Sen­sa­tio­nel­le Tschai­kow­sky- Auf­nah­me

Stereoplay - - Musik | Klassik - Attila Cs­am­pai

Der 1927 ge­bo­re­ne ös­ter­rei­chi­sche Pia­nist Paul Ba­du­raS­ko­da ist ne­ben Jörg De­mus der letz­te gro­ße Ver­tre­ter der Wie­ner Kla­vier­schu­le, ei­ne un­er­schüt­ter­li­che Au­to­ri­tät nicht nur als In­ter­pret, son­dern auch als Mu­si­ko­lo­ge und Päd­ago­ge. Be­reits mit 21 Jah­ren spiel­te er un­ter Ko­ry­phä­en wie Ka­ra­jan und Furt­wäng­ler und er er­lang­te schon in den 1950ern Welt­ruhm. In sei­ner bald 70 Jah­re wäh­ren­den Kar­rie­re pro­du­zier­te er über 200 Al­ben, dar­un­ter mehr­fa­che Ge­samt­zy­klen der Kla­vier­so­na­ten Beet­ho­vens, Mo­zarts und Schu­berts, die er auch welt­weit öf­fent­lich auf­führ­te. Er war auch der ers­te Pia­nist von Rang, der das klas­si­sche Re­per­toire auf his­to­ri­schen For­t­epia­ni spiel­te. We­ni­ge Mo­na­te vor sei­nem 90. Ge­burts­tag hat ihn Gra­mo­la mit ei­ner Kom­pi­la­ti­on von drei his­to­ri­schen Ste­reo- Auf­nah­men ge­wür­digt, die in den 1950er Jah­ren für das bri­ti­sche La­bel West­mins­ter ent­stan­den und ihn in der un­ge­wohn­ten Rol­le des bril­lan­ten Vir­tuo­sen in Kon­zer­ten Tschai­kow­skys, Liszts und Rims­kij- Kor­sa­kows prä­sen­tie­ren, un­ter dem sinn­rei­chen Ti­tel „ Der an­de­re Ba­du­ra“. Die ei­gent­li­che Sen­sa­ti­on des Al­bums ist das 1956 un­ter Adri­an Boult pro­du­zier­te be­rühm­te b-moll- Kon­zert Tschai­kow­skys, das den 28- jäh­ri­gen Ba­du­ra-Sko­da auf ei­ne Stu­fe stellt mit den gro­ßen Re­fe­ren­zen des Werks: Rich­ter, Ho­ro­witz, Cli­burn und Gi­l­els. Ba­du­ra selbst be­zeich­net die Auf­nah­me im Book­let als „ die am bes­ten ge­lun­ge­ne mei­ner pia­nis­ti­schen Lauf­bahn“. Er ver­pass­te dem schon da­mals stra­pa­zier­ten Opus ein ganz ei­ge­nes, un­ver­wech­sel­ba­res Pro­fil klas­si­zis­ti­scher Klar­heit und struk­tu­rel­ler Durch­hör­bar­keit, das al­les rausch­haf­te Pa­thos und al­len rus­si­schen Thea­ter­don­ner von ihm ab­fal­len und es als kom­plex ge­ar­bei­te­tes Meis­ter­werk in der Nach­fol­ge Beet­ho­vens und Schu­manns neu er­strah­len lässt. Wir bli­cken in das In­nen­le­ben ei­ner kom­pli­zier­ten Schwei­zer Uhr, und Sir Adri­an un­ter­stützt Ba­du­ras ar­ti­ku­la­to­ri­sche Prä­gnanz mit drän­gen­den Tem­pi und ei­nem sehr kom­pakt und fo­kus­siert da­ge­gen hal­ten­den „ Phil­har­mo­nic Pro­me­na­de Orches­tra“( ver­mut­lich das Stu­di­o­or­ches­ter des La­bels). Auch im Es- Dur- Kon­zert Liszts, das hier in ei­nem Li­veMit­schnitt von 1959 un­ter Hans Swa­row­sky er­klingt, glänzt Ba­du­ra mit glä­ser­ner Klar­heit und stei­gert sich zu wil­der Ent­schlos­sen­heit, wäh­rend er das kur­ze, sau­sch­we­re cis-moll- Kon­zert Rim­ski-Kor­sa­kows mu­tig aus dem Dorn­rös­chen­schlaf reißt. Wir er­le­ben hier ei­nen rund­um über­zeu­gen­den, stre­cken­wei­se elek­tri­sie­ren­den Rück­blick auf die ju­gend­li­chen Ge­nie­strei­che ei­ner mu­si­ka­li­schen Iko­ne.

Glas­kla­re Prä­gnanz: Pia­nist Paul Ba­du­ra- Sko­da ( Jg. 1927).

Gra­mo­la 99130 ( 63: 49)

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