Mul­ti­mu­si­ka­lisch

„ Mul­ti Sour­ce Play­er“nennt T+ A auch sei­ne neu­es­te Er­run­gen­schaft na­mens MP 3100 HV. Die­ser Al­les­kön­ner ver­eint al­le ak­tu­el­len di­gi­ta­len Si­gnal­quel­len in sich und bil­det so das Zen­trum ei­ner mo­der­nen High- End- In­stal­la­ti­on.

Stereoplay - - Test & Technik Sacd- Netzwerkspieler - Ro­land Kraft

Kas­set­ten­deck, Ton­band­ma­schi­ne, CD- Play­er, Tu­ner, Plat­ten­spie­ler... Er­in­nert sich noch je­mand, wie vie­le ver­schie­de­ne Ge­rä­te wir für den gu­ten Ton frü­her in der Ste­reo­an­la­ge bei­ein­an­der­ste­hen hat­ten? Die Racks wa­ren groß und bis­wei­len prop­pen­voll, es gab zu­dem ein Plat­ten­re­gal, ein CDRe­gal und bei man­chem viel­leicht auch noch ein paar Dut­zend Kas­set­ten oder Ton­bän­der.

Die Zei­ten än­dern sich. Heut­zu­ta­ge ha­ben wir Tau­sen­de von Tracks auf den Fest­plat­ten, be­die­nen uns bei Strea­m­ing­Diens­ten von ei­nem noch sehr viel grö­ße­ren Re­per­toire und schlep­pen wo­mög­lich noch ei­ni­ge Hun­dert Songs auf dem Smart­pho­ne mit, wo­bei „ schlep­pen“jetzt wohl über­trie­ben ist. Und selbst no­to­ri­sche Samm­ler­na­tu­ren, de­nen der phy­si­sche Be­sitz über al­les geht, ha­ben mitt­ler­wei­le – hin und wie­der zäh­ne­knir­schend – ak­zep­tiert, dass ein dop­pelt ge­si­cher­tes NAS nicht we­ni­ger Be­sitz dar­stellt als die Sil­ber­schei­ben selbst, die in­zwi­schen im Kel­ler ver­stau­ben. Oder nach dem Ko­pie­ren auf dem Floh­markt lan­den – ja, auch das gibt es.

Und die Schall­plat­ten? Die Zei­ten än­dern sich. In die­ser ste­reo­play- Aus­ga­be prä­sen­tie­ren wir ei­ne High-End- Pho­no­st­u­fe, die gleich zwei Jobs macht: Ton­ab­neh­mer nach al­len Re­geln der Kunst um­ar­men und die Mu­sik gleich­zei­tig als 24 Bit/ 96- kHz- Da­ten­strom an den Com­pu­ter lie­fern.

Man­cher Ana­log­freak wird sich ab­wen­den, an­de­re Vi­nyl­fans wer­den da­ge­gen hoch er­freut fest­stel­len, dass man die wert­vol­len Schei­ben jetzt auch pro­blem­los „ in“die Fest­plat­te ste­cken kann. Ganz zu schwei- gen da­von, dass wir beim Mu­sik­hö­ren auf dem So­fa kle­ben kön­nen wie al­tes Pop­corn, mit dem Pad in der Hand. Ge­sund ist das nicht, da­für aber be­deu­tend be­que­mer als die Wüh­le­rei im un­ters­ten Plat­ten­re­gal...

Ein Ge­rät für al­les

Die Zei­ten än­dern sich. Heu­te kann ein- und das­sel­be Ge­rät al­le ak­tu­el­len Mu­si­k­quel­len be­reit­stel­len. USB vom Com­pu­ter in den DAC, Strea­m­ing aus dem Netz vom Mu­sik­dienst oder vom NAS, UKW- Ra­dio, In­ter­net- Ra­dio, Strea­m­ing von der per USB an­ge­schlos­se­nen Fest­plat­te oder vom Spei­cher­stick, da­zu Blue­tooth- Über­tra­gung vom Smart­pho­ne. Ha­ben wir et­was ver­ges­sen? Ja, ga­ran­tiert.

