Di­va spielt Di­va

Siegessaeule - - Bühne -

„Die schöns­te Frau der Welt zu sein ist kein Spaß. Die schöns­te Frau der Welt ge­we­sen zu sein ist ei­ne Ka­ta­stro­phe“, lau­tet der Un­ter­ti­tel des Stücks „He­le­na. Plä­doy­er für ei­ne Schlam­pe“, in dem Geor­get­te Dee ab dem 13. Ok­to­ber die­se Tat­sa­chen auf die Büh­ne des Re­nais­sance Thea­ters bringt > He­le­na? Ja, die mit Tro­ja. Aus ei­nem Ei ge­bo­ren, Toch­ter von Zeus, be­gehrt vom hal­ben an­ti­ken Grie­chen­land. Sie hei­ra­tet Me­ne­la­os, brennt mit Pa­ris durch und löst so den Tro­ja­ni­schen Krieg aus. Nach Pa­ris' Tod hei­ra­tet sie sei­nen Bru­der Dei­pho­bos, kehrt dann aber doch an der Sei­te des sieg­rei­chen Me­ne­la­os heim nach Spar­ta und hat mit ihm Kin­der. Vie­len gilt sie als „schil­lernds­te Schlam­pe der Welt­ge­schich­te“. Ist sie das wirk­lich? Dee gibt He­le­na ei­ne Per­sön­lich­keit. Ei­ne Di­va spielt ei­ne Di­va. Ei­ne ver­brauch­te, ver­sof­fe­ne, mit dem Le­ben fer­ti­ge Di­va, die ih­ren Frust über die Ver­gan­gen­heit aus­kotzt. Sie fleht, sie schmollt, sie ze­tert, sie lallt, sie de­kla­miert, sie ha­dert, sie säuft, sie lei­det, sie singt – sie er­zählt. Wie das kam mit Me­ne­la­os, dann mit Pa­ris. Wie sie den Tro­ja­ni­schen Krieg er­lebt. Wie sie fer­tig wird mit all dem. „Seit ich neun war, wur­de ich ver­hö­kert, miss­braucht, ver­ge­wal­tigt, ver­bo­gen, ver­krüp­pelt ...“, ruft die Dee als He­le­na. „Für mich ist He­le­na ei­ne rea­lis­ti­sche, prag­ma­ti­sche Frau“, er­zählt Geor­get­te Dee. Frü­her kann­te sie He­le­na als Pro­jek­ti­ons­flä­che für Schön­heit und ein kli­schee­haf­tes Frau­en­bild. Nun emp­fin­det sie Sym­pa­thie und An­er­ken­nung für die my­thi­sche Fi­gur. „Sie lässt ihr Kö­nig­reich und ih­ren Prin­zen sit­zen, um in ein an­de­res Kö­nig­reich zu ge­hen – nicht wis­send, was sie da er­war­tet. Über das Schei­tern denkt sie gar nicht nach.“Der spa­ni­sche Au­tor Mi­guel del Ar­co hat „He­le­na. Plä­doy­er für ei­ne Schlam­pe“als Mo­no­log ge­schrie­ben – Re­gis­seur Elias Per­rig, der es mit Thea­ter Wahl­ver­wand­te im Re­nais­sance Thea­ter in­sze­niert, sagt: „Für mich ist es ein Stück über je­man­den, der auf­wächst als Star – durch Schön­heit in die­sem Fall – und da­mit zu kämp­fen hat, dass die­ses Image ir­gend­wann ver­fällt.“Dass Geor­get­te die Rol­le über­nahm, ist für ihn „ein Glücks­fall“, sagt er. „Geor­get­te bringt viel mit, was die­se Rol­le hat, ei­ne lan­ge Ge­schich­te als Di­va auf der Büh­ne, und sie ist au­then­tisch, das hat mich im­mer fas­zi­niert.“Fin­det auch Geor­get­te her­s­elf: „Ich den­ke, dass die­se Fi­gur, die­ses Stück mit mir, mit Geor­get­te Dee, mit mei­nem Al­ter, vie­le Be­rüh­rungs­punk­te hat.“< Mal­te Gö­bel

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