Ge­gen das Ver­ges­sen

Siegessaeule - - Film -

Der für zahl­rei­che „Tat­or­te“be­kann­te Re­gis­seur Lars Krau­me ist im Ok­to­ber mit gleich zwei hoch­ka­rä­tig be­setz­ten deut­schen Pro­duk­tio­nen im Ki­no ver­tre­ten. Da­bei the­ma­ti­sie­ren so­wohl das Nach­kriegs­dra­ma „Der Staat ge­gen Fritz Bau­er“als auch die Tra­gi­ko­mö­die „Fa­mi­li­en­fest“ho­mo­pho­be Ge­sell­schafts­struk­tu­ren > Die­ser Mann war vie­len läs­tig: Fritz Bau­er, So­zi­al­de­mo­krat, Ju­de und KZ-Über­le­ben­der, sah nach Jah­ren des Exils sei­ne Auf­ga­be dar­in, als Ge­ne­ral­staats­an­walt am Auf­bau ei­nes neu­en, ei­nes de­mo­kra­ti­schen Deutsch­lands mit­zu­wir­ken. Vor al­lem aber woll­te Bau­er, dass sich die Deut­schen ih­rer Ge­schich­te stel­len und die Ver­bre­chen der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf­ge­ar­bei­tet wer­den. Wel­che Wi­der­stän­de von­sei­ten der Po­li­tik wie des Jus­tiz­ap­pa­ra­tes er da­bei zu über­win­den hat­te, zeig­te be­reits Gi­ulio Ric­cia­rel­lis Film „Im La­by­rinth des Schwei­gens", der im No­vem­ber letz­ten Jah­res ins Ki­no kam. Das Spiel­film­de­büt über die Vor­ge­schich­te der Au­schwitz-Pro­zes­se geht nun für Deutsch­land ins Os­car-Ren­nen. Über­ra­schen­der­wei­se hat­te auch Lars Krau­me zeit­gleich die Ge­schich­te Fritz Bau­ers und des­sen ein­sa­men Kampf ge­gen das Ver­ges­sen als Film­stoff für sich ent­deckt. Im Zen­trum steht nun al­ler­dings Fritz Bau­ers kaum be­kann­te Mit­wir­kung an der Ent­de­ckung und Er­grei­fung von Adolf Eich­mann, dem Or­ga­ni­sa­tor der Ver­nich­tungs­trans­por­te. Die Ade­nau­er-Re­gie­rung hat al­ler­dings kei­ner­lei In­ter­es­se, dass es zu ei­nem Pro­zess ge­gen Eich­mann auf deut­schem Bo­den kommt. Zu groß ist die Angst, dass NS-Ver­bre­cher vor Ge­richt wei­te­re Na­men nen­nen könn­ten – auch von je­nen füh­ren­den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, die längst wie­der in Wirt­schaft und Po­li­tik zu Amt und Wür­den ge­kom­men sind. „Mei­ne ei­ge­ne Be­hör­de ist Fein­des­land", stellt Bau­er (Burg­hart Klauß­ner) nüch­tern fest. Tat­säch­lich wer­den al­le He­bel in Be­we­gung ge­setzt, um die Ar­beit des „Lan­des­ver­rä­ters“zu be­hin­dern. Auch sei­ne Ho­mo­se­xua­li­tät will man not­falls nut­zen, um den un­lieb­sa­men Ju­ris­ten aus dem Amt zu ja­gen. Dass Bau­er im dä­ni­schen Exil we­gen ho­mo­se­xu­el­ler Kon­tak­te ver­haf­tet wor­den war, ist dem BND nicht ver­bor­gen ge­blie­ben. Zu wel­chen Vor­sichts­maß­nah­men und Ar­ran­ge­ments sich Bau­er ge­zwun­gen sah, um sich als schwu­ler Mann in der Ade­nau­er-Ära be­haup­ten zu kön­nen, lässt Krau­me le­dig­lich in ei­ni­gen Dia­lo­gen an­klin­gen. Um­so deut­li­cher zeigt er am Bei­spiel von Bau­ers (fik­ti­vem) Kol­le­gen, ei­nem jun­gen Staats­an­walt (Ro­nald Zehrfeld), wie des­sen Af­fä­re mit ei­nem Trans­ves­ti­ten und Ca­ba­ret-Sän­ger die bür­ger­li­che Exis­tenz zu zer­stö­ren droht. Zu­ge­ge­ben, „Der Staat ge­gen Fritz Bau­er“mag just bei die­sem Hand­lungs­strang et­was lehr­stück­haft er­schei­nen, aber das fällt kaum ins Ge­wicht. Krau­mes Kam­mer­spiel ist Po­litthril­ler, Ge­schichts­dra­ma und Bio­pic in ei­nem und zwei­fel­los ei­ne der bes­ten deut­schen Pro­duk­tio­nen des Jah­res. Der 32jäh­ri­ge Fil­me­ma­cher setzt auf de­tail­ge­naue

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