Die Na­men sol­cher Al­les­kön­ner un­ter­schei­den sich, die ei­nen nen­nen es Mul­ti­play­er, die an­de­ren Ser­ver, Strea­mer oder Mul­ti- Sour­ce- Play­er. Egal. Schon jetzt ist klar, dass die Qu­el­len in ein- und der­sel­ben Kom­po­nen­te ver­schmel­zen wer­den, auch wenn Strea­m­ing ei­ne ganz an­de­re, wei­te­re tech­ni­sche Platt­form be­nö­tigt als die USB- Schnitt­stel­le ei­nes DACs. Wer ein Üb­ri­ges tun möch­te, fügt ein CD- Lauf­werk da­zu und di­ver­se di­gi­ta­le Ein­gän­ge – man weiß ja nie. Und wer sehr kon­se­quent ist, lässt ana­lo­ge Ein­gän­ge weg und spe­ku­liert viel­leicht, dass der Plat­ten­spie­ler des Jah­res 2020 oh­ne­hin ( auch) DSD „ aus­spu­cken“wird...

Die Zei­ten än­dern sich. Ein Mul­ti­play­er wiegt heut­zu­ta­ge 26 Ki­lo­gramm und kommt von Ver­stär­ker­päps­ten, die mitt­ler­wei­le auch Di­gi­tal­päps­te sind. Nicht not­ge­drun­gen, son­dern aus of­fen­bar un­bän­di­ger Freu­de am Me­tier und am kom­plet­ten

Di­gi­tal- und Soft­ware- Know­how in der ei­ge­nen Ent­wick­lungs­ab­tei­lung.

Das be­weist T+ As MP 3100 HV, der obend­rein gleich zwei Netz­buch­sen hat: ana­log und di­gi­tal. Ei­ne Trutz­burg aus Alu­mi­ni­um, die al­les an­de­re als ne­ben­bei noch SACDs und CDs spielt, gleich­zei­tig mit dem In­ter­net und dem Haus­netz ver­hei­ra­tet ist, mit USB- Me­di­en spricht, Blue­tooth „ kann“, ein gu­tes, al­tes Ra­dio ist, mit Mu­sik­diens­ten ko­ope­riert, vom NAS streamt, DSD als Mut­ter­spra­che be­herrscht und ei­nen Wahn­witz- DAC ein­ge­baut hat. Ha­ben wir et­was ver­ges­sen? Ja, ga­ran­tiert: Hübsch ist er näm­lich auch noch!

Discs wei­ter nut­zen

„ In au­dio­phi­len Krei­sen gibt es ganz klar den Wunsch, auch wei­ter­hin die CD und die SACD nut­zen zu kön­nen“, sagt T+ A zu dem The­ma, was die Her­for­der zum An­lass nah­men, gleich ein ganz neu­es Lauf­werk mit mo­derns­ter De­co­der­tech­nik und sehr kur­zen Zu­griffs­zei­ten zu kon­stru­ie­ren. Ab­ge­se­hen von ei­nem in­ter­nen Fe­der­sys­tem, steckt der zweis­tu g iso­lier­te Mecha­nis­mus in ei­nem schwe­ren Ex­tra­ge­häu­se aus Alu­mi­ni­um; die Schub­la­de wird von zwei Edel­stahl­stan­gen ge­führt. Al­lein hier er­klärt sich al­so schon ein Teil des Kampf­ge­wichts die­ses wuch­ti­gen Ge­räts.

Der MP 3100 HV un­ter­schei­det sich vom an­de­ren Mul­ti­play­er des Hau­ses, dem 3000 HV, aber nicht nur durch den neu­en Lauf­werk­me­cha­nis­mus. Das ent­schei­den­de Kenn­zei­chen des Neu­lings sind sei­ne um­fas­sen­den DSD- Fä­hig­kei­ten, aus­ge­hend vom Lauf­werk, wel- ches mit SACDs DSD64 aus­le­sen kann. Und da­mit ist der 3100 auch kom­pa­ti­bel zu ex­ter­nen DSD- Qu­el­len, wo­bei hier T+ A‘ s for­mi­da­bler „ True 1- BitDSD-Con­ver­ter“aus dem PDP 3000 HV zum Ein­satz kommt, der DSD- Da­ten nicht kon­ver­tiert, son­dern na­tiv als Bit­stream ver­ar­bei­tet. Des­halb har­mo­niert auch der USB- Ein­gang mit DSD bis „ hin­auf“zu DSD512. Für PCM kann der Mul­ti hin­ge­gen mit dem Dop­pel- Dif­fe­ren­zi­al-Qua­dru­pel- Wand­ler der Her­for­der auf­war­ten. Den ge­fürch­te­ten Jit­ter be­kämpft

