Bers­tend vor Ener­gie

Stereoplay - - Musik Klassik -

Als Ist­ván Ker­tész im April 1973 bei ei­nem Ba­de­un­fall an der is­rae­li­schen Küs­te im Al­ter von nur 43 Jah­ren ums Le­ben kam, ver­lor die Mu­sik­welt ei­nen Di­ri­gen­ten von Welt­ruf. Nach sei­ner Über­sied­lung von Un­garn in den Wes­ten im Jahr 1959 hat­te der von Zol­tán Ko­dá­ly, Léo Wei­ner und Já­nos Fe­rencsik aus­ge­bil­de­te Ker­tész schnell die Opern­häu­ser Deutsch­lands er­obert: Als GMD in Augs­burg setz­te er in Mo­zarts Opern neue Maß­stä­be, da­nach lei­te­te er die Oper in Köln. Welt­wei­te An­er­ken­nung aber ver­schaff­ten ihm vor al­lem sei­ne in den 1960er Jah­ren bei Dec­ca pro­du­zier­ten Orches­ter­auf­nah­men, al­len vor­an sei­ne fan­tas­ti­schen Ste­reo- Pro­duk­tio­nen al­ler Sin­fo­ni­en und wei­te­rer wich­ti­ger Wer­ke von An­to­nin Dvor­ák. Sei­ne lei­den­schaft­li­che Ein­spie­lung der Neun­ten Dvor­áks im Jahr 1961 in Wien wur­de zur Initi­al­zün­du ng ei­ner meh­re­re Jah­re wäh­ren­den äu­ßerst frucht­ba­ren Zu­sam­men­ar­beit mit dem Lon­don Sym­pho­ny Orches­tra und dem Dec­ca- Pro­du­zen­ten Ray Mins­hull, der schon früh das enor­me künst­le­ri­sche Po­ten­zi­al des da­mals 32- jäh­ri­gen Un­garn er­kannt hat­te. Von 1963 an di­ri­ger­te Ker­tész, be­gin­nend mit ei­ner ful­mi­nan­ten Ach­ten, al­le Sin­fo­ni­en des tsche­chi­schen Ro­man­ti­kers un­ter Min shulls Auf­sicht in der akus­tisch ex­zel­len­ten Lon­do­ner Kings- way Hall, setz­te dort künst­le­ri­sche Maß­stä­be und auf­nah­me­tech­ni­sche Stan­dards, die bis heu­te Re­fe­renz­sta­tus ge­nie­ßen und als Mus­ter­bei­spie­le gel­ten für den le­gen­dä­ren Dec­ca- Sound. Zugleich leis­te­te er in den ers­ten fünf Sin­fo­ni­en Dvor­áks, die da­mals noch un­be­kannt wa­ren, Pio­nier­ar­beit für den un­ter­schätz­ten Kom­po­nis­ten. Das Lon­don Sym­pho­ny Orches­tra, das er 1965 in Chef­po­si­ti­on über­nahm, form­te er schnell zu ei­nem der welt­weit füh­ren­den Klang­kör­per. Die­ser le­gen­dä­re Dvor­ákZy­klus Ker­tész’ aus den Jah­ren 1963 – 67, ein Dut­zend wei­te­rer Orches­ter­wer­ke, die zwi­schen 1966 und 1972 ent­stan­den, so­wie ei­ne un­glaub­lich in­ten­si­ve Auf­füh­rung des „ Re­qui­ems“von 1972, die mit den hoch­ka­rä­ti­gen So­lis­ten Pi­lar Lo­ren­gar und Tom Krause auf­war­te­te, sind jetzt von Uni­ver­sal kom­plett neu re­mas­tert und auf neun CDs ( so­wie par­al­lel da­zu auf ei­ne hoch­auf­lö­sen­de Blu­ray Disc) über­spielt wor­den. Ers­ter Ein­druck: Ker­tész’ ex­plo­die­ren­de Lei­den­schaft, sei­ne ju­gend­li­che Fri­sche und sei­ne Fä­hig­keit, die coo­len bri­ti­schen Mu­si­ker in­stink­tiv zu be­feu­ern und sie auch bei un­be­kann­ten Wer­ken zu Höchst­leis­tun­gen zu trei­ben, ha­ben die­se far­ben­fro­hen, vor Ener­gie bers­ten­den Auf­nah­men um kei­nen Tag al­tern las­sen. Sie sind bis heu­te der Maß­stab ge­blie­ben.

Ver­un­glück­te im Al­ter von 43 Jah­ren: Der un­ga­ri­sche Di­ri­gent Ist­ván Ker­tész ( 1929- 1973).

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