Lie­bes­brie­fe

Siegessaeule - - Musik -

So­lo­aus­stel­lung von Jon Camp­bell ab dem 02.04. in der Ga­le­rie Micha­el Schultz Jon Camp­bells waid­wun­der Reh­blick ist mehr als ein nied­li­cher Zu­fall, denn hin­ter den brau­nen Knopf­au­gen des in Ber­lin le­ben­den US-Künst­lers ver­birgt sich ei­ne emp­find­sa­me See­le. Der er­folg­rei­che Ma­ler kom­po­niert be­reits seit sei­ner Pu­ber­tät Songs, aber sei­ne Schüch­tern­heit sorg­te da­für, dass er die zar­ten Folk­bal­la­den eher pri­vat im stil­len Käm­mer­lein als in vol­len Kon­zert­ve­nues spiel­te. Doch dann kam die Lie­be: Seit 2014 ist Jon mit Ja­mie zu­sam­men – Kopf des Kam­mer­pop-En­sem­bles The Ir­re­pres­si­bles und Gast­sän­ger beim Elec­tro­pop-Duo Röyk­sopp. Ja­mie er­mun­ter­te ihn, sei­ne Songs zu ver­öf­fent­li­chen und nahm ihn un­ter sei­ne mu­si­ka­li­schen Fit­ti­che. Nun er­scheint Jons ers­te EP. Wir tra­fen ihn zum Ge­spräch

Jon, dei­ne Songs wa­ren ei­gent­lich gar nicht für die Öf­fent­lich­keit ge­dacht. Nun hast du ei­ne Sing­le ver­öf­fent­licht, ei­ne EP auf­ge­nom­men und Kon­zer­te ge­ge­ben. Wie fühlt sich das an? Es fühlt sich gut an. Ich ha­be zum ers­ten Mal mit 18 auf ei­ner Büh­ne ge­stan­den und da­bei auch sehr schlech­te Er­fah­run­gen sam­meln müs­sen. Fal­sche Lo­ca­ti­ons zum Bei­spiel, in de­nen es zu laut für mei­ne eher ru­hi­gen Stü­cke war. Mein dar­aus re­sul­tie­ren­des Lam­pen­fie­ber hat mich da­nach da­von ab­ge­hal­ten, wei­ter­zu­ma­chen. Ich war to­tal ein­ge­schüch­tert. Mei­ne Tex­te sind dann doch so in­tim, dass es bei ei­nem Kon­zert schwie­rig wer­den kann. Fühlst du dich zu ver­letz­bar? Ja. Ich füh­le mich völ­lig nackt auf der Büh­ne. Mei­ne Songs sind Lie­bes­brie­fe, ich schrieb sie meist di­rekt an ei­ne Per­son. Teil­wei­se hab ich sie den Ty­pen dann auch auf ei­ner CD in die Hand ge­drückt. Des­halb sind die Tex­te auch so di­rekt. Es gab kei­ne Über­le­gung, ob sie ei­nem grö­ße­ren Pu­bli­kum ge­fal­len könn­ten, ob ich zu viel sa­ge oder ob es sich blöd an­hört. Und wenn man dann plötz­lich sei­ne Lie­bes­brie­fe nackt auf ei­ner Büh­ne vor­le­sen soll, dann ist das schon be­ängs­ti­gend. Ich war sehr un­si­cher. Aber seit ich mit mei­nem Freund Ja­mie per­for­me, füh­le ich mich auf der Büh­ne nicht mehr al­lei­ne. Durch sei­ne Ar­ran­ge­ments wird das Gan­ze zu et­was an­de­rem, zu ei­nem Ge­mein­schafts­pro­jekt. Auch die EP be­trach­te ich als ei­ne Zu­sam­men­ar­beit. Ich hab zwar die Songs al­le ge­schrie­ben, aber durch sei­ne Un­ter­stüt­zung ha­be ich erst die­se Un­si­cher­heit über­wun­den. Ja­mie be­wegt sich durch sei­ne Ar­beit mit den Ir­re­pres­si­bles oder als Sän­ger bei Röyk­sopp auf ei­nem ho­hen pro­fes­sio­nel­len und künst­le­ri­schen Le­vel. Au­ßer­dem seid ihr ein Paar. Mach­te das eu­re Zu­sam­men­ar­beit im Stu­dio im­mer nur leich­ter? Na­tür­lich ha­ben wir auch ge­strit­ten. Wir ha­ben bei­de viel da­bei ge­lernt. Die Ar­beit an Mu­sik ist schon ein sehr per­sön­li­cher Pro­zess. Da muss man viel Ver­trau­en ha­ben. Und des­halb glau­be ich auch, dass es viel leich­ter war, weil wir ver­liebt sind.

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