Die De­mir­tas setz­ten auf Solingen – mit Mö­bel­ge­schäft und Grill­sta­ti­on

Solinger Morgenpost - - MORGENPOST -

VON JUT­TA SCHREI­BER-LENZ

Mitt­wochs fährt Ne­vin De­mir­tas oft zu ih­rem Groß­händ­ler. Bei „Wald leuch­tet“ha­be sie viel ver­kauft, er­zählt die In­ha­be­rin des von ihr erst im Ju­ni ge­grün­de­ten Mö­bel-La­dens „Ex­clu­si­ve De­sign“auf der Fried­rich-Ebert-Stra­ße. „Ich muss nach­or­dern.“

2012 war die ge­bür­ti­ge So­lin­ge­rin mit tür­ki­schen Wur­zeln mit ih­rem Mann Er­kan De­mir­tas in des­sen Hei­mat in die Nie­der­lan­de ge­zo­gen. Er ar­bei­te­te dort in dem Be­trieb sei­ner Fa­mi­lie, ei­nem Im­biss, mit. So rich­tig sei Ne­vin De­mir­tas in ih­rer neu­en Hei­mat aber nie an­ge­kom­men, ge­steht sie. Zu­mal sie die hol­län­di­sche Spra­che zwar „in der Ba­sis­ver­si­on“be­herr­schen ge­lernt hat­te. „Aber um dort in mei­nem Be­ruf Fach­ge­sprä­che zu füh­ren, hät­te es nicht ge­reicht“, sagt die ge­lern­te Au­to­mo­bil­kauf­frau heu­te.

Ihr Wunsch war, wie­der zu­rück in ih­re Hei­mat­stadt Solingen zu kom­men. „Hier ge­fällt es mir ein­fach“, sagt sie - „Und zur Fa­mi­lie mei­nes Man­nes, in der Nä­he von Arn­heim ist es ja nicht weit.“Durch die­se Fa­mi­lie und de­ren Kon­tak­te in Hol­land ent­stand die Idee, ein Ein­rich­tungs­ge­schäft zu er­öff­nen.

Jetzt fühlt sie sich in­mit­ten von ed­len Pols­ter­bet­ten, ge­müt­li­chen So­fas, mas­si­ven Ess­tisch-Gar­ni­tu­ren, schwe­ren Spie­geln und de­ko­ra­ti­vem schö­nen Tand wie sil­ber­far­be­nen Ker­zen­leuch­tern oder Wind­lich­tern in Treib­hol­z­op­tik wohl.

Die 29-Jäh­ri­ge hat ih­re Lei­den­schaft für an­spre­chen­de Wohn­kul­tur und De­ko­ra­ti­on mit ih­rer Ge­schäfts-Neu­grün­dung zum Be­ruf ge­macht. Au­ßer­dem mag sie es, zu be­ra­ten und sich von ih­ren Kun­den mit in des­sen „Ein­rich­tungs-Pro­ble­me“hin­ein zu den­ken. „Wir zei­gen hier ja nur das Prin­zi­pi­el­le und kön- nen dann nach Maß an­fer­ti­gen las­sen“, sagt die zwei­fa­che Mut­ter, die den La­den al­lei­ne stemmt.

Ihr Mann be­treibt in der So­lin­ger Ci­ty, na­he den Cle­mens-Ga­le­ri­en ei­nen Im­biss, für den er Pro­fil-ge­ben­de Zu­kunfts­plä­ne hat: Mit­tel­fris­tig möch­te er das Gan­ze nach nie­der­län­di­scher Art aus­rich­ten: mit Friet­jes, Fri­kan­deln und mehr. Und er will auch die Ein­rich­tung op­ti­mie­ren. Mit ei­ner Ehe­frau, die ei­nen Mö­bel­la­den be­treibt, sitzt er ja an der Qu­el­le für gu­te Ide­en.

In Wald, in ei­nem lan­ge leer­ste­hen­den La­den­lo­kal, hat Ne­vin De­mir­tas op­ti­ma­le Räu­me ge­fun­den: Hell und an­spre­chend ist der „Show­room“, prak­tisch die Ne­ben­zim­mer wie die klei­ne Kü­che und ei­nes, in dem sich auch die Kin­der mal auf­hal­ten kön­nen, wenn es nö­tig ist. Prin­zi­pi­ell aber setzt sie auf Be­treu­ung: der grö­ße­re Sohn geht in ei­ne Ki­ta, der Klei­ne bleibt in der Ob­hut der ei­nen oder der an­de­ren Oma. Zu ih­ren Kun­den zäh­len Jün­ge­re wie Äl­te­re, die den Blick für das Be­son­de­re ha­ben. Dar­un­ter ei­ne Ho­tel-Be­sit­ze­rin, die ih­re Zim­mer mit „Ex­clu­si­ve-De­sign“-Bet­ten neu ein­ge­rich­tet hat, aber auch „Lauf­kun­den“, die et­was im Fens­ter ge­se­hen ha­ben und rein­kom­men. Auch In­ha­ber von Lo­ka­len in­ter­es­sie­ren sich für den Stil, den sie an­bie­tet.

Ne­vin De­mir­tas geht auf in ih­rem Tun: „Klar ist es viel, die Kin­der zu ver­sor­gen, mei­nem Mann schon mal zu hel­fen, den Haus­halt zu schmei­ßen und den La­den zu füh­ren. Aber es macht Spaß.“We­ni­ger Spaß ma­che der Pes­si­mis­mus von ei­ni­gen selbst er­nann­ten Bes­ser­wis­sern. „Schon mehr­fach stand je­mand im La­den, der mir – oh­ne et­was zu kau­fen – pro­phe­zei­te, dass das Gan­ze hier in Wald so­wie­so kei­ne Zu­kunft ha­be. So et­was ist blöd“, sagt sie.

FO­TO: BEI­ER

Das Ehe­paar hat gleich zwei Ge­schäfts­ide­en in Wald um­ge­setzt: Ne­vin De­mir­tas be­treibt ein Mö­bel­ge­schäft (Fo­to), ihr Mann Er­kan ei­ne Grill­sta­ti­on.

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