Der gro­ße Traum von Clown Spa­ghet­ti

Ja­mie Traber ist der klei­ne Star der Zir­kus-Fa­mi­lie Traber. Bis zum kom­men­den Sonn­tag ist der 13-Jäh­ri­ge noch in der Ma­ne­ge auf dem Park­platz am Wey­ers­berg zu se­hen. Sein gro­ßes Ziel ist das Zir­kus-Fes­ti­val in Mon­te Car­lo.

Solinger Morgenpost - - MORGENPOST - VON PHILIPP MÜL­LER

Mit 13 hat ein Te­enager vie­le Träu­me. Man will, ja man muss die Welt ent­de­cken. Ja­mie Traber ist da an­ders. Sein gro­ßes Ziel ist das Zir­kusFes­ti­val in Mon­te Car­lo. Dort wer­den die welt­bes­ten Clowns und Ar­tis­ten ein­mal im Jahr von der Fürs­ten­fa­mi­lie der Gri­mal­dis aus­ge­zeich­net. Aber Ja­mie weiß auch, der Weg dort­hin ist lang. Er ge­hört zur be­reits sieb­ten Ge­ne­ra­ti­on der Zir­kus-Fa­mi­lie Traber, die noch bis Sonn­tag auf dem Park­platz am Wey­ers­berg gas­tiert. Und täg­lich tritt Ja­mie als Clown Spa­ghet­ti auf.

Sein gro­ßes Vor­bild ist der Clown Fu­ma­gal­li, der un­ter an­de­rem durch den Zir­kus Ron­cal­li be­rühmt wur­de. Aber bis auf das Ko­s­tüm, ei­ne ro­te Uni­form des Zir­kus­di­rek­tors, ko­piert er ihn nicht. So jung wie er ist, will er sich noch aus­pro­bie­ren. Da­bei ist er be­reits seit sei­nem vier­ten Le­bens­jahr als Clown in der Ma­ne­ge tä­tig. Doch nun wird er zum Mann, da muss er auch an­ders, ent­schlos­se­ner auf­tre­ten.

Slap­stick, ein biss­chen Ar­tis­tik, gro­ße Ges­ten und schrä­ge Mi­mik, das sind die Ele­men­te sei­nes Bau­kas­tens, aus de­nen er sei­ne Num­mern er­stellt. Das macht er nicht al­lei­ne. Sein Cou­sin To­ny tritt nicht nur mit ihm auf, sie ar­bei­ten auch die Ab­läu­fe der Auf­trit­te ge­mein­sam aus. Oft in der Zeit von No­vem­ber bis März, wenn die Tra­bers ihr Win­ter­quar­tier in Neuss be­zie­hen.

In der lau­fen­den Show ist Ja­mie drei­mal mit To­ny im Du­ett zu er­le­ben. Da spie­len sie sich die ver­ba­len Bäl­le zu, so dass das Pu­bli­kum schnell lacht. Vor al­lem die Kin­der las­sen sich vom Zau­ber der Ko­mik der Clowns schnell ein­fan­gen.

Ei­ne Num­mer macht Ja­mie auch al­lei­ne. Da­bei ist ihm wich­tig, wie das Pu­bli­kum re­agiert. Als al­ter Ha­se mit lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung weiß er na­tür­lich längst, wie ei­ne Vor­stel­lung lau­fen wird. Er kann sein Pu­bli­kum gut ein­schät­zen. So­gar so gut, dass er ziel­si­cher in je­der Vor­stel­lung je­man­den aus dem Pu­bli­kum her­aus­pickt, der dann zum drit­ten Clown des Du­os wird. Ja­mie und To­ny sind stolz, dass das in der Re­gel im­mer sehr gut funk­tio­nie­re. Und wenn bei­de nicht ge­ra­de in ih­rer Funk­ti­on als Clown auf­tre­ten, dann bil­den sie auch noch die Zir­kus­band. Ja­mie spielt Schlag­zeug, To­ny Key­board – nor­ma­ler­wei­se, mo­men­tan hat das Tas­ten­in­stru­ment aber ei­ne Ma­cke.

To­ny, er ist 15 Jah­re alt, und Ja­mie sind auf den ers­ten Blick ganz nor­ma­ler Te­enager. Bei­de ha­ben Ge­schwis­ter, Ja­mie eins, To­ny zwei. Das ist we­nig, be­denkt man, dass die El­tern der bei­den un­ter 13 Ge­schwis­tern auf­ge­wach­sen sind. Der Zir­kus wer­de auch bür­ger­li­cher, er­zählt Ron Traber. Der 21-Jäh­ri­ge ist nicht nur mit ei­ner Roll­brett-Ar­tis­tik Teil der Show, er macht auch das Mar­ke­ting des rund 20-köp­fi­gen Fa­mi­li­en­be­triebs, der mit sei­nen Wohn­wa­gen ei­ne klei­ne Stadt auf­ge­baut hat.

Da ge­he es zu wie in ei­nem nor­ma­len Haus, be­tont Ja­mie. Tref­fe er an­de­re Ju­gend­li­che, könn­ten die sich oft nicht vor­stel­len, dass es von der Du­sche über das Fern­se­hen bis zum Com­pu­ter al­les in den Wohn­wa­gen ge­be. Und der Com­pu­ter ist wich­tig. Viel Schul­un­ter­richt läuft heu­te on­li­ne. Die SfC, die „Schu­le für Cir­cus­kin­der“, or­ga­ni­siert auch den Un­ter­richt im Ar­tis­ten­dorf. Bis zu vier­mal pro Wo­che kommt ein Leh­rer. Ziel ist der Ab­schluss der Mitt­le­ren Rei­fe, man kön­ne aber auch das Abitur an der SfC ma­chen.

Doch das Herz schlägt für die Ma­ne­ge, für die Im­pro­vi­sa­ti­on. Das ma­che Ja­mie sehr gut, er­klärt Ron: „Er ist ein raf­fi­nier­ter Clown“. Nun su­chen die Tra­bers nach dem raf­fi­nier­ten Weg, wie Ja­mies Traum er­füllt wer­den kann. Der Traber-Star muss viel be­kann­ter wer­den. Vor­her ist Mon­te Car­lo am Ho­ri­zont nicht zu se­hen.

FO­TO: CHRIS­TI­AN BEIER

Mit ei­nem Ko­s­tüm und viel Schmin­ke wird aus dem 13-jäh­ri­gen Ja­mie Traber der Clown „Spa­ghet­ti“vom Cir­cus Traber.

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