Ich bin ... MoFi

Der an­thra­zi­tene Rit­ter: MFSL goes Plat­ten­spie­ler

Stereoplay - - Inhalt - Alex­an­der Ro­se

Den Na­men Mo­bi­le Fi­de­li­ty Sound Lab ( kurz: MFSL) kennt wohl je­der, der sich für LPs oder SACDs in­ter­es­siert. Die Ame­ri­ka­ner ha­ben sich auf das Wie­derau egen be­lieb­ter Al­ben spe­zia­li­siert, wo­bei sie, wenn mög­lich, die Mas­ter­bän­der für ih­re Neu­au agen ver­wen­den. Durch ein spe­zi­el­les Her­stel­lungs­ver­fah­ren klin­gen ins­be­son­de­re die 45er MFSLDop­pel- LPs häu g aus­ge­zeich­net, kos­ten aber lei­der der­zeit ein klei­nes Ver­mö­gen.

Nun lie­fern die Ame­ri­ka­ner gleich auch noch die not­wen­di­ge Tech­nik, um die haus­ei­ge­nen LPs stan­des­ge­mäß ab­spie­len zu kön­nen: Drei Ton­ab­neh­mer, zwei Plat­ten­spie­ler und ei­ne Pho­no­vor­stu­fe ( sie­he Sei­te 44) um­fasst das seit Kur­zem er­hält­li­che Hard­ware- An­ge­bot be­reits.

Der „ klei­ne­re“der bei­den Plat­ten­spie­ler fand sich in un­se­rem Hör­raum ein und soll hier vor­ge­stellt wer­den. Ihn den Klei­ne­ren zu nen­nen, scheint aber un­an­ge­bracht. Mit 50 cm Brei­te und ei­nem 10- Zoll- Arm ist er al­les an­de­re als be­schei­den in den Aus­ma­ßen, wenn er auch – zu­min­dest in tech­ni­scher Hin­sicht – sei­nem grö­ße­ren Bru­der un­ter­le­gen ist.

Im Set bil­li­ger

Da­bei han­delt es sich bei bei­den nicht ein­fach um glei­che Lauf­wer­ke, die mit un­ter­schied­li­chen Ar­men und Tel­lern be­stückt wer­den. Die Un­ter­schie­de rei­chen wei­ter – so et­wa bei Tel­ler- und Mo­tor­la­ger, was die MoFis von der Mo­dell­po­li­tik zahl­rei­cher an­de­rer Her­stel­ler ab­hebt.

Wer sich das MoFi Stu­dio Deck in den Hör­raum stel­len möch­te, kann das Lauf­werk mit Arm für 1200 Eu­ro kau­fen oder er legt 100 Eu­ro drauf und kauft das Stu­dio Deck Plus in­klu­si­ve MoFi-MM- Ton­ab­neh­mer na­mens Stu­dio Tra­cker. Bei die­sem Pa­ket spart man sat­te 250 Eu­ro, denn ein­zeln kos­tet das Sys­tem 350 Eu­ro.

Der Gu­ru

Be­vor man ei­nen ge­naue­ren Blick auf das Stu­dio Deck wirft, soll­te man dem Mann hin­ter dem Plat­ten­spie­ler et­was Auf­merk­sam­keit schen­ken. Al­len Per­kins heißt die­ser und steht nun wirk­lich nicht im Ver­dacht, kei­ne Ah­nung vom ana­lo­gen Hand­werk zu ha­ben. Per­kins ist näm­lich auch der Kopf hin­ter den Spi­ral-Groo­ve- Lauf­wer­ken, die ei­nen ex­zel­len­ten Ruf ha­ben, lei­der aber auch recht kost­spie­lig sind.

Für das Stu­dio Deck ent­warf Per­kins ei­ne mehr­la­gi­ge MDFZar­ge, in der ein fett­ge­schmier­tes in­ver­tier­tes La­ger sitzt. Der La­ger­dorn ist recht kurz, aber dick und oben ab­ge­run­det. Das Ge­gen­stück, die Hül­se, steckt im Tel­ler, der aus dem Kunst­stoff Del­rin ge­fer­tigt ist, ei­nem im Plat­ten­spie­ler­bau gern ver­wen­de­ten Ma­te­ri­al, das auch un­ter dem Na­men POM be­kannt ist ( für Po­ly­oxy­me­thy­len). Das La­ger ver­fügt über en­ge To­le­ran­zen. So kann es durch­aus 20 St­un­den dau­ern, bis sich der Tel­ler kom­plett ab­ge­senkt hat.

