ge­hö­ri­ge Sound­track „Pa­ra­de“be­wei­sen. All die­se Ex­pe­ri­men­tier­freu­de mün­de­te auch in The Fa­mi­ly, die mar­kan­te Tex­tur der Mu­sik kam von Orches­tra­tor Cla­re Fi­scher. Prin­ce schick­te Fi­scher un­voll­ende­te Songs und den Frei­fahrt­schein, sie so ci­ne­as­tisch wie mög­lich auf­zu­don­nern. Ein wei­te­rer Ein­fluss war der Sa­xo­fo­nist Eric Leeds, der Prin­ce’s auf­kom­men­des In­ter­es­se an Jazz be­stärk­te. Der ein­gän­gi­ge und dra­ma­ti­sche Pop-Funk von The Fa­mi­ly be­ein­flusst mich bis heu­te. Das Al­bum star­tet mit den wuch­ti­gen Songs „High Fa­shion“und „Mu­ti­ny“. Auch das Ori­gi­nal von „Not­hing Com­pa­res 2 U“fin­det sich hier, spä­ter we­sent­lich er­folg­rei­cher ge­co­vert von Si­ne­ad O’Con­nor. Mein Lieb­lings­stück, „Su­san­nah’s Pa­ja­mas“, ist ein schi­ckes In­stru­men­tal, wäh­rend „The Screams of Pas­si­on“als lang­sa­mes und se­xy Du­ett mit durch­ge­knall­ten Ly­rics über tan­zen­de Vor­hän­ge und Sei­den­bor­ten da­her­kommt. Text­lich tau­chen al­le von Prin­ce’s Ob­ses­sio­nen auf: rei­che Frau­en, Sex und un­er­wi­der­te Lie­be. Lei­der flopp­te das Al­bum „The Fa­mi­ly“auf­grund feh­len­der Pro­mo­ti­on. Die Grup­pe lös­te sich auf und wei­te­re Auf­la­gen der Plat­te wur­den nicht pro­du­ziert. Bleibt zu hof­fen, dass der bei­ge­leg­te Streit von Prin­ce und sei­ner Plat­ten­fir­ma War­ner da­zu führt, dass die­ses groß­ar­ti­ge Al­bum ei­nes Ta­ges neu auf­ge­legt wird. <

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