ei­ne Jit­ter- Eli­mi­nie­rung, die zweis­tu g ar­bei­tet: In der ers­ten Stu­fe wird aus den emp­fan­ge­nen Da­ten ein Roh­takt zu­rück­ge­won­nen, der mit­hil­fe ei­ner PLL- Schal­tung zu­nächst „ ge­rei­nigt“wird. Er­fül­len die­se An­stren­gun­gen Min­dest­kri­te­ri­en, wer­den die D/ A-Wand­ler auf die in­ter­ne Mas­ter­clock um­ge­schal­tet. Ist der an­kom­men­de Takt hin­ge­gen nicht zu ret­ten, kommt an­stel­le der Quarz­os­zil­la­to­ren ei­ne zwei­te PLL- Stu­fe zum Ein­satz, die den Rest­jit­ter um den Fak­tor vier re­du­ziert.

T+ A sagt da­zu, dass letzt­lich selbst üb­le Stör­ein­trä­ge von Com­pu­tern un­schäd­lich ge- macht wür­den, was an­ge­sichts ei­ner Nut­zung, die zu­künf­tig wo­mög­lich ganz stark auf Soft­ware- Play­ern und Netz­wer­kS­trea­m­ing be­ruht, na­tür­lich sinn­voll ist. Letz­te­res be­wäl­tigt der MP 3100 HV über T+ A‘ s ei­ge­nes HiRes- Strea­m­in­gBo­ard in­klu­si­ve ei­ge­ner Soft­ware, das auch PCM- HD- Strea­m­ing von Netz­werk­ser­vern be­herrscht. Und wer sich schon des Öf­te­ren et­was ge­nervt mit di­ver­sen, via USB an Wand­lern an­ge­schlos­se­nen Soft­warePlay­ern ab­ge­müht hat, der wird un­se­rer Ein­schät­zung viel­leicht zu­stim­men, dass letzt­lich dem Strea­m­ing von der ei­ge­nen Netz­werk- Fest­plat­te, der Nut-

zung von Mu­sik­diens­ten und dem Ein­le­gen ei­ner Disc ins hof­fent­lich noch vor­han­de­ne Lauf­werk eher die Zu­kunft ge­hö­ren wird. In die­sem Sin­ne dürf­te T+ As neu­es­ter Al­les­kön­ner sei­nen Be­sit­zer ganz her­vor­ra­gend in die Zu­kunft be­glei­ten, zu­mal sei­ne üb­ri­gen Fä­hig­kei­ten wie FM- Tu­ner, DAB+-Tu­ner so­wie Blue­too­thS­trea­m­ing- Mo­dul noch­mals ei­ne gran­dio­se Mu­sik­aus­wahl er­öff­nen.

Wer sich über SACDs hin­aus mit DSD be­schäf­tigt, bleibt der­zeit auf den USB- Ein­gang und die Hil­fe ent­spre­chen­der Soft­ware- Play­er im Com­pu­ter an­ge­wie­sen. Und er wird höchst­wahr­schein­lich kei­nen an­de­ren Play­er nden, der für DSD und PCM zwei völ­lig ge­trenn­te Di­gi­tal­tei­le, zwei Wand­ler­sek­tio­nen und zwei spe­zi­ell an die For­ma­te an­ge­pass­te Ana­lo­gBack- Ends bie­tet.

Kris­tall­kla­rer Klang

Dass T+ A in­zwi­schen ei­ne sprich­wört­lich kla­re Klang­li­nie ver­folgt und es auch ver­steht, die­sen „ Mar­ken­klang“in prak­tisch al­le Kom­po­nen­ten des Hau­ses hin­ein zu züch­ten, steht au­ßer Fra­ge. Der MP 3100 HV macht kei­ne Aus­nah­me und be­sticht schlag­ar­tig mit sei­nem un­glaub­lich durch­sich­ti­gen, un­glaub­lich fei­nen und un­glaub­lich ana­ly­ti­schen Klang. Dass der Her­for­der Mul­ti­play­er da­bei nicht zu kris­tal­len oder gar harsch ans Werk geht, ist an­ge­sichts sei­nes Au ösungs­ver­mö­gens er­staun­lich; dass er da­bei auch über St­un­den nie­mals läs­tig wird, ist ein Wun­der.

