Phro­ne­sis & Frankfurt Ra­dio Big Band The Be­he­moth Tobias Hoff­mann Trio Blues, Bal­lads & Brit­ney Arne Hu­ber Quar­tet

Stereoplay - - Musik Jazz Musik: Klang: -

Un­ter „ Phro­ne­sis“ver­stan­den die al­ten Grie­chen die Fä­hig­keit zu an­ge­mes­se­nem Han­deln un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler für die Si­tua­ti­on re­le­van­ten Fak­to­ren, Zie­le und Ein­sich­ten. Genau dies zeich­net die bis­he­ri­gen Wer­ke des Kla­vier­tri­os Phro­ne­sis aus. Nun hat Ju­li­an Ar­güel­les zehn Stü­cke der Bri­ten für Big Band ar­ran­giert. Da er die Blä­ser­sät­ze sehr scharf und prä­gnant setzt, ge­win­nen sie an Vo­lu­men und Far­be. An­de­rer­seits geht die in­ten­si­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on des hier als Rhyth­mus­grup­pe ein­ge­setz­ten Tri­os ver­lo­ren. Die Auf­nah­me­tech­nik hält nicht ganz mit, denn sie schafft kei­ne kla­ren Kon­tu­ren, son­dern lässt die In­stru­men­ten­grup­pen in­ein­an­der ver­flie­ßen. Es gibt wohl kei­nen an­de­ren Jazz- Gi­tar­ris­ten in Deutsch­land, der Ex­pe­ri­men­tier­lust mit so viel Spaß mit ver­bind­li­chen Kli­schees ver­bin­den kann wie der Köl­ner Tobias Hoff­mann. Auf der zwei­ten CD sei­nes Tri­os be­gibt er sich weit ins Feld des Surf Rock und über­trifft an hals­bre­che­ri­scher Kon­se­quenz so­gar sein Vor­bild Bill Fri­sell um ei­ni­ges. Die CD be­steht aus­schließ­lich aus Co­ver­Ver­sio­nen. Hoff­manns au­gen­zwin­kern­der Ent­schlos­sen­heit ist es zu ver­dan­ken, dass Songs von Wil­lie Di­xon, Du­ke El­ling­ton und Brit­ney Spears so­wie Chris Isaaks „ Wi­cked Ga­me“zu­sam­men­ge­hen. Er macht auf die­ser CD vie­les, was man nicht darf, und so­mit al­les rich­tig. Das Le­ben be­steht nicht nur aus Ver­gnü­gen. Mehr als Ba­de­ur­laub und Par­tys be­stim­men es der Gang zur Ar­beit, das Ver­sor­gen der Kin­der, über­haupt der All­tag. Dar­an mag der Kon­tra­bas­sist Arne Hu­ber wohl ge­dacht ha­ben, als er ei­nen Ti­tel für das Al­bum sei­nes Quar­tetts such­te. Die acht Songs ent­füh­ren nicht in Ur­laubs­ge­gen­den. Wohl aber ge­stal­ten Hu­ber und Kol­le­gen acht nach­denk­li­che Stü­cke voll in­ne­rer Har­mo­nie. Die­ses Ge­flecht voll von Be­zü­gen, Un­ter­stüt­zung, Be­glei­tung und in­di­vi­du­el­len, meist me­lan­cho­lisch an­ge­hauch­ten, manch­mal auch die ge­dämpf­te Grund­hal­tung durch­bre­chen­den So­li wirkt tat­säch­lich wie ein Spiegel des ech­ten Le­bens.

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