So­lin­ge­rin ge­winnt im Pla­kat-Streit

Das Ber­li­ner Land­ge­richt sieht Sil­ke Lahn­stein im Recht. Die SPD muss jetzt knapp 400.000 Eu­ro be­zah­len. Die Bun­des­par­tei woll­te 158.000 Wahl­pla­ka­te nicht ab­rech­nen, die nach ei­nem Öko-Ver­fah­ren pro­du­ziert wor­den wa­ren.

Solinger Morgenpost - - MORGENPOST - VON THO­MAS KRAFT

Es hat fast ei­ne gan­ze Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ge­dau­ert. Doch der lan­ge Atem hat sich für Sil­ke Lahn­stein ge­lohnt. Denn vier Jah­re nach­dem sich die Wal­de­rin mit der gro­ßen SPD in Berlin zer­stritt, kommt sie jetzt doch noch zu ih­rem Recht. Denn im Pla­kat-Kon­flikt, der im Bun­des­tags­wahl­kampf 2013 ent­brann­te und ih­re Agen­tur Kom­p­la an­schlie­ßend fast in die Knie zwang, hat Lahn­stein doch noch ge­siegt. Kurz vor der Bun­des­tags­wahl 2017 – an die Stel­le des SPD-Kan­di­da­ten Sil­ke Lahn­stein Peer St­ein­brück ist in­zwi­schen Mar­tin Schulz ge­tre­ten – hat das Ber­li­ner Land­ge­richt zu­guns­ten der So­lin­ge­rin ent­schie­den. Das heißt für die SPD, dass sie knapp 400.000 Eu­ro an Lahn­stein zu zah­len hat.

Die­se Sum­me hat­te die 52-Jäh­ri­ge ge­richt­lich ein­ge­klagt, weil sich die Ver­ant­wort­li­chen im Wil­ly-Brand­tHaus wei­ger­ten, die Pla­ka­te zu be­zah­len, die sie bei der So­lin­ger Agen­tur be­stellt hat­ten. Es ging um 158.000 Stück, die nach ei­nem spe­zi­el­len Öko-Ver­fah­ren (Eco Wa­ve) pro­du­ziert wor­den wa­ren und bun­des­weit im Wahl­kampf ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Das Be­son­de­re dar­an: Die Wer­be­ban­ner in den Grö­ßen DIN-A-1 so­wie DIN-A-2 wa­ren nicht aus Kunst­stoff, son­dern aus ab­bau­ba­rer Pap­pe und da­mit um­welt­freund­lich. Al­ler­dings ge­hör­te die So­lin­ger SPD nicht zu den Ab­neh­mern.

Zum Dis­put kam es, als EcoWa­ve-Ban­ner im Ju­li 2013 Un­wet­ter in Nie­der­sach­sen nicht über­stan­den, zum Teil auf­weich­ten. Das Wil- ly-Brandt-Haus zog die Not­brem­se und ord­ne­te an, dass sämt­li­che Un­ter­be­zir­ke bun­des­weit auf die Pla­ka­te ver­zich­ten und die­se vor al­len Din­gen auch nicht be­zah­len soll­ten. Die Pla­ka­te sei­en nicht von der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Qua­li­tät, lau­te­te die Be­grün­dung. Lahn­stein sprach von „Ruf­mord“und ver­wies auf in­ten­si­ve Tests. Pro­ble­me sei­en ent­stan­den, weil die Pla­ka­te teil­wei­se un­sach­ge­mäß auf­ge­stellt wor­den sei­en. Schließ­lich zog sie vor Ge­richt, um sich zu weh­ren.

Die­ses teil­te nun An­fang Sep­tem­ber mit, dass die SPD den Streit­wert von knapp 400.000 Eu­ro nebst Zin­sen und Ver­fah­rens­kos­ten zu zah­len ha­be. Die voll­stän­di­ge Ur­teils­be­grün­dung steht aber noch aus.

Laut Lahn­stein hat­te der Rich­ter ein Gut­ach­ten des Lan­des­am­tes für Ma­te­ri­al­prü­fung an­fer­ti­gen las­sen, das po­si­tiv für sie und ihr Pla­kat aus­fiel. Zu­vor ha­be die Par­tei Gü­te­ter­mi­ne ver­strei­chen las­sen. Auch Ver­mitt­lungs­ver­su­che der So­lin­ger SPD schei­ter­ten, wie SPD-Un­ter­be­zirks­ge­schäfts­füh­rer Pe­ter Zwil­ling be­rich­tet. Er zeigt viel Ver­ständ­nis für Lahn­stein und be­dau­ert, wie sich der Streit zu­spitz­te. „Ich glau­be, das Ur­teil ist fair“, meint Zwil­ling. Kom­p­la ha­be ho­he Kos­ten und Lie­fe­ran­ten zu be­zah­len ge­habt.

Die Ber­li­ner Par­tei­zen­tra­le möch­te das Ur­teil vor­erst nicht kom­men­tie­ren. Nach­dem zu Be­ginn der Wo­che ei­ne aus­führ­li­che schrift­li­che An­fra­ge ge­stellt war, kam ges­tern ein Zwei­zei­ler als Ant­wort: Das erst­in­stanz­li­che Ur­teil lie­ge noch nicht vor, heißt es. „Da wir uns z+u lau­fen­den Ver­fah­ren nicht äu­ßern, kön­nen wir auch in die­sem Fall kei­ne Stel­lung­nah­me ge­ben“, schreibt Phil­ipp Gei­ger von der Pres­se­stel­le. „Nach Prü­fung des Ur­teils wer­den wir ent­schei­den, wie wir auf das Ur­teil re­agie­ren.“Da­mit bleibt vor­erst of­fen, ob die SPD wo­mög­lich in Be­ru­fung geht.

Sil­ke Lahn­stein hofft, dass dies nicht pas­siert. Sie hat mehr als ge­nug von der Aus­ein­an­der­set­zung. Denn sie und ihr Un­ter­neh­men ha­ben schwer dar­un­ter ge­lit­ten. „Die SPD hat mei­ne Exis­tenz aufs Spiel ge­setzt“, sagt sie. „Und auch die mei­ner Zu­lie­fe­rer.“

Zwi­schen­zeit­lich ha­be sie ei­ne Mit­ar­bei­te­rin ent­las­sen müs­sen. Denn sie ver­lor Kun­den. Und das Eco-Wa­ve-Pla­kat war auch un­ten durch. Der vier Jah­re lan­ge Kampf war ein Kraft­akt für die Agen­tur von der Fried­rich-Ebert-Stra­ße. „Mit­ein­an­der. SPD“stand dort einst auf der Fuß­mat­te im Ein­gang des Ge­schäfts.

Ih­re Mit­glied­schaft in der Par­tei hat Sil­ke Lahn­stein den­noch nicht ge­kün­digt. „Ich woll­te aus­tre­ten“, er­zählt sie. Aber dann ha­be sie sich da­ge­gen ent­schie­den. Die Be­zie­hung ist ei­ne lan­ge. Ihr On­kel Manfred Lahn­stein (SPD) war An­fang der 80er Jah­re Bun­des-Fi­nanz­mi­nis­ter.

„Die SPD hat mei­ne Exis­tenz aufs Spiel ge­setzt“ Un­ter­neh­me­rin

FO­TO: AN­JA TINTER (AR­CHIV)

Rück­blen­de: Sil­ke Lahn­stein de­mons­trier­te vor vier Jah­ren, dass die von der Wal­der Agen­tur ent­wi­ckel­ten Pla­ka­te durch­aus was­ser­fest wa­ren.

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