Was macht ei­gent­lich ... Pro Quo­te Re­gie?

Siegessaeule - - Stadt -

Weiß, männ­lich, über 50 – so se­hen in der Re­gel Ent­schei­dungs­trä­ger in der Film­bran­che aus. Seit zwei Jah­ren setzt sich die Gleich­stel­lungs­in­itia­ti­ve „Pro Quo­te Re­gie“für ei­nen hö­he­ren Frau­en­an­teil ein. Wäh­rend der letzt­jäh­ri­gen Ber­li­na­le in­stal­lier­te man auf dem Pots­da­mer Platz ein ku­gel­för­mi­ges, trans­pa­ren­tes Zelt, um die­ses An­lie­gen zu dis­ku­tie­ren. SIE­GES­SÄU­LE.DE be­rich­te­te. Bei Re­gis­seu­rin und Vor­stands­mit­glied Ma­ria Mohr frag­ten wir nach, was seit­dem pas­siert ist

Was hat sich im letz­ten Jahr bei euch ge­tan? Un­ser Schwer­punkt war die po­li­ti­sche Ar­beit. Für 2017 ist die Än­de­rung des Film­för­der­ge­set­zes ge­plant. Das ist ei­ne his­to­ri­sche Chan­ce, für Frau­en im Film­be­reich bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen. Da­her wol­len wir, dass ei­ne Er­klä­rung ver­an­kert wird, die ver­gleich­bar mit dem Gleich­stel­lungs­pa­ra­gra­fen im Grund­ge­setz ist. Al­so: Frau­en und Män­ner sind gleich­be­rech­tigt. Und be­ste­hen­de Nach­tei­le zwi­schen den Ge­schlech­tern sol­len be­sei­tigt wer­den. Au­ßer­dem ha­ben wir die gleich­be­rech­tig­te Be­set­zung von Ent­schei­dungs­gre­mi­en ge­for­dert. Bei­des wird wahr­schein­lich durch­kom­men. Nicht aber ei­ne kon­kre­te Quo­te, die ist mit der CDU nicht zu ha­ben. Was hat Pro Quo­te Re­gie bis­her er­reicht? Al­lein durch un­se­re Prä­senz auf vie­len Ver­an­stal­tun­gen in der Bran­che und der Po­li­tik kann das The­ma nicht mehr igno­riert wer­den. Das öf­fent­lich­recht­li­che Fern­se­hen strebt nun bei man­chen For­ma­ten 20 Pro­zent Frau­en­an­teil in der Re­gie an. Was ei­gent­lich ein Witz ist, aber ei­ne Ver­dop­pe­lung ge­gen­über den jet­zi­gen Ver­hält­nis­sen be­deu­tet. Wo­mit ar­gu­men­tie­ren die Quo­ten­geg­ner? Häu­fig hö­ren wir: „Es geht nicht ums Ge­schlecht, es geht um Qua­li­tät. Wir wol­len ein­fach gu­te Fil­me se­hen.“Da sa­gen wir: „Ja, wir auch.“Aber vie­le gu­te Fil­me von Frau­en kön­nen erst gar nicht ent­ste­hen, weil man es ih­nen nicht zu­traut, weil sie kei­ne gro­ßen Bud­gets er­hal­ten und weil schon aus den Hoch­schu­len her­aus eher Män­ner für die Jobs emp­foh­len wer­den. Da­bei schnei­den Frau­en mit ih­ren ers­ten Fil­men, auf Fes­ti­vals und was Prei­se an­geht, über­durch­schnitt­lich gut ab. Aber da­nach ver­schwin­den die Chan­cen, sich wei­ter zu be­wei­sen. Wo­her kommt die­ses Un­gleich­ge­wicht? Män­ner wer­den als durch­set­zungs­fä­hi­ger, mu­ti­ger, in­no­va­ti­ver wahr­ge­nom­men. Die­se wirk­mäch­ti­gen Kli­schees muss man mit ei­ner Quo­te aus­he­beln. Ist der Film­nach­wuchs po­li­tisch ak­tiv? Die spü­ren das Un­gleich­ge­wicht oft erst spä­ter. Es gab ei­ne Um­fra­ge un­ter ehe­ma­li­gen Stu­die­ren­den der Fil­mu­ni Ba­bels­berg. Fünf Jah­re nach Ab­schluss konn­ten al­le männ­li­chen Ab­sol­ven­ten von ih­rer Ar­beit le­ben, aber nur 25 Pro­zent der Frau­en. Das Trau­ri­ge ist, dass vie­le im­mer noch den­ken: Ich bin nicht gut ge­nug. Ich muss mich bes­ser ver­kau­fen. Aber selbst dann hät­ten sie nicht die glei­chen Chan­cen. Wenn ich mer­ke, dass es für mich viel län­ger dau­ert, ei­nen Film zu fi­nan­zie­ren, als für ei­nen männ­li­chen Kol­le­gen, dann muss ich auch an den Be­din­gun­gen mei­ner Ar­beit et­was ver­än­dern. Er­zähl doch kurz, was ihr auf der Ber­li­na­le plant. Das Mot­to lau­tet „Ak­ti­on Q“, da­zu gibt es ei­ne Dis­kus­si­on über Qua­li­tät. Vom 12. bis 15.2. ist am Pots­da­mer Platz wie­der un­se­re „Bub­b­le“als Treff­punkt für al­le In­ter­es­sier­ten auf­ge­baut. < In­ter­view: kit­ty­hawk

Ma­ria Mohr ist Re­gis­seu­rin („Bru­der Schwes­ter“, 2010) und Vor­stands­mit­glied bei „Pro Quo­te Re­gie“

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