Ge­fro­re­ne Zeit

Mit dem neu­en Clas­sic Preamp stellt Na­gra dem Clas­sic Amp nun den pas­sen­den Spiel­part­ner an die Sei­te. Das Er­geb­nis ist ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Vor- und End­stu­fe wie aus ei­ner an­de­ren Welt.

Stereoplay - - Test & Technik Vor/ Endstufe -

Die schon im­mer ganz ei­ge­ne, ganz an­de­re De­sign­spra­che der Schwei­zer Pro - Ma­nu­fak­tur Na­gra trifft ab­seits al­ler ak­tu­el­len Mo­den doch wie­der – oder soll­te man sa­gen: im­mer wie­der – ei­nen Nerv. Di­cke, matt­far­be­ne Alu­plat­ten und kan­ti­ge Dreh­schal­ter wir­ken wie ei­ne Mi­schung aus Re­tro- Stil und Ali­en- Tech­no­lo­gie. Und die sim­ple Gr­und­form ver­wei­gert sich je­der In­ter­pre­ta­ti­on – au­ßer je­ner, dass Na­graCu­bes min­des­tens so groß aus­fal­len wie nö­tig, aber auch kei­nen Mil­li­me­ter grö­ßer.

Dass es in die­sem höchst spe­zi­el­len Fall nicht vie­le Mei­nun­gen ge­ben kann au­ßer Be­geis­te­rung oder völ­li­ge Ab­leh­nung, ist klar. Doch nur die rei­ne Op­tik sagt eben bei­lei­be nicht al­les über die­se zwei Na­gras. Das Tech­ni­ker­au­ge wür­de näm­lich bei­de Ver­stär­ker am liebs­ten oh­ne De­ckel be­trei­ben, die zwei schwe­ren, di­cken Alu­mi­ni­um­plat­ten für im­mer in den Schrank pa­cken und statt­des­sen vi­el­leicht Glas­plat­ten mon­tie­ren – fröh­lich igno­rie­rend, dass de­ren Ab­schirm­wir­kung bei null an­zu­sie­deln ist.

Auch in Be­zug auf die Elek­tro­nik und Elek­tro­me­cha­nik p egen die Schwei­zer ih­ren ei­ge­nen, un­nach­ahm­li­chen ( Bau-) Stil, der ei­ner­seits schier pro­tes­tan­tisch re­du­ziert, an­de­rer­seits fast schon wie­der ba­rock wirkt. Die­se Wi­der­sprü­che nden sich in den In­ne­rei­en der Ge­rä­te zu­hauf: et­wa dann, wenn SMDs ( Sur­face Moun­ted De­vices) dicht und eng mit feinst ver­gol­de­ten Pla­ti­nen ver­hei­ra­tet wur­den, un­mit­tel­bar da­ne­ben aber Tran­sis­tor- Bau­for­men sit­zen, die aus den 60er- Jah­ren zu stam­men schei­nen. Ein paar Zen­ti­me­ter wei­ter re­si­die­ren dann mo­derns­te Sci­ence- Fic­tion- ICs ne­ben Röh­ren und mons­trö­sen Po­ly­pro­py­len- Kon­den­sa­to­ren, in de­ren Um­fang sich heut­zu­ta­ge kom­plet­te Na­vi­ga­ti­ons­sys­te­me un­ter­brin­gen lie­ßen.

Kom­pro­miss­lo­se Qua­li­tät

So brand­ak­tu­ell und gleich­zei­tig aus der Zeit ge­fal­len wie Clas­sic Preamp und Clas­sic Amp wirkt der­zeit wohl nichts an­de­res auf dem Markt. Das Er­geb­nis ist, vom Klang noch ganz ab­ge­se­hen, schließ­lich Zeit­lo­sig­keit, die von der Qua­li­tät der In­gre­di­en­zen und der Kom­pro­miss­lo­sig­keit der Aus­füh­rung be­din­gungs­los un­ter­stützt wird.

Dass bei­de Kom­po­nen­ten auch in zehn, 20 oder gar 30 Jah­ren noch funk­tio­nie­ren wer­den, ist des­halb kaum zu be­zwei­feln und re­la­ti­viert vi­el­leicht ein we­nig den Preis. Ganz zu schwei­gen da­von, dass man ei­ne 30 Jah­re al­te Na­graKom­pakt- Band­ma­schi­ne oh­ne den ge­rings­ten sicht­ba­ren Stil­bruch ein­fach da­ne­ben­stel­len könn­te...

Mit dem nun vor­ge­stell­ten Clas­sic Preamp prä­sen­tiert Na­gra ei­nen Vor­ver­stär­ker, der den schon be­kann­ten Preamp „ Jazz“zum Aus­gangs­punkt ge­nom­men hat. Man ha­be ein grö­ße­res Ge­häu­se ge­plant, so die Schwei­zer, um mehr und grö­ße­re elek­tro­ni­sche Bau­tei­le un­ter­brin­gen zu kön­nen, au­ßer­dem kä­men De­si­gnele­men­te aus dem HD DAC zum Ein­satz.

Im Clas­sic Preamp küm­mern sich ( auch) Röh­ren um die Si­gnal­ver­ar­bei­tung, hier sind es zwei ECC83 und ei­ne ECC81, weit­hin be­kann­te und ge­läu ge Dop­pel­t­ri­oden, de­ren Er­satz wohl nie ein Pro­blem dar­stel­len wird. Die Hoch­pe­gel- Vor­stu­fe be­sitzt ins­ge­samt fünf Ein­gän­ge und drei Aus­gän­ge; zu­sätz­lich ist se­ri­en­mä­ßig ein ei­ge­ner Ver­stär­kert­rakt für den Kopf­hö­rer­aus­gang ein­ge­baut. Op­tio­nal kann der Preamp mit Ein- und Aus­gangs­über­tra­gern aus­ge­rüs­tet wer­den – da­für sind freie Pla­ti­nen­hal­te­run­gen vor­han­den –, die ei­ne kom­plet­te gal­va­ni­sche Tren­nung von Qu­el­le und Last ga­ran­tie­ren. Hier lässt die Stu­dio­tech­nik grü­ßen.

Ein ex­ter­nes Netz­teil – wie wir es schon bei vie­len Na­graVer­stär­kern ge­se­hen ha­ben – be­nö­tigt der Clas­sic Preamp nicht. Er be­sitzt ein ex­trem

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