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Siegessaeule - - Inhalt - < Jan Noll

Tol­ler Bild­band: An­dy War­hols Po­la­ro­ids, Fort­set­zung der „Mill­en­ni­um“-Tri­lo­gie

Zwi­schen 1958 und 1987 fo­to­gra­fier­te der Künst­ler An­dy War­hol Freun­de, Pro­mi­nen­te, Star­lets, den New Yor­ker Geld­adel und sich selbst re­gel­mä­ßig mit ei­ner Ko­dak-So­fort­bild­ka­me­ra. Ta­schen fasst nun die­se ein­drucks­vol­len und spe­zi­el­len Ar­bei­ten in ei­nem wuch­ti­gen Bild­band zu­sam­men

> Ganz schlicht ge­sagt: Die­ser Bild­band ist echt ein Klop­per. Cir­ca fünf Ki­lo bringt die knapp 80 Eu­ro teu­re Samm­lung von War­hols Po­la­ro­ids auf die Waa­ge. Al­so nicht gera­de leich­te U-Bahn-Lek­tü­re. Zu le­sen gibt es bis auf ei­ne Ein­lei­tung von Richard B. Wood­ward oh­ne­hin nicht viel. Aber das macht nichts, denn wer die sper­ri­ge Hard­co­ver-Ver­pa­ckung auf­klappt, er­hält Ein­lass in ei­ne Welt, die eben­so wun­der­sam gla­mou­rös wie be­rü­ckend in­tim ist. Die­ser Fo­to­band ist oh­ne Fra­ge ein Aben­teu­er. Ab 1962 rück­te der Pop-Art-Re­vo­lu­tio­när War­hol die Fo­to­gra­fie im­mer stär­ker ins Zen­trum sei­nes künst­le­ri­schen Schaf­fens. Was mit Selbst­por­träts, Do­ku­men­ta­tio­nen sei­ner Ar­beit und Fo­tos von Freun­den be­gann, wur­de zu­neh­mend zu ei­ner ei­ge­nen Kunst­form. So fin­den sich in die­sem Bild­band eben­so Fo­tos, die als ei­gen­stän­di­ge Kunst­wer­ke ge­dacht sind, wie sol­che, die als Vor­la­gen für War­hols Be­ar­bei­tun­gen dien­ten: Zum Bei­spiel die ers­ten Moods für das le­gen­dä­re Schnie­del-Co­ver des Rol­lin­gS­to­nes-Al­bums „Sti­cky Fin­gers“. Der größ­te Teil der zwi­schen 1958 und 1987 ge­schos­se­nen Fo­tos zeigt al­ler­dings pro­mi­nen­te Per­so­nen. Al­le sind da­bei: von Can­dy Dar­ling und Di­vi­ne über Deb­bie Har­ry und Jo­an Col­lins bis hin zu Ni­co, Bas­qui­at, Bo­wie oder La­ger­feld. In der Aus­wahl sei­ner Mo­del­le über­win­det War­hol schein­bar bei­läu­fig so­zia­le Klas­sen, eth­ni­sche Zu­ge­hö­rig­kei­ten und Ge­schlech­ter­gren­zen – vor sei­ner Ko­dak-Ka­me­ra ste­hen schwar­ze Drag­queens gleich­be­rech­tigt ne­ben wei­ßen Sn­obs aus der High So­cie­ty. Die Ver­wen­dung der So­fort­bild­tech­nik er­zeug­te da­bei ei­nen un­er­hör­ten Ef­fekt: Da das Po­la­ro­id, das im Se­kun­den­takt wie Weg­werf­wa­re pro­du­ziert wer­den konn­te, als künst­le­ri­sches Me­di­um kei­ne über­mä­ßi­ge Se­rio­si­tät, son­dern viel­mehr ei­ne in­of­fi­zi­el­le Bei­läu­fig­keit aus­strahl­te, ge­währ­ten die Pro­mis, ob­wohl oft in gro­ßer Gar­de­ro­be, ei­nen un­ver­krampf­ten und un­ver­stell­ten Blick auf ih­re Per­sön­lich­keit. Das Er­geb­nis sind auf­re­gend in­ten­si­ve Mo­ment­auf­nah­men.

Richard B. Wood­ward & Reu­el Gol­den: „An­dy War­hol. Po­la­ro­ids 1958–1987“, Ta­schen, 560 Sei­ten, 74,99 Eu­ro

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