Nicht nur „ Om­bre lé­gè­re“: Dia­na Damrau singt Mey­er­beer

Stereoplay - - Musik Klassik -

Einst der zen­tra­le Kom­po­nist des Gen­res „ Grand Opé­ra“, heu­te ein Fall für Con­nais­seurs und His­to­ri­ker: Gi­a­co­mo Mey­er­beer, der Ber­li­ner in Pa­ris. Hat Wa­g­ners „ Fluch“, der die Mu­sik sei­nes Ri­va­len als „ Wir­kung oh­ne Ur­sa­che“dif­fa­mier­te, ei­ne der­ar­ti­ge Nach­wir­kung ge­habt? Oder ist es schlicht­weg so, dass Mey­er­beers Opern den Sän­gern zu viel ab­ver­lan­gen? Seit min­des­tens zwei Ge­ne­ra­tio­nen gel­ten sie als schwer ver­käuf­lich. Selbst das gran­dio­se Du­ett Raou­lVa­len­ti­ne aus „ Les Hu­gue­nots“, das in der Ve­ris­mo- Va­ri­an­te Co­rel­li- Si­mio­na­toGa­vaz­ze­ni 1962 an der Scala Fu­ro­re mach­te, läuft heu­te un­ter „ Ra­ri­tä­ten“. Le­dig­lich die po­pu­lärs­ten Ari­en, „ O pa­ra­dis“aus „ L’Af­ri­cai­ne“und „ Om­bre lé­gè­re“aus „ Di­n­orah“, ha­ben sich im Kon­zert- und Plat­ten- Re­per­toire hal­ten kön­nen. Beim Te­nor- Hit reicht die Ti­me­li­ne von Ca­ru­so über Sle­z­ak, Gig­li, Mel­chi­or, Lo­renz, Björ­ling, Co­rel­li, Do­min- go, Car­re­ras und Pa­va­rot­ti bis Bryan Hy­mel, die Schat­ten- Arie der Di­n­orah gibt es u. a. von Gal­li- Curzi, Te­traz­zi­ni, Cal­las, Su­ther­land, Mof­fo und Des­say. Dia­na Dam­raus Be­geis­te­rung für Mey­er­beer stammt aus ih­rer Stu­di­en­zeit. Und dan­kens­wer­ter­wei­se hat sie sich nicht mit der Schat­ten- Arie be­gnügt ( die sie her­vor­ra­gend ge­stal­tet): un­ter­stützt vom „ Pa­laz­zet­to Bru Za­ne – Cent­re de mu­si­que ro­man­tique françai­se“konn­te sie sich den Her­zens­wunsch er­fül­len, ein gan­zes Mey­er­beer- Re­ci­tal auf­zu­neh­men ( Era­to/ War­ner 0190295 848996). Lei­der lässt die Rei­hen­fol­ge der Mu­sik­num­mern auf der CD kein Kon­zept er­ken­nen. Doch nach Struk­tu­rie­rung via Fern­be­die­nung oder PC ist die Ent­wick­lung des Kom­po­nis­ten gut nach­zu­hö­ren: vom deut­schen Sing­spiel „ Die bei­den Ka­li­fen“( 1813) über ita­lie­ni­sche Er­fol­ge („ Em­ma di Res­bur­go“und „ Il Cro­cia­to in Egit­to“) bis zur Opé­ra Co­mi­que („ Di­n­orah“, „ L’etoi­le du Nord“) und Grand Opé­ra („ Les Hu­gue­nots“, „ Le Pro­phe­te“und „ L’Af­ri­cai­ne“). Vor al­lem in den ly­ri­schen Ko­lo­ra­tur­pas­sa­gen scheint Dia­na Damrau ganz in ih­rem Ele­ment zu sein. Ich weiß, man kann ei­ne „ Chan­teu­se lé­gè­re“nicht mit ei­ner Brünn­hil­de ver­glei­chen, aber bei der „ Gna­den- Arie“aus „ Ro­bert le Dia­ble“bin ich schlicht­weg ver­dor­ben durch die um­wer­fen­de Rund­funk­auf­nah­me von Ger­tru­de Grob- Prandl ( Wi­en 1953).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.