Ge­richt ver­hängt ho­he Haft­stra­fen im So­lin­ger Kinds­mord-Pro­zess

Solinger Morgenpost - - KULTUR -

VON SA­BI­NE MA­GUI­RE

13 Jah­re und sechs Mo­na­te Frei­heits­stra­fe für den 19-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten, der für den Tod der knapp drei Jah­re al­ten Toch­ter sei­ner da­ma­li­gen Le­bens­ge­fähr­tin ver­ant­wort­lich sein soll. Drei Jah­re und sechs Mo­na­te oh­ne Be­wäh­rung für die Mut­ter, die laut An­kla­ge den Tod ih­res Kin­des durch un­ter­las­se­ne Hil­fe­leis­tung mit­ver­schul­det ha­ben soll. So lau­te­te das Ur­teil im Pro­zess we­gen Mor­des ge­gen die bei­den An­ge­klag­ten, die sich beim Pro­zess­auf­takt noch ge­gen­sei­tig dieVer­ant­wor­tung für die schwe­ren Miss­hand­lun­gen des Mäd­chens zu­ge­scho­ben hat­ten.

Zu­vor hat­te die Staats­an­walt­schaft trotz An­wen­dung des Ju­gend­straf­rechts für den zur Tat­zeit 18 Jah­re al­ten An­ge­klag­ten ei­ne ho­he Haft­stra­fe von 14 Jah­ren we­gen Mor­des ge­for­dert. Wer­den jen­seits des Er­wach­se­nen­straf­rechts üb­li­cher­wei­se nur Haft­stra­fen bis zu zehn Jah­ren ver­hängt, so sah die Staats­an­walt­schaft hier ei­ne be­son­de­re Schwe­re der Schuld, die wie­der­um ei­ne Aus­wei­tung des Straf­rah­mens er­lau­be.

„Der An­ge­klag­te hat dem Kind die schwe­ren Ver­let­zun­gen al­lein und mit un­barm­her­zi­ger Ge­sin­nung zu- ge­fügt. Die Tat ist als Mord mit dem be­son­de­ren Merk­mal der Grau­sam­keit zu be­wer­ten“, so Staats­an­walt He­ri­bert Kau­ne-Geb­hardt. Der An­ge­klag­te ha­be das Kind aus sei­ner Sicht ge­schla­gen, ge­tre­ten und un­ter die hei­ße Du­sche ge­stellt. Hin­zu­ge­kom­men sei ei­ne fi­na­le Stran­gu­la­ti­on, die letzt­lich zum Tod ge­führt ha­ben soll. Die Mut­ter sei aus Sicht der Staats­an­walt­schaft zum To­des­zeit­punkt nicht zu­hau­se ge­we­sen. Man glau­be ihr, dass sie vom An­ge­klag­ten selbst mit kör­per­li­cher Ge­walt be­droht wor­den sei und dass sie ih­rem Kind nicht ha­be hel­fen kön­nen. Den­noch ha­be es Mög­lich­kei­ten ge­ge­ben, um Hil­fe zu ho­len, wor­auf sich die ge­for­der­te Be­wäh- rungs­stra­fe be­grün­de. Das Ge­richt folg­te der Staats­an­walt­schaft bei der Ur­teils­be­grün­dung.

DieVer­tei­di­gung des An­ge­klag­ten hat­te auf das von der Staats­an­walt­schaft ge­for­der­te Straf­maß mit Ent­set­zen re­agiert. In sei­nem Plä­doy­er warb At­ha­na­si­os An­tona­kis für ei­ne an­de­re Sicht­wei­se auf das Ge­sche­hen und für ei­ne Ver­ur­tei­lung zu sechs Jah­ren Frei­heits­stra­fe we­gen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung mit To­des­fol­ge. Er sah die al­lei­ni­ge Schuld sei­nes Man­dan­ten nicht als er­wie­sen an und stell­te an­heim, dass auch die Mut­ter des Kin­des an den Miss­hand­lun­gen be­tei­ligt ge­we­sen sein könn­te.

Aus Ver­tei­di­ger­sicht ha­be es kei­nen Tö­tungs­vor­satz ge­ge­ben – statt­des­sen ei­ne Viel­zahl von Ver­let­zun­gen, die man nicht zwei­fels­frei nur dem An­ge­klag­ten zu­rech­nen kön­ne. Auch der Ver­tei­di­ger der mit­an­ge­klag­ten Mut­ter sah kei­ne Tö­tungs­ab­sicht bei de­ren Le­bens­ge­fähr­ten.

Der An­ge­klag­te selbst wies die Schuld von sich. „Ich war es nicht“, ließ er das Ge­richt in sei­nem Schluss­wort wis­sen.„Ich hät­te mich an­ders ver­hal­ten sol­len“, so die Mut­ter des Mäd­chens. Es wa­ren die ers­tenWor­te, die man von ihr in die­sem Pro­zess ge­hört hat.

FO­TO: MAG (AR­CHIV)

Bei­de An­ge­klag­te er­hiel­ten Haft­stra­fen oh­ne Be­wäh­rung.

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