Von Tu­ten und Bla­sen

Siegessaeule - - Film -

„Kein Zi­cken­fox“heißt die Do­ku über das größ­te Frau­en­blas­or­ches­ter der Welt. Be­hei­ma­tet ist es hier in Ber­lin > Ein Film al­so über Blas­mu­sik, der ganz oh­ne Hum­ta­ta aus­kommt und gleich­zei­tig ein Frau­en- und Les­ben­film ist. Er be­ginnt mit dis­tan­zier­ten Bli­cken auf die Mu­si­ke­rin­nen. Man lauscht dem schwung­voll ge­bla­se­nen Jaz­zklas­si­ker „Sing Sing Sing“. Da­zu gibt es Bil­der von der Haupt­stadt, denn die­ses Orches­ter ist ei­ne Ber­li­ner Er­fin­dung. Wie dar­aus ei­ne In­sti­tu­ti­on wur­de, er­zählt der Film mit Hu­mor und na­tür­lich viel Mu­sik. Dag­mar Jä­ger, die Ka­me­ra­frau von „Kein Zi­cken­fox“, be­geg­ne­te dem Orches­ter zu­fäl­lig bei ei­nem Kon­zert. Die Be­geis­te­rung über das, was die Lai­en­mu­si­ke­rin­nen auf die Büh­ne zau­ber­ten, wur­de zu ei­ner Idee für ei­nen Film. Zu­sam­men mit Re­gis­seu­rin Kers­tin Pol­te tauch­te sie drei Jah­re lang in das Orches­ter­le­ben ein und woll­te wis­sen, was das für Frau­en sind, die die Viel­falt von 66 In­di­vi­du­en zu ei­ner Ein­heit wer­den las­sen. Der Film nimmt uns mit zur wö­chent­li­chen Pro­be, er zeigt „Smo­ke on the Wa­ter“im Schaf­stall und skep­ti­sche Män­ner­bli­cke beim Auf­tritt auf ei­nem frän­ki­schen Dorf­fest. Und er zoomt hin­ein in das Le­ben von neun Mu­si­ke­rin­nen: So ver­rät die ein­zi­ge Pro­fi­mu­si­ke­rin und Lei­te­rin des Orches­ters, As­trid, beim Milchauf­schäu­men in ih­rer Kü­che, dass sie als Kind to­tal un­rhyth­misch war. Bass­kla­ri­net­te und Sa­xo­phon, Ma­ria und Bet­ti­na, har­mo­nie­ren auch als Paar in Kreuz­berg. Bei Solveig sitzt die Ka­me­ra auf dem Bei­fah­rer­sitz. Sie ist mit ih­rem Horn auf dem Weg zu ei­nem gro­ßen Auf­tritt: dem Kon­zert in der Ber­li­ner Phil­har­mo­nie. Auf die­sen Hö­he­punkt steu­ert der Film zu. Die Pro­ben und die in­di­vi­du­el­len Vor­be­rei­tun­gen, die Auf­re­gung kurz vor dem Auf­tritt in den Gän­gen der Phil­har­mo­nie ma­chen das Lam­pen­fie­ber spür­bar. Die Auf­füh­rung des „Pal­la­dio“von Karl Jenk­ins, ur­sprüng­lich für Streich­or­ches­ter kom­po­niert und neu ar­ran­giert von As­trid Graf für ih­re Blä­se­rin­nen, lässt ein be­geis­ter­tes Pu­bli­kum zu­rück und ei­ne zuf­rie­de­ne Di­ri­gen­tin – das fi­na­le Fu­rio­so nach knapp 70 Mi­nu­ten Do­ku­men­ta­ti­on, die er­zäh­le­risch dicht und hand­werk­lich ge­lun­gen ist. < Uta Zorn

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