An­nes Ko­lum­ne

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Such den Hund

Flo­cki, all­seits ge­lieb­tes vier­pfö­ti­ges Fa­mi­li­en­mit­glied, hat seit Neu­es­tem die An­ge­wohn­heit, nicht mehr in Be­glei­tung aus­zu­ge­hen, son­dern sich ein­fach in die Bü­sche zu schla­gen und für St­un­den zu ver­schwin­den. Als Flo­cki das ers­te Mal aus un­se­rem Gar­ten aus­büchs­te – die­ser rie­si­ge Hund zwäng­te sich doch tat­säch­lich durch die He­cke – be­ru­hig­te mich mein Mann. Der Hund wä­re eben frei­heits­lie­bend und wür­de spä­tes­tens bei Hun­ger und Durst den Weg nach Hau­se fin­den. Und so war es auch. Al­so wur­den die Al­lein­gän­ge häu­fi­ger, aber da Flo­cki sehr zu­trau­lich und ver­spielt und da­zu ein völ­li­ger Angst­ha­se ist, mach­ten wir uns kei­ne Sor­gen, dass et­was pas­sie­ren könn­te.

Bis ei­nes Ta­ges ein auf­ge­brach­ter Herr vor un­se­rer Tür stand, ei­nen nas­sen und et­was schmut­zi­gen Flo­cki am mit un­se­rer Adres­se ver­se­he­nen Hals­band hal­tend. „Wis­sen Sie ei­gent­lich, dass Ihr Hund in mei­nem Teich mit mei­nen Koi-Kar­p­fen Fan­gen spielt?” Ähm, nein, das wuss­ten wir nicht. Und auch nicht, dass er ei­nen ar­men Fisch zu To­de er­schöpft hat­te. Klar, den Fisch ha­ben wir be­zahlt. Und spä­ter auch ein Huhn. Ein chi­ne­si­sches Sei­den­huhn, um ge­nau­er zu sein. Als ir­gend­wann die Be­sit­ze­rin ei­ner Kat­zen­zucht an­rief und laut­hals da­von sprach, ih­re Kat­zen bräuch­ten ei­ne The­ra­pie, nach­dem sie von Flo­cki „ge­jagt” wor­den wä­ren, war Schluss. „Wir müs­sen den Hund über­wa­chen”, mein­te Wolf­gang. „Mit so 'nem GPS-Tier-Tra­cker am Hals­band. Da se- hen wir so­fort, wo Flo­cki ist, wenn er mal wie­der ab­hau­en soll­te, und kön­nen ihn wie­der ein­sam­meln.” Ge­sagt, ge­tan. Fort­an zier­te ein klei­ner Tra­cker das Hals­band un­se­res Vier­bei­ners.

Na­tür­lich ließ der nächs­te un­be­glei­te­te Aus­flug nicht lan­ge auf sich war­ten. Dank App konn­te Wol­fi den Hund so­fort or­ten und mach­te sich per Fahr­rad und mit Lei­ne be­waff­net auf, den Frei­gän­ger wie­der ein­zu­sam­meln. Klapp­te auch, wenn auch Wolf­gang ziem­lich ram­po­niert wie­der zu Hau­se an­kam. „Das Vieh muss­te na­tür­lich im Wald genau da lang­lau­fen, wo es kei­nen Weg und da­für die Brom­beer­bü­sche gibt.” Eben­so er­ging es ihm auf der Müll­de­po­nie. Beim Nach­hau­se­kom­men war Flo­cki fröh­lich und Wolf­gang an­ge­säu­ert, ir­gend­wie schmie­rig und müf­felnd. Und nach­dem er ein­mal völ­lig mit Kuh­mist über­zo­gen nach Hau­se kam („Frag nicht, ich sag nur Kuh­her­de und Hund...”), war es so weit. Bei Wolf­gang brach die blan­ke Pa­nik aus, wenn der Hund nicht in Sicht­wei­te war oder wenn er sich an Se­en, an Vieh­wei­den oder an­de­ren Or­ten auf­hielt. Das zu se­hen, war al­lein der blan­ke Hor­ror. So konn­te es nicht wei­ter­ge­hen. Ein An­ruf ge­nüg­te, und nach ein paar Ta­gen war un­ser Grund­stück mit ei­nem wun­der­bar mas­si­ven und ho­hen Holz­zaun um­ge­ben. Jetzt ist das Tra­cken nicht mehr nö­tig. Zu­min­dest bis der Hund drauf­kommt, dass er sich un­ter dem Zaun durch­gra­ben kann...

„Wir müs­sen den Hund über­wa­chen.”

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