Quee­ring the screen

Siegessaeule - - Film -

Porn­film­fes­ti­val, die Ver­lei­hung des PorYes Awards und „Hust­la­ball“– der Ok­to­ber steht ganz im Zei­chen der Por­no­gra­fie. SIE­GES­SÄU­LE-Au­to­rin Kit­ty­hawk (Fo­to) hat das zum An­lass ge­nom­men, um über ih­re Vor­lie­be für Schwu­len­por­nos aus den 70ern zu schrei­ben > Ich schrei­be die­sen Text mit ei­ner Hand in der Ho­se. Nein, stimmt nicht. Ich tip­pe nach Zehn­fin­ger­sys­tem. Was ich sa­gen will: Ich gu­cke ger­ne Schwu­len­por­nos. Sie ma­chen mich an, als hät­te je­mand mei­nen Reiß­ver­schluss ge­öff­net und be­herzt hin­ein­ge­grif­fen. Bei Por­nos mit Frau­en bleibt das Hö­schen tro­cken. Egal, ob aus dem He­te­ro-, Les­ben- oder quee­ren Spek­trum. Ei­ne Spiel­art der Na­tur will es so: Mich be­geis­tern mit­ein­an­der fi­cken­de schwu­le Män­ner. Mit die­sen ganz spe­zi­el­len Kör­per­tei­len un­ten­rum, die ich in der Rea­li­tät kom­plett links lie­gen las­se. Die ich, oh­ne mit der Wim­per zu zu­cken, von der Bett­kan­te schnip­sen wür­de. Im Film will ich sie nicht mis­sen: Schwän­ze! Mein Rech­ner ist voll von ih­nen. Und zwar seit in mir ei­ne hei­ße Lei­den­schaft für die US-ame­ri­ka­ni­schen Wer­ke der 1970er-Jah­re ent­flammt ist. Die Zeit ging als The Gol­den Age of Gay Porn in die An­na­len der Ki­no­kunst ein. Da­mals ka­men durch ei­ne Fü­gung der Ge­schich­te se­xu­el­le Re­vo­lu­ti­on, ho­mo­se­xu­el­le Eman­zi­pa­ti­on, zen­sur­po­li­ti­sches Wild­west und die Lust an der Lust auf Film zu­sam­men. Kü­bel­wei­se Sper­ma spritz­te von bis­lang un­be­fleck­ten Lein­wän­den. Klat­schen­de Ho­den und sau­gen­de Män­ner­mün­der eri­gier­ten das Pu­bli­kum. Die Fil­me wa­ren ex­pe­ri­men­tell, ver­spielt und zu­min­dest in mei­ner Fan­ta­sie auf ei­ne nost­al­gi­sche Art un­schul­dig. Erst durch sie ent­stand nach und nach ei­ne rie­si­ge schwu­le Sex­film­in­dus­trie. Schwän­ze kom­men und kom­men – und da kom­men sie schon wie­der. Lie­ben nicht al­le Les­ben in ei­nem Win­kel ih­res Her­zens Schwu­len­por­nos? So zu­min­dest geht die stei­le The­se. Und wenn ja – war­um? In „The Kids Are All Right“er­klärt das er­tapp­te les­bi­sche El­tern­paar dem ir­ri­tier­ten Nach­wuchs die Sa­che so: Im Ge­gen­satz zu ei­ner in sich ver­schlun­ge­nen, Lust ver­schlin­gen­den Va­gi­na, de­ren ero­ti­sche Ab­läu­fe sich zwar gut er­spü­ren las­sen, aber nicht so leicht im – sa­gen wir – Mul­ti­plex dar­stell­bar sind, steht ein har­ter Schwanz für den ex­ter­na­li­sier­ten Sex. Ein kla­rer Fall: So funk­tio­niert die Hy­drau­lik, das Gan­ze passt glatt in ei­ne Hand und hat et­was wun­der­bar Skulp­tu­ra­les. Und der Or­gas­mus schaut aus, als wär er nur fürs Ki­no er­fun­den, in Zeit­lu­pe. Die Sti­mu­la­ti­on der G-Flä­che macht op­tisch ein­fach nicht so viel her. Auch po­li­tisch hat das Gen­re Vor­tei­le: Se­xis­mus ge­gen Frau­en fällt raus. Es gibt kei­ne fil­mi­sche Re­pro­duk­ti­on häss­li­cher Macht­ge­fäl­le der Ge­schlech­ter, die in der Rea­li­tät schon der Ab­tur­ner sind, kei­ne aus­ge­lutsch­ten Rol­len­kli­schees. Auch fehlt das un­gu­te Ge­fühl, ei­ner He­tero­fan­ta­sie von Les­ben­sex bei­zu­woh­nen, die vie­len Fil­men an­haf­tet wie ro­ter Na­gel­lack lan­gen Fin­ger­nä­geln, die hek­tisch stei­fe Nip­pel um­krei­sen. Ja, ich weiß: Es gibt tol­le quee­re Por­nos. Und ich wür­de je­de Pe­ti­ti­on für die För­de­rung von or­dent­lich durch­ge­queer­tem Hard­core un­ter­schrei­ben, wür­de für von selbst­be­wuss­ten, sex­po­si­ti­ven Re­gis­seu­rin­nen in­sze­nier­te vö­geln­de Les­ben auf die Stra­ße ge­hen. Aber mit der Hand in der Ho­se, da fas­zi­niert mich die­ses atem­lo­se End­los­schau­spiel des ma­ni­schen Pe­nis­ab­bil­dens. Das ist ein­fach mein Ding. <

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