Ko­ax- Kom­pakt­box plus Amp und Netz­werk­play­er

Zu­ge­ge­ben, nur we­ni­ge Menschen wür­den 13.000-€- Laut­spre­cher an ei­nen 1500-€- Amp an­schlie­ßen. Aber war­um ei­gent­lich nicht? Auf­stei­ger- HiFiElek­tro­nik von Pioneer trifft auf High- End- Laut­spre­cher von TAD.

Stereoplay - - Inhalt - Alex­an­der Ro­se

TAD Mi­cro Evo­lu­ti­on One mit Pioneer A- 70DA und N- 70AE

Den größ­ten Ein uss auf den Klang ei­ner Ste­reo­an­la­ge hat der Laut­spre­cher – das ist be­kannt. War­um al­so nicht den Lö­wen­an­teil der ver­füg­ba­ren Sum­me hier in­ves­tie­ren, an­statt für al­le Kom­po­nen­ten in et­wa die­sel­be Sum­me zu ver­an­schla­gen?

Die­sen Schritt wag­ten wir mit der Ket­te aus Pioneer- Elek­tro­nik und Laut­spre­chern von TAD. Von Pioneer kommt ei­ne Kom­bi aus dem Voll­ver­stär­ker A- 70DA ( ge­tes­tet in ste­reo­play 2/ 16) und dem brand­neu­en Netz­werk­play­er N- 70AE. Bei­de Ge­rä­te sind um­fang­reich aus­ge­stat­tet, was beim Er­werb der Kom­bi den Nach­teil hat, dass man ei­ni­ge Funk­tio­nen gleich zwei­mal kauft: So­wohl Amp als auch Play­er ver­fü­gen über D/ A- Wand­ler, die sie an­de­ren Ge­rä­ten per Di­gi­tal­ein­gang ( USB, Cinch oder op­tisch) zur Ver­fü­gung stel­len. Wer kei­nen grö­ße­ren Ge­rä­te­fuhr­park be­sitzt, der trös­tet sich mit Zu­kunfts­si­cher­heit und Aus­bau­fä­hig­keit.

Ko­ax vom Feins­ten

Die Laut­spre­cher kom­men aus Ja­pan von der Bo­xen­schmie­de TAD ( Tech­ni­cal Audio De­vices La­bo­ra­to­ries, Inc.), ei­ner Pioneer- Toch­ter. Die Ja­pa­ner sind be­kannt da­für, dass sie recht schwer­ge­wich­ti­ge Laut­spre­cher bau­en, de­ren Sta­bi­li­tät so­fort Ver­trau­en schafft. Tech­nisch ge­se­hen han­delt es sich um ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Mit­tel­hoch­ton- Ko­ax und ei­nem Bass­trei­ber. Folg­lich ist die Mi­cro Evo­lu­ti­on One ei­ne Drei- We­geBox.

Die Ent­wick­ler bei TAD zäh­len zu den we­ni­gen, die Hoch­tö­ner aus Be­ryl­li­um fer­ti­gen. Die­ses hoch­fes­te und leich­te Ma­te­ri­al zu ver­ar­bei­ten er­for­dert Kön­nen. Der sel­te­ne Hoch­tö­ner sitzt mit­tig in ei­nem Ma­g­ne­si­um- Mit­tel­tö­ner und be­ginnt bei Fre­quen­zen ab 2,5 kHz mit der Ar­beit. Er soll bis 60 kHz spie­len kön­nen.

Al­le Fre­quen­zen un­ter­halb von 420 Hertz gibt ein Tief­tö­ner mit MACC- Mem­bran wie­der. Die Ab­kür­zung steht für Mul­tiLaye­red Ara­mid Com­po­si­te Co­ne. Ara­mid ist auch un­ter der Be­zeich­nung Kev­lar be­kannt und bie­tet die für HiFi nö­ti­gen Ei­gen­schaf­ten, so et­wa ei­ne ho­he Reiß­fes­tig­keit, die da­zu führt, dass Kev­lar in vie­len schuss­si­che­ren Wes­ten zu nden ist.

