Hin­ter­fra­gen

Siegessaeule - - Stadt -

Müs­sen wir uns vor ho­mo­pho­ben Ge­walt­tä­tern mit Mi­gra­ti­ons­ge­schich­te fürch­ten? Ei­ne De­bat­te, die in der LGBTI-Com­mu­ni­ty seit Jah­ren ge­führt wird, be­stimmt von den ver­meint­li­chen La­gern: „Mul­ti­kul­ti-Rea­li­täts­ver­wei­ge­rer“vs. „Wei­ße, schwu­le Is­lam­has­ser“. Seit­dem die Zahl der Ge­flüch­te­ten in Ber­lin täg­lich steigt, ist die Aus­ein­an­der­set­zung ag­gres­si­ver ge­wor­den. Pau­scha­li­sie­run­gen und Schuld­zu­wei­sun­gen ver­gif­ten da­bei zu­se­hends das Kli­ma. Ein Bei­spiel da­für ist die ak­tu­el­le Dis­kus­si­on um die Kri­mi­na­li­tät im tra­di­tio­nel­len Gay-Kiez rund um die Fug­ger­stra­ße in Schö­ne­berg > Vor rund an­dert­halb Jah­ren grün­de­te Klaus Rau­sch­ning, vie­len auch als des­sen Al­ter Ego Cath­rin­sche be­kannt, die Face­book-Grup­pe „Wir schüt­zen uns im Kiez“. Da­rin heißt es: „Die Zahl der Über­grif­fe im Fug­ger­kiez nimmt be­droh­li­che Aus­ma­ße an. ... dem müs­sen wir ent­ge­gen­tre­ten ... na­tür­lich oh­ne da­bei Po­li­zei zu spie­len.“Zu­nächst hat­ten sich nur we­ni­ge für die ge­schlos­se­ne Grup­pe in­ter­es­siert. Mit dem Auf­kom­men der Flücht­lings­de­bat­te än­der­te sich das. In rie­si­gen Wel­len ka­men nun die Mit­glie­der­an­fra­gen – und auch ei­ne neue in­halt­li­che Dy­na­mik mach­te sich breit: „Ich kom­me gar nicht mehr mit dem Lö­schen ras­sis­ti­scher Kom­men­ta­re und dem Ent­fer­nen rech­ter Mit­glie­der hin­ter­her“, sagt Klaus Rau­sch­ning, der sich in­zwi­schen da­zu ver­an­lasst sah, die mitt­ler­wei­le rund 540 Mit­glie­der zu er­mah­nen: „Es tau­chen im­mer wie­der Pos­tings auf, die ganz klar ge­gen al­le Mi­gran­ten, Asyl­be­wer­ber etc. ge­hen. … Bit­te bleibt fair in Eu­ren Aus­sa­gen.“Die Ge­walt im Kiez neh­me zu und „kei­ner tut was“, mo­niert er. Für ihn sei da­bei die mas­si­ve Stri­cher­kri­mi­na­li­tät das Haupt­pro­blem. „Mei­ne Vor­stel­lung ist des­halb ei­ne Art pri­va­te Bür­ger­wehr, was aber ver­mut­lich zu kost­spie­lig und auf­wen­dig ist.“Ge­plant sei aber ei­ne Pla­kat- und Fly­er­ak­ti­on mit Ver­hal­ten­s­tipps: „Wir schla­gen zum Bei­spiel vor, in te­le­fo­ni­schem Kon­takt zu blei­ben, bis Freun­de, die al­lei­ne un­ter­wegs sind, zu Hau­se sind.“Mit­te Ja­nu­ar mel­de­te sich Er­na Pa­chul­ke, die ehe­ma­li­ge Miss CSD, via Face­book-Pos­ting zu Wort. Sie warn­te da­vor, „be­sorg­te Men­schen in die rech­te Ecke zu stel­len“. Das sei „brand­ge­fähr­lich, weil sie dort von ech­ten Na­zis schon er­war­tet (…) wer­den“. Ihr Bei­trag po­la­ri­sier­te, war aber we­sent­lich dif­fe­ren­zier­ter, als er im An­schluss un­ter an­de­rem von Da­vid Ber­gers Por­tal Gaystream auf­ge­grif­fen wur­de, wo es heißt, sie stel­le sich da­mit „ge­gen die Pro-Asyl­be­wer­ber-Grup­pe in der Ho­mo-Com­mu­ni­ty“. Ge­gen­über SIE­GES­SÄU­LE be­rich­tet Er­na, dass sie selbst im Kiez be­reits „zig­fach Op­fer von Dis­kri­mi­nie­rung und Ge­walt“ge­wor­den sei, und „es war nun mal so, dass in neun von zehn Fäl­len die Tä­ter jun­ge Män­ner mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund wa­ren“. Sie emp­fin­de es als „lin­ken Ras­sis­mus, so et­was nicht sa­gen zu dür­fen“. Den­noch sei es wich­tig, ge­nau hin­zu­schau­en: „Über die Asyl­be­wer­ber-Dis­kus­si­on dür­fen wir nicht ver-

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