6029 So­lin­ger sind pfle­ge­be­dürf­tig

In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ist die Zahl der Be­trof­fe­nen um 6,6 Pro­zent ge­stie­gen.

Solinger Morgenpost - - SOLINGER MORGENPOST - VON SI­MO­NE THEYSSEN-SPEICH

Die Men­schen wer­den im­mer äl­ter, aber mit dem Al­ter kom­men bei vie­len auch Krank­heit und Pfle­ge­be­dürf­tig­keit hin­zu. Die jüngs­ten Zah­len des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes (IT.NRW) be­le­gen: In So­lin­gen wa­ren im ver­gan­ge­nen Jahr 6029 Men­schen auf Pfle­ge an­ge­wie­sen. Das sind 6,6 Pro­zent mehr als bei der letz­ten Er­he­bung zwei Jah­re zu­vor. Weil Frau­en rein sta­tis­tisch äl­ter wer­den als Män­ner, liegt auch ihr An­teil bei den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen deut­lich hö­her. Auf 3905 be­trof­fe­ne Frau­en kom­men in So­lin­gen 2124 Män­ner.

Den Groß­teil der Pfle­ge leis­ten auch in So­lin­gen nach wie vor die An­ge­hö­ri­gen. 71,3 Pro­zent (4296) der Be­trof­fe­nen al­ten oder kran­ken Men­schen wur­den zu Hau­se be­treut. Das sind et­was we­ni­ger als im bun­des­wei­ten Durch­schnitt, der bei 72,6 Pro­zent liegt.

Da­von er­hiel­ten 2971 aus­schließ­lich Pfle­ge­geld, wur­den al­so durch An­ge­hö­ri­ge oder pri­va­te Hel­fer ge­pflegt. Wei­te­re 1325 nah­men Leis­tun­gen von am­bu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten in An­spruch. 1733 Frau­en und Män­ner wur­den in So­lin­gen in Pfle­ge- und Se­nio­ren­hei­men be­treut.

Die­se Zah­len hat auch der Stadt­dienst So­zia­les im Blick, wenn er al­le zwei Jah­re ei­ne ak­tu­el­le Pfle­ge­pla­nung auf­stellt. „Die­se vor­aus­schau­en­de Pla­nung ist wich­tig, um zu se­hen, wie vie­le Plät­ze wir in So­lin­gen ha­ben und wel­che An­ge­bo­te wir brau­chen“, er­klärt Ste­fan Grohé, Lei­ter des Stadt­diens­tes So­zia­les.

Ak­tu­ell ge­be es in der Klin­gen­stadt aus­rei­chend Plät­ze im sta­tio­nä­ren Be­reich, al­so in den Al­ten­und Pfle­ge­hei­men. „Auch gibt es ge­nug am­bu­lan­te Pfle­ge­diens­te. Dort herrscht aber gro­ßer Fach­kräf­te­man­gel, so dass die An­bie­ter kaum al­len An­fra­gen ge­recht wer­den kön­nen“, be­tont Grohé.

Po­si­tiv sieht er die neue Pfle­ge­re­form, die seit dem 1. Ja­nu­ar in Kraft ist. Da­bei wur­den un­ter an­de­rem die ehe­mals drei Pfle­ge­stu­fen auf jetzt fünf Pfle­ge­gra­de er­wei­tert. „Da­durch, dass die Pfle­ge­kas­sen in den ein­zel­nen Stu­fen auch mehr zah­len, ist die Zahl der Men­schen, die zu­sätz­lich auf So­zi­al­hil­fe der Stadt, die so­ge­nann­te ,Hil­fe zur Pfle­ge’ an­ge­wie­sen sind, ge­sun­ken“, be­tont der So­zi­al-Ex­per­te. Die­se Ein­spa­run­gen wer­den al­ler­dings teil­wei­se durch die wach­sen­de Zahl der Be­trof­fe­nen wie­der ge­schluckt. Ei­ne im­mer grö­ße­re Be­deu­tung nimmt das The­ma De­menz bei der Pfle­ge-Dis­kus­si­on ein. Seit 2013 taucht die­se Er­kran­kung se­pa­rat aus­ge­wie­sen in der Pfle­ge­sta­tis­tik auf. In So­lin­gen sind 2169 Men­schen, al­so et­wa 36 Pro­zent al­ler Pfle­ge­be­dürf­ti­gen, von De­menz in ih­ren un­ter­schied­li­chen Au­s­prä­gun­gen be­trof­fen. Die neue Pfle­ge­re­form si­chert aber jetzt an De­menz Er­krank­ten die glei­chen Pfle­ge­leis­tun­gen zu wie kör­per­lich Pfle­ge­be­dürf­ti­gen.

So­mit wächst auch in den Al­ten­und Pfle­ge­hei­men die Zahl der an De­menz er­krank­ten Be­woh­ner. Cers­tin Tschirner, Spre­che­rin der Kp­lus Grup­pe in Oh­ligs, hat noch ei­ne an­de­re Ent­wick­lung aus­ge­macht: „Ins­ge­samt blei­ben die Be­woh­ner in­zwi­schen deut­lich kür­zer in den Se­nio­ren­ein­rich­tun­gen. Frü­her wa­ren es oft meh­re­re Jah­re, heu­te oft nur noch we­ni­ge Mo­na­te bis Wo­chen, so dass sich die Ge­samt­zahl der be­treu­ten und ge­pfleg­ten Men­schen deut­lich er­höht hat – auch wenn die Zahl der Plät­ze un­ver­än­dert ist.“

Das be­deu­tet für die Fach­kräf­te ei­ne zu­sätz­li­che zeit­li­che Be­las­tung. „Es er­for­dert ei­nen gro­ßen zeit­li­chen Auf­wand, wenn Pa­ti­en­ten neu in der Ein­rich­tung auf­ge­nom­men wer­den“, er­klärt Fran­zis­kus von Bal­le­strem, Be­reichs­di­rek­tor Se­nio­ren­ein­rich­tun­gen in der Kp­lus Grup­pe. Die in­di­vi­du­el­le Pfle­ge­pla­nung für je­den Be­woh­ner muss von ei­ner ex­ami­nier­ten Fach­kraft ge­schrie­ben wer­den. Das er­for­de­re Zeit­ka­pa­zi­tä­ten, die ei­gent­lich in die Pfle­ge flie­ßen soll­ten. Ins­ge­samt bie­tet die Kp­lus Grup­pe 761 Se­nio­ren­plät­ze in der Re­gi­on – in So­lin­gen bei­spiels­wei­se im St. Jo­seph Al­ten­heim in Oh­ligs.

FO­TO: PREUSS (AR­CHIV)

Ste­fan Grohé, Lei­ter des Stadt­diens­tes So­zia­les, be­wer­tet die neue Pfle­ge­re­form po­si­tiv.

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