Drag me to Aus­tin

Siegessaeule - - Reise -

Aus­tin In­ter­na­tio­nal Drag Fes­ti­val He­ad­liners: Tam­mie Brown, Var­la Je­an Mer­man, Miss Co­co Pe­ru, Chris­tee­ne, Chad Micha­els u. a., Drag Am­bas­sa­dor aus Ber­lin: Ryan Ste­cken

austin­dragfest.org „Keep Aus­tin Weird“heißt der Slo­gan der Haupt­stadt von Te­xas. „Weird“, al­so „ei­gen­ar­tig“, ist Aus­tin wirk­lich und im­mer ei­ne Rei­se wert, weiß un­ser SIE­GES­SÄU­LE-Au­tor Sa­scha Os­mia­low­ski. Vor al­lem im April lohnt es sich, wenn das Aus­tin In­ter­na­tio­nal Drag Fes­ti­val die Stadt so rich­tig zum Brum­men bringt > Es ist März in Aus­tin. Das Ther­mo­me­ter zeigt an­ge­neh­me 68 Grad Fah­ren­heit (20 Grad Cel­si­us). Wir sit­zen in der Däm­me­rung auf ei­ner Pick­nickde­cke na­he der Con­gress Ave­nue Bridge und schau­en auf den La­dy Bird La­ke. Plötz­lich bricht ein sir­ren­der Sturm los, der glut­ro­te Him­mel ver­dun­kelt sich. Ein flir­ren­der Schat­ten steigt un­ter­halb der Brü­cke auf und taucht die Sky­line für ei­nen Mo­ment in tie­fes Schwarz. 1,5 Mil­lio­nen Fle­der­mäu­se flat­tern über das Was­ser und ver­schwin­den im Nacht­him­mel über Aus­tin. Die größ­te ur­ba­ne Fle­der­maus­ko­lo­nie der Welt lockt zahl­rei­che Tou­ris­ten an den Co­lo­ra­do Ri­ver. Die „Bat Bridge“ist das be­kann­tes­te Spek­ta­kel, das Aus­tin zu bie­ten hat. Es ist aber nicht das ein­zi­ge. Im Wareh­ou­se District ma­chen sich der­weil zwei voll­kom­men an­de­re Krea­tu­ren der Nacht start­klar. La­dy Crack­le und ih­re Drag-Sis­ter Cup­ca­kes schmin­ken sich büh­nen­taug­lich. Es ist Di­ens­tag, Show­time. Ein­mal im Mo­nat prä­sen­tie­ren die bei­den das Dou­bleD Bin­go im High­land, ei­nem der LGBTQ-Clubs down­town. „Keep Aus­tin weird“ist das Mot­to der Lan­des­haupt­stadt von Te­xas. Sie gilt als cools­te und läs­sigs­te der USA. Ein al­ter­na­ti­ves Ju­wel, ei­ne Oa­se für Pa­ra­dies­vö­gel mit­ten im länd­lich-kon­ser­va­ti­ven Lo­ne Star Sta­te. Die Aus­tin Uni­ver­si­ty of Te­xas ge­nießt den Ruf, ei­ne der bes­ten staat­li­chen Unis der USA zu sein. 50.000 Stu­den­ten le­ben hier. Sie prä­gen das Stadt­bild und eben auch das Nacht­le­ben. Die Mu­sik spielt rund um die 6th Street: Mit über 200 Bars ist Aus­tin selbst­er­nann­te „Li­ve Mu­sic Ca­pi­tal of the World“. Das South by Sou­thwest Fes­ti­val (kurz SFSX) im März lockt mit zahl­lo­sen Frei­luft­büh­nen, Aus­stel­lun­gen und Mee­ting Spaces nicht nur Mu­sik­fans aus der gan­zen Welt an. Film­freaks und die Net-Nerds ha­ben das SFSX eben­so für sich ent­deckt. Kein Wun­der: Aus­tin gilt als das Si­li­con Val­ley des Sü­dens, nur ent­spann­ter als die ab­surd teu­re Bay Area rund um San Fran­cis­co. App­le, Face­book, Goog­le und IBM – die Big Play­er sind mit die größ­ten Ar­beit­ge­ber der Stadt. Die Be­völ­ke­rung wächst, Yup­pies und jun­ge Krea­ti­ve zieht es hier­her. Das merkt man auch in der LGBTQ-Sze­ne. Aus­tin ist welt­of­fen und wel­co­m­ing. En­de April steht ein ganz be­son­de­res High­light für al­le Fans von Chif­fon, Bro­kat und fal­schen Wim­pern an: das Aus­tin In­ter­na­tio­nal Drag Fes­ti­val. Drag­kings, La­dy­boys, Schwanz­mäd­chen und al­le, die es wer­den wol­len, nä­hen sich Out­fits, ge­ben sich Schmink­tipps, fei­ern ei­ne gro­ße bun­te Par­ty. „Drag Race“Stars wie Chad Micha­els, Tam­my Brown und Mi­mi Im­furst ge­ben sich die Eh­re. Mit­ten­drin als Bot­schaf­te­rin für Ber­lin: die Haupt­stadt­Boyt­un­te Ryan Ste­cken. Auch oh­ne Fum­mel lässt es sich in Aus­tin gut aus­hal­ten: Das Oilcan Har­ry’s ist der Klas­si­ker im Wareh­ou­se District, un­ter der Wo­che Bar, am Wo­che­n­en­de Par­ty­space. Die Hips­ter fei­ern öko und bio­dy­na­misch im Cheer Up Char­lies, ei­nem Open Air Space down­town. Es gibt Kom­bu­cha vom Fass, ve­ga­ne Snacks und Par­tys wie „The Ma­don­naThon“. Mehr glit­zy und schwit­zy geht es im Club Rain on 4th zu, wo Go-go-Boys in en­gen Kä­fi­gen tan­zen. Und auch die Bart­frak­ti­on kommt nicht zu kurz. The Iron Be­ar zapft küh­les La­ger für mög­lichst ker­li­ges Pu­bli­kum. Das mit den Kalt­ge­trän­ken ist wich­tig in ei­ner Stadt, die 300 Son­nen­ta­ge ver­bucht. Im Hoch­som­mer sind 35 Grad Cel­si­us nicht un­ge­wöhn­lich. Der Aus­tin Pri­de im Au­gust ist da­her eher et­was für Leu­te mit gu­tem Her­zK­reis­lauf-Sys­tem. Ab­küh­lung das gan­ze Jahr über ver­schaf­fen der Bar­ton Springs Swim­ming­pool oder der La­ke Tra­vis im Hip­pie Hol­low Park. Ein Nackt­ba­de­strand. Mit­ten in Te­xas. Wer hät­te das ge­dacht? <

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