Die an­ge­schraub­ten Sei­ten­tei­le lie­gen nicht kom­plett an, so­dass die Luft, die die Tief­tö­ner nach hin­ten ab­ge­ben, durch Aus­tritts­öff­nun­gen ent­wei­chen kann.

Strom­lie­fe­rant

Um die­sen und an­de­re Laut­spre­cher an­zu­trei­ben, stellt der A- 70DA an vier Ohm 90 und an 8 Ohm 75 Watt be­reit.

Der A- 70 ar­bei­tet in Clas­sD-Tech­nik, ver­fügt al­so über ei­nen Schalt­ver­stär­ker. Das sorgt für ei­ne gu­te Ener­gie­bi­lanz und dürf­te heut­zu­ta­ge auch nicht mehr da­zu füh­ren, dass sich In­ter­es­sen­ten plötz­lich mit Grau­sen ab­wen­den. Die

Zei­ten, als Class-D- Ver­stär­ker noch we­nig über­zeu­gend klan­gen, sind längst vor­bei.

Der Ver­stär­ker bringt un­an­ge­neh­me 17 Ki­lo auf die Waa­ge, wor­an das sta­bi­le Chas­sis mit Alu­mi­ni­um- Front- und Sei­ten­pa­nee­len nicht ganz un­schul­dig ist. Es bie­tet der Span­nungs­ver­sor­gung, Vor- und End­ver­stär­ker je ei­ge­ne Ab­tei­lun­gen mit se­pa­ra­ten Netz­tra­fos und ver­mei­det so, dass die Bau­grup­pen sich ge­gen­sei­tig be­ein us­sen kön­nen.

Aus­stat­tung gibt es reich­lich. Das fängt bei ei­nem Pho­no- Ein­gang für MM und MC an und führt über zahl­rei­che wei­te­re Schnitt­stel­len ( vier­mal ana­log, drei­mal di­gi­tal, Li­ne- Out und Po­wer- Amp- Di­rect- Aus­gang) bis hin zu sym­me­tri­schen Neu- trik- XLR- Ein­gän­gen. Wer ei­nen PC als Quelle in die An­la­ge ein­bin­den möch­te, kann dies tun und über die­sen Weg PCMHiRes- Audio mit bis zu 384 kHz/ 32 Bit ( WAV oder FLAC) und DSD mit bis zu 11,2 Me­ga­hertz wie­der­ge­ben. Da­für sorgt der D/ A- Wand­ler ESS ES9016S.

Ab ins Netz­werk

Der Netz­werk­play­er N- 70AE, der auf der HIGH END erst­mals dem Pu­bli­kum prä­sen­tiert wur­de, steht dem Ver­stär­ker in zahl­rei­chen Punk­ten nicht nach: Auch er ver­fügt über ein mas­si­ves Ge­häu­se mit se­pa­ra­ten Kam­mern für Netz­teil, Strea­m­ing- Elek­tro­nik und Au­di­o­schal­tung und ei­ner Stahl- Bo­den­plat­te. Der Auf­wand soll die Elek­tro­nik vor Stör­fel­dern schüt­zen und au­ßer­dem für klang­lich vor­teil­haf­te Ver­win­dungs­stei gkeit sor­gen.

Auch in Sa­chen D/ A- Wand­lung lie­gen bei­de Ge­rä­te gleich­auf. Der N- 70AE bie­tet den glei­chen Wand­ler­chip, ei­nen ESS SABRE 9016, je­doch in gleich dop­pel­ter Aus­füh­rung und ist da­mit im sel­ben Ma­ße HiRes- taug­lich wie der Ver­stär­ker: DSD bis 11,2 MHz und PCM bis 384 kHz / 32 Bit.

Wer ger­ne Mu­sik von Strea­m­ing- An­bie­tern hört, wird sich über die Ein­bin­dung von Spo­ti­fy, Dee­zer und Ti­dal freu­en. In Kür­ze soll per Firm­wareUp­date auch Cloud- Strea­m­ing via Ti­dal mög­lich sein und so- mit der Zu­griff auf zahl­rei­che Al­ben im MQA- For­mat. A pro­pos Firm­ware: Auf der Pionee­rHome­page ndet man dort nicht nur Firm­ware, son­dern auch Trei­ber für Win­dows- Rech­ner.

