Was macht ei­gent­lich ... die Initia­ti­ve se­xu­el­le Viel­falt?

Siegessaeule - - Stadt -

Im letz­ten SIE­GES­SÄU­LE-Jah­res­rück­blick stand auf un­se­rer Wun­sch­lis­te für 2015, dass die „Initia­ti­ve Berlin tritt ein für Selbst­be­stim­mung und Ak­zep­tanz se­xu­el­ler Viel­falt“(ISV) wie­der mehr fi­nan­zi­el­le Mit­tel er­hält. Der 2009 von Rot-Rot auf den Weg ge­brach­te Ak­ti­ons­plan ge­gen Ho­mo­pho­bie sah un­ter an­de­rem ei­ne um­fas­sen­de Auf­klä­rungs­ar­beit an Schu­len und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen vor so­wie Em­power­ment-Maß­nah­men für LGBTIs. Doch un­ter der GroKo düm­pel­te das Ber­li­ner Pi­lot­pro­jekt auf Spar­flam­me da­hin. Wir ha­ben uns bei Tho­mas Birk von den Grü­nen, der im Au­gust ei­ne schrift­li­che An­fra­ge zur Wei­ter­ent­wick­lung der ISV an den Ber­li­ner Se­nat ge­stellt hat­te, über den Stand der Din­ge er­kun­digt

Die gu­te Nach­richt zu­erst. Wir sind mit­ten in den Haus­halts­be­ra­tun­gen und tat­säch­lich be­kommt die Initia­ti­ve mehr Geld. Das Bud­get wird von ei­ner hal­ben auf ei­ne Drei­vier­tel­mil­li­on auf­ge­stockt, das ist schon was ... !

Tho­mas, was ge­schieht denn mit der ISV zur­zeit?

Auf­sto­ckung klingt erst mal gut, aber der Um­gang da­mit bleibt un­be­frie­di­gend. Bis auf we­ni­ge Aus­nah­men ist für die Com­mu­ni­ty, die Trä­ger und die Op­po­si­ti­on noch im­mer nicht klar, was mit dem Geld ge­plant ist. Si­cher scheint, dass es ei­ne Not­un­ter­kunft für quee­re Flücht­lin­ge in Lich­ter­fel­de mit­samt ei­ner Be­ra­tungs­stel­le ge­ben wird. An­sons­ten kön­nen wir nur ab­war­ten und die Be­schlüs­se ir­gend­wann in Emp­fang neh­men.

Sie wi­der­spricht der Grün­dungs­idee der Initia­ti­ve. Zum Be­son­de­ren dar­an ge­hör­te gera­de das par­ti­zi­pa­to­ri­sche Vor­ge­hen, dass man sich zu­sam­men­setzt und ge­mein­sam über­legt. Es war nicht nur wich­tig, Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu über­brü­cken. Vor al­lem soll­te sich die Ver­wal­tung ein Stück weit öff­nen und mit­be­kom­men, was in der Com­mu­ni­ty so vor sich geht und wel­ches Pro­jekt des­halb be­son­ders för­de­rungs­wür­dig ist. Das aber scheint nicht im Sin­ne der GroKo zu sein.

Und die schlech­te?

Ist die­se Ent­wick­lung neu?

Auf je­den Fall. Zum ei­nen glau­be ich, dass sich die Ko­ali­ti­ons­part­ner selbst nur schwer ei­nig wer­den. The­men­fel­der wie „schwul-les­bi­sche Ob­dach­lo­se“oder „Trans*/In­ter“wer­den stän­dig ver­tagt. Zum an­de­ren scheint mir, dass die GroKo kein be­son­de­res In­ter­es­se an der Initia­ti­ve hat. Sie ge­hört nicht zu ih­ren Lieb­lings­pro­jek­ten, mit de­nen man sich ger­ne schmückt. Nur so er­klä­re ich mir, dass es kei­ne Zwi­schen­be­rich­te gibt. An­statt Er­fol­ge öf­fent­lich zu ma­chen, muss man sie erst müh­sam er­fra­gen. Und es gibt ja Er­fol­ge.

An Schu­len und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen wer­den viel mehr Fort­bil­dun­gen zum The­ma Ho­mo­pho­bie wahr­ge­nom­men als frü­her. In­dem man aber dar­über schweigt und die Er­fol­ge der Initia­ti­ve nicht be­wirbt, ver­hin­dert man es auch, sie groß wer­den zu las­sen.

Ein Man­gel an Trans­pa­renz al­so? Und wie er­klärt sich das?

Zum Bei­spiel?

Es ist ja nicht so, dass das Pro­jekt von al­len ab­ge­lehnt wird. Es herrscht nur ei­ne ge­wis­se Un­ent­schlos­sen­heit, ein man­geln­des brei­te­res In­ter­es­se, das ei­ne not­wen­di­ge Wei­ter­ent­wick­lung der Initia­ti­ve zu­las­sen wür­de. < In­ter­view: Su­sann Reck

Aber wie er­klärt sich dann, dass es mehr Geld gibt?

Tho­mas Birk, Queer­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.