Die­se bra­vou­rös ab­sol­vier­te Grat­wan­de­rung be­för­dert den MP 3100 HV in die ab­so­lu­te Top- Rie­ge sei­ner Klas­se und ver­mit­telt den Ein­druck, dass es hier letzt­lich nur noch auf die Qua­li­tät der Ton­kon­ser­ven an- kommt. Auch im Ver­gleich zu HD bis­wei­len über­ra­schend gu­te CD- Qua­li­tät be­för­dert der un­be­stech­li­che Play­er da­bei eben­so ans hel­le Ta­ges­licht wie mit­tel­mä­ßi­ge DSD- Kon­ser­ven, von de­nen es auch ei­ni­ge gibt – das muss ein­mal er­wähnt wer­den. Mer­ke: Nicht al­les ist pu­res Gold, nur weil DSD drauf­steht. Nichts­des­to­trotz zau­bern gu­te DSD- Tracks häu g ein glück­li­ches Lä­cheln ins Ge­sicht des stol­zen T+ A- Be­sit­zers.

Für sol­che ab­ge­ho­be­nen Klang- Re­cher­chen ist der MP 3100 HV mit sei­nem prä­zi­se aus­ba­lan­cier­tem, ein­fach nur kor­rek­ten Cha­rak­ter ge­nau das rich­ti­ge Mess­werk­zeug. Das trübt aber nie den Spaß an der Sa­che, denn Spiel­freu­de zählt eben­so zum qua­si ein­ge­bau­ten Re­per­toire des Mul­ti­play­ers wie stu­pen­de Dy­na­mik und ful­mi­nan­te Rau­m­ab­bil­dung.

Gleich vier An­ten­nen­an­schlüs­se? Ja: für WLAN, Blue­tooth, FM- Tu­ner und Funk­fern­be­die­nung. Die bei­den Netz­buch­sen links und rechts am Ge­häu­se­rand die­nen den ge­trenn­ten Ana­log- und Di­gi­tal­netz­tei­len. Ei­ne wei­te­re USB- Buch­se be­fin­det sich prak­ti­scher­wei­se auf der Front­plat­te. Ei­ne even­tu­ell an­ge­schlos­se­ne Fest­plat­te ist via In­put- Me­nü ein­fach an­wähl­bar, aber auf PCM- Mu­sik­ma­te­ri­al be­schränkt.

Sei­ne bei­den Netz­tei­le für Ana­log- und Di­gi­tal­ab­tei­lun­gen ver­frach­tet der T+ A an die Ge­rä­te­sei­ten. Bei die­ser Bau­wei­se bil­den die in­ne­ren Sei­ten­wän­de auch gleich ei­ne Ab­schir­mung. Die sym­me­trisch auf­ge­bau­ten Ana­log- Aus­gangs­stu­fen ar­bei­ten in T+ As HV- Tech­nik und sind vom Di­gi­tal­teil voll­stän­dig gal­va­nisch ent­kop­pelt; das um­schalt­ba­re ana­lo­ge Re­kon­struk­ti­ons­fil­ter hat 60 oder 120 Ki­lo­hertz Grenz­fre­quenz.

Das di­gi­ta­le Herz des T+ As ist sein vier­la­gi­ges „ Di­gi­tal Pro­ces­sing Bo­ard“. Sämt­li­che di­gi­ta­len Ein­gän­ge wer­den hier ge­schal­tet und ge­rou­tet. Ab­ge­se­hen vom zen­tra­len Steu­er­pro­zes­sor ( der ganz gro­ße Chip in der Mit­te) be­fin­det sich hier auch der Strea­m­ing Cli­ent, ei­ne T+ A- Ei­gen­ent­wick­lung, so­wie das Blue­too­thMo­dul, das über ei­ne au­ßen­lie­gen­de An­ten­ne ver­fügt.

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