Wer zu Hau­se Goog­le Chro­me cast nutzt, kann da­mit Qo­buz und wei­te­re Strea­m­in­gDi­ens­te über den N- 70AE wie­der­ge­ben. Und das draht­lo­se Au­dio­sys­tem Play- Fi soll eben­falls in Kür­ze per Up­date fol­gen. Ge­steu­ert wird der N- 70AE ent­we­der mit der bei­lie­gen­den Fern­be­die­nung oder mit­tels der Pioneer Con­trol App, die es kos­ten­los für iOS und An­dro­id gibt.

Wer ein klei­ne­res Bud­get hat und auf ein paar Fea­tu­res so­wie ein paar Ki­lo Ge­wicht ver­zich­ten kann, könn­te auch in

Ver­su­chung kom­men, den klei­nen Bru­der des N- 70AE zu kau­fen, den eben­falls neu­en N- 50AE. Die Netz­werk­fä­hig­kei­ten sind iden­tisch, im N- 50AE wer­kelt aber nur ein Wand­ler- Chip und der re­gel ba­re Kopf­hö­rer­aus­gang fehlt. Da­für spart man 400 Eu­ro. Wie bei Pioneer üb­lich, sind die Play­er und der Ver­stär­ker in Schwarz und Sil­ber er­hält­lich.

Al­le für ei­nen

Zum Test nahm die TAD Mi­cro Evo­lu­ti­on One auf ih­rem op­tio­nal er­hält­li­chen, mas­si­ven Laut­spre­cher­stän­der Platz ( 1500€), frei­ste­hend mit ei­nem Me­ter zur Rück­wand. Die Elek­tro­nik wur­de ver­ka­belt, und an­schlie­ßend ban­den wir den N- 70A ins Netz­werk ein, was recht pro­blem­los ge­lang. So­mit war auch der Zu­griff auf das

ste­reo­play- NAS mög­lich. Nur die Pioneer Con­trol App woll­te den N- 70AE im Netz­werk zu­nächst nicht nden, so­dass wir die Steue­rung vor­erst mit der Fern­be­die­nung vor­nah­men.

Der Netz­werk­play­er re­agier­te an­ge­nehm schnell und spiel­te Ti­tel nach kur­zer Be­denk­bzw. La­de­zeit ab, un­ab­hän­gig vom For­mat oder von der Qu­el- le. Ob man ihn ana­log oder di­gi­tal mit dem Amp ver­bin­det, spielt er­freu­li­cher­wei­se kei­ne Rol­le. Kein Wun­der, sit­zen in den je­wei­li­gen Wand­ler­sek­tio­nen doch die glei­chen Chips.

Char­ly An­to­li­nis „ Jammin’“mach­te den Auf­takt und zeig­te so­fort, aus wel­chem Holz die­se Ket­te ge­schnitzt ist: Das war enorm druck­voll, sehr prä­zi­se. Der Klang baut auf ei­nem sta­bi­len, fe­dern­den Fun­da­ment auf und setzt oben ein paar High­lights mit ei­nem leicht blit­zen­den Hoch­ton, der der Dar­bie­tung Glanz und Strahl­kraft ver­lieh, oh­ne im ent­fern­tes­ten un­aus­ge­wo­gen zu klin­gen!

Das mach­te rich­tig Lau­ne und ließ uns zu­nächst Rock hö­ren. Ob Tool oder Lost So­cie­ty, die Kom­bi ging je­des Tem­po mit und ver­brei­te­te bis zu enor­men Laut­stär­ken viel Ge­nuss und Spaß. Die TAD min­der­te da­bei die leich­te Nei­gung zur Ana­ly­se, die der A- 70DA al­lein auf an­ge­neh­me Wei­se an den Tag legt.

TAD ver­spricht, dass die Mi­cro Evo­lu­ti­on One sehr li­ve klingt. Was lag nä­her, als das mit Li­ve- Al­ben zu über­prü­fen: „ Au­gust And Ever­y­thing Af­ter – Li­ve At Town Hall“– der Ti­tel ist mehr oder we­ni­ger selbst­er­klä­rend – ist ein Li­ve- Al­bum, bei dem die Band Coun­ting Crows ihr De­büt in vol­ler Län­ge spielt. An­spiel­tipp: Beim Song „ Rain King“baut Sän­ger Adam Du­ritz mal eben Springs­teens Song „ Thun­der Road“ein. Die Li­ve- At­mo­sphä­re war mit­rei­ßend und glaub­wür­dig, nicht zu­letzt, weil die TADs den Hör­raum mü­he­los mit Mu­sik fül­len. Die Ab­bil­dung ragt weit über die Gren­zen der Laut­spre­cher hin­aus, ist sehr ge­nau und klar. An­schlie­ßend fühl­ten wir uns verp ich­tet, auch den Boss selbst zu Wort kom­men zu las­sen. Auf dem Li­ve- Dop­pel- Al­bum „ Ham­mers­mith Ode­on,

Lon­don ’ 75“, das den ers­ten Auf­tritt Springs­teens in Eu­ro­pa do­ku­men­tiert, star­tet er den Abend mit ei­ner ein­dring­li­chen, re­du­zier­ten Ver­si­on sei­nes Klas­si­kers. Die Kom­bi schaff­te es mü­he­los, den mit viel Ge­fühl ge­spiel­ten und ge­sun­ge­nen Song zum emo­tio­na­len Er­leb­nis zu ma­chen und trans­por­tier­te gleich­zei­tig die Springs­teen­ty­pi­sche Dring­lich­keit.

Ein Ge­nuss war auch „ Un­der The Pink“von To­ri Amos: Selbst feins­ten Hall auf der Stim­me macht die Pionee­rTAD- Ket­te hör­bar, klingt da­bei un­glaub­lich sau­ber und trans­pa­rent. Bei „ Past The Mis­si­on“muss man meist ge­nau hin­hö­ren, um Amos’ Du­ett- Part­ner, den Tool- Sän­ger May­nard Ja­mes Ke­en­an, her­aus­zu­hö­ren. In die­sem Se­t­up steht er deut­lich ne­ben Amos und trägt mas­siv zur Stim­mung bei.

Bleibt die Fra­ge, ob es sinn­voll ist, die­se preis­lich so un­ter­schied­li­chen Part­ner zu kom­bi­nie­ren. Ant­wort: un­be­dingt!

Strik­te Gü­ter­tren­nung im N- 70AE: Die Netz­tei­le und Trans­for­ma­to­ren für den ana­lo­gen und den di­gi­ta­len Be­reich lie­gen weit aus­ein­an­der. Als wä­re das nicht ge­nug, kom­men auch noch ab­schir­men­de Trenn­wän­de zum Ein­satz. Die ein­zel­nen Kam­mern sind ziem­lich dicht bei­ein­an­der. Ei­ne sta­bi­le Bo­den­plat­te sorgt zu­sätz­lich für me­cha­ni­sche Sta­bi­li­tät.

Ein prall ge­schnür­tes Pa­ket: Der Pioneer bie­tet Schnitt­stel­len in Hül­le und Fül­le. Von Pho­no ( MM + MC) über vier ana­lo­ge bis hin zu drei di­gi­ta­len Ein­gän­gen. Die­se tre­ten beim Pioneer- Duo aus Amp und Strea­mer dop­pelt auf. Da­zu noch sym­me­tri­sche und asym­me­tri­sche Aus­gän­ge so­wie ein End­stu­fen­aus­gang. Die Pha­se des sym­me­tri­schen Ein­gangs lässt sich um­schal­ten.

Ein schickes und hoch­wer­tig be­stück­tes Ter­mi­nal ver­steckt sich auf der Rück­sei­te der Mi­cro Evo­lu­ti­on One. Wer Bi- Wi­ring und Bi- Am­ping aus­pro­bie­ren möch­ten, kann dies tun.

Fast Zwil­lin­ge: Et­was über­la­den und zu groß sind die Fern­be­die­nun­gen. Die Qua­li­tät ist aber gut, die Druck­punk­te stim­men.

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