Mit Fuß­ball hat er we­nig am Hut

Solinger Morgenpost - - MORGENPOST - VON MANUEL BÖHNKE

Der So­lin­ger Mar­cel „Ed­dy“Christ­mann ist so­ge­nann­ter Groundhop­per. Er hat be­reits 318 Eis­sta­di­en in 15 Län­dern be­sucht.

Vor we­ni­gen Wo­chen ist Mar­cel „Ed­dy“Christ­mann von ei­nem Kurz­trip nach Dä­ne­mark zu­rück­ge­kom­men. Viel ge­se­hen hat er von Land und Leu­ten nicht. Das war aber auch nicht das vor­ran­gi­ge Ziel des 35-Jäh­ri­gen. In Ko­pen­ha­gen schau­te er sich die Par­tie der Eis­ho­ckey-Welt­meis­ter­schaft zwi­schen Frank­reich und Ös­ter­reich an. Ei­nen Tag spä­ter war er in Herning Zeu­ge der 1:3 Nie­der­la­ge der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft ge­gen Lett­land. Mit der Leis­tung des Teams war er den­noch zu­frie­den. Au­ßer­dem konn­te er mit dem Be­such sei­ne Lis­te er­wei­tern.

Ed­dy Christ­mann ist Groundhop­per. Ihm geht es dar­um, mög­lichst vie­le Eis­ho­ckey-Sport­stät­ten auf der gan­zen Welt ge­se­hen zu ha­ben. In 15 Jah­ren sind so 318 Sta­di­en in 15 Län­dern zu­sam­men­ge­kom­men. Dar­un­ter et­wa Bul­ga­ri­en, Frank­reich oder Ita­li­en. „An­de­re Leu­te ma­chen Ur­laub – ich ma­che das“, scherzt der Di­s­po­nent ei­ner ge­werb­li­chen Müll­ab­fuhr.

Be­reits En­de der 1980er Jah­re, als Christ­mann noch ein klei­ner Jun­ge war, nahm ihn sei­ne Fa­mi­lie erst­mals mit in die So­lin­ger Eis­sport­hal­le. Da­mals sah er an der Bir­ker Stra­ße noch zweit­klas­si­gen Sport. 1995 fuhr er mit zu sei­nem ers­ten Aus­wärts­spiel nach Neuss. „Mich hat das al­les so­fort ge­packt“, er­zählt Christ­mann. Mit Fuß­ball kann er hin­ge­gen we­nig an­fan­gen.

Im Um­kreis von 400 Ki­lo­me­tern gibt es kaum ei­ne Hal­le, die der ge­bür­ti­ge So­lin­ger nicht von in­nen kennt. Tritt vor Ort kei­ne Se­nio­ren­mann­schaft an, schaut er sich ein Spiel der Bam­bi­ni an. Da­mit er den Spiel­ort auf sei­ne Lis­te auf­neh­men kann, muss er min­des­tens 31 Mi­nu­ten – al­so mehr als die Hälf­te der Spiel­zeit – ge­se­hen ha­ben. „Ich ver­su­che aber, die ge­sam­te Par­tie zu se­hen“, er­zählt er.

Min­des­tens an ei­nem Wo­che­n­en­de pro Jahr sucht er sich ei­ne Ecke her­aus, die er noch nicht kennt. Dann be­gin­nen die Pla­nun­gen, um an den Ta­gen so vie­le Spie­le wie mög­lich zu se­hen. Läuft es gut, be­sucht er fünf Hal­len an ei­nem Wo­che­n­en­de. Meis­tens ist er da­bei in Be­glei­tung min­des­tens ei­nes Freun­des. „Ich ver­su­che Spie­le mit­zu­neh- men, wo ich nicht mehr hin­kom­me“, er­klärt der 35-Jäh­ri­ge. Das war bei­spiels­wei­se 2012 der Fall. Da­mals reis­te er nach Kroa­ti­en, um im Am­phi­thea­ter von Pu­la ein ein­ma­li­ges Match zu se­hen. Auch an das WMEr­öff­nungs­spiel 2010 in der Are­na auf Schal­ke er­in­nert er sich. Er ge­nießt den Kon­takt zu an­de­ren Eis­ho­ckey-Fans: „Mit den Sa­chen, die ich er­lebt ha­be, könn­te ich Bü­cher fül­len“.

Wenn sie an­ge­bo­ten wer­den, kauft Christ­mann in je­dem Sta­di­on ei­nen Auf­nä­her. Die kom­men auf sei­ne Kut­te. Zwei Stück hat er da­von in­zwi­schen voll. Auch die Ein­tritts- kar­te be­wahrt er auf. In dem prall ge­füll­ten Um­schlag be­fin­det sich auch das Ti­cket zum Vier-Na­tio­nen­Tur­nier in Bu­da­pest 2005. Auf die­ser Rei­se wur­den Christ­mann und sei­ne Frau Kris­ti­na ein Paar. In­zwi­schen sind sie seit fast zehn Jah­ren ver­hei­ra­tet und ha­ben zwei Kin­der. Wie könn­te es an­ders sein: Mia (6) und Ben (9) sind auch gro­ße Eis­ho­ckey-Fans. Ihr Kin­der­zim­mer ist vol­ler Fan-Ar­ti­kel. Seit ei­ni­ger Zeit spie­len sie selbst.

Selbst­ver­ständ­lich be­glei­ten Ma­ma und Pa­pa sie an den Wo­che­n­en­den zu ih­ren Spie­len – auch wenn für Ed­dy Christ­mann da­durch we­ni­ger Zeit für sei­ne Groundhop­ping-Lei­den­schaft bleibt. Doch die Fa­mi­lie lässt sich auch mit ei­nem Be­such im Eis­sta­di­on ver­ein­ba­ren. Re­gel­mä­ßig ge­hen die Vier zu Heim­spie­len der Düs­sel­dor­fer EG.

Ak­tu­ell lau­fen be­reits die Pla­nun­gen für die nächs­te Tour. Die Düs­sel­dor­fer Mann­schaft ab­sol­viert ih­re Sai­son-Vor­be­rei­tung in der Schweiz. „Das könn­te man gut ver­bin­den“, sagt Christ­mann. Und dann ist da noch ein Traum, den der 35-Jäh­ri­ge seit län­ge­rer Zeit hegt: „Ein Spiel im Ma­di­son Squa­re Gar­den in New York wä­re das High­light schlecht­hin.“

FO­TO: CHRIS­TI­AN BEIER

Sei­ne bei­den Kin­der Mia und Ben hat Mar­cel „Ed­dy“Christ­mann mit sei­ner Be­geis­te­rung längst an­ge­steckt.

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