Na­tür­lich künst­lich

Siegessaeule - - Musik -

Fri­seur, Mo­de­de­si­gner, Künst­ler und 60sGa­ra­ge-Punk-Mu­si­ker. Seth Bo­gart ali­as Hunx ist ne­ben Co­dy Crit­che­loe von SSION seit Jah­ren ei­ne der prä­gen­den männ­li­chen Fi­gu­ren der queer-fe­mi­nis­ti­schen Kunst­sze­ne der USA. Sein neu­es Al­bum „Seth Bo­gart“knallt mit flam­boyan­tem Bubb­le­gum­pop > Et­li­che Band­pro­jek­te pflas­tern Seth Bo­garts mu­si­ka­li­sche Kar­rie­re, für bei­na­he je­des Al­bum gab es ei­nen neu­en Na­men, ei­ne neue Band, ei­ne neue Iden­ti­tät. Vom Elec­tro­clash sei­ner Band Gra­vy Train!!!! An­fang der Nul­ler-Jah­re über den 60s-Pop-Ga­ra­ge-Rock sei­ner Com­bos Hunx and His Punx und Hunx and His Pun­ket­tes bis hin zum letz­ten Al­bum „Hair­dres­ser Blues“, das un­ter dem Na­men Hunx er­schien und be­reits 2012 als „So­lo­al­bum“ver­mark­tet wur­de, aber im Grun­de nicht wirk­lich an­ders klang als die üb­ri­gen Plat­ten sei­ner di­ver­sen Bands. Nun scheint Seth al­ler­dings der Mas­ken mü­de, denn der ehe­ma­li­ge Fri­seur aus Ka­li­for­ni­en ver­öf­fent­licht sein neu­es Al­bum schlicht als Seth Bo­gart. Und das ist ziem­lich ge­lun­gen, steu­ert sti­lis­tisch vom Punk zum Pop und ist zum ers­ten Mal fett pro­du­ziert – ei­ne „er­wach­se­ne Plat­te“wie Bo­gart un­längst ver­lau­ten ließ. „Die Auf­nah­men al­ler mei­ner bis­he­ri­gen Al­ben dau­er­ten nie län­ger als ei­ne Wo­che“, er­zählt Seth im In­ter­view mit SIE­GES­SÄU­LE. „Die­ses hier hat mich zwei Jah­re ge­kos­tet! Es fühlt sich rei­fer an, weil ich mich nicht hin­ter ei­ner er­fun­de­nen Iden­ti­tät ver­ste­cke. Es gibt aber trotz­dem ein paar Ra­dio-Dis­ney­Songs auf der Plat­te, so wahn­sin­nig er­wach­sen ist sie al­so doch nicht. Wahr­schein­lich war ich be­kifft, als ich das er­zählt ha­be.“Be­kifft trifft es ganz gut, denn die ge­mein­sam mit Co­le MGN (Beck, Sno­op Dogg) pro­du­zier­ten Stü­cke des Al­bums klin­gen wie ein psy­che­de­li­scher Plas­tic-Pop-Trip, New-Wa­ve-Gi­tar­ren tref­fen auf kleb­ri­ge Synth-Hooks und häu­fig mit Ef­fek­ten ver­frem­de­ten Ge­sang. Seths iro­ni­sche, nä­selnd-tucki­ge Stim­me, Mar­ken­zei­chen sei­ner bis­he­ri­gen Al­ben, klingt so mit­un­ter dis­tan­ziert, bei­na­he ernst­haft. „Wenn ich mir mei­ne al­ten Plat­ten an­ge­hört ha­be, ging mir mei­ne Stim­me im­mer auf den Geist. Wirk­lich nerv­tö­tend! Al­so ha­ben wir da­für ge­sorgt, dass ein paar Songs so klin­gen, als hät­te sie ei­ne an­de­re Per­son ge­sun­gen.“Ne­ben Seth ste­hen au­ßer­dem di­ver­se Gäs­te am Mi­kro: Ri­ot-Grrl-Iko­ne Kath­le­en Han­na (Bi­ki­ni Kill, Le Tig­re), Te­enMo­del und Rock­sän­ge­rin Cle­men­ti­ne Cree­vy (Cher­ry Gla­zerr), Mo­de­blog­ge­rin Tavi Ge­vin­son und vie­le an­de­re. „Seth Bo­gart“ist so ei­ne äu­ßerst ab­wechs­lungs­rei­che Plat­te ge­wor­den, ei­ne un­ter­halt­sa­me und bun­te Tü­te voll quee­rer Pop­mu­sik­flum­mis. <

Jan Noll

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