Richard Wa­gner: Lie­bes­er­klä­run­gen ( Vier wei­ße Lie­der u. a.)

Ma­ria Bul­ga­ko­va, And­rej Ho­teev ( 2016)

Stereoplay - - Musik | Klassik - Mar­tin Mez­ger

Ei­ne Wa­gner-Wel­ter­stein­spie­lung? In den Ni­schen der Pro­duk­ti­on des Meis­ters hat der Pia­nist And­rej Ho­teev tat­säch­lich ei­nen wei­ßen Fleck ent­deckt, ediert und erst­mals auf­ge­nom­men, näm­lich die „ Vier wei­ßen Lie­der“in der 1868 als Weih­nachts­ge­schenk für Cosima re­vi­dier­ten Ver­si­on. Die Erst­fas­sun­gen stam­men von 1839: ein deutsch- ro­man­ti­sches Kla­vier­lied und drei fran­zö­si­sche Chan­sons, sa­lo­nis­tisch im stil­ko­pie­ren­den Ton­fall, mal mit pi­kan­ter Chro­ma­tik ge­würzt, mal se­lig wal­zernd ( lei­der feh­len im Book­let die Ge­s­angs­tex­te). Ma­ria Bul­ga­ko­va singt das mit dun­kel tim­brier­tem, da­her vor al­lem in der Mez­zo- La­ge ker­nig- so­no­rem So­pran. Zart und leicht schwe­bend ge­lingt ihr das Wie­gen­lied „ Dors mon en­fant“, sinn­lich und ex­pres­siv gibt sie den tie­fe­ren Phra­sen Far­be, In­brunst und Cha­rak­ter. Im For­te der ho­hen La­ge al­ler­dings wird ih­re Stim­me sprö­de ( so in der Vic­tor- Hu­go­Ver­to­nung „ At­ten­te“). Die­sel­ben Vor­zü­ge und Schwä­chen – be­herrsch­tes Es­pres­si­vo mit Hö­hen­schwind­sucht – lässt die Sän­ge­rin in den We­sen­donck- Lie­dern hö­ren, hier aus­drück­lich in der Früh­fas­sung von 1857/ 58 ( al­ler­dings mit ei­nem klei­nen Eti­ket­ten­schwin­del: „ Träu­me“ist in der Spät­fas­sung ein­ge­spielt). Ho­teev be­glei­tet kon­zen­triert und mit Em­pha­se, die drei bei­ge­ge­be­nen Kla­vier­stü­cke zei­gen frei­lich, was Wa­gner nicht war: ein Kla­vier­kom­po­nist. Al­len­falls gärt hier wie in der gan­zen We­sen­donck- Sphä­re, was im „ Tris­tan“ein gro­ßer Wurf wer­den soll­te.

Häns­s­ler Clas­sic HC16058 ( 55: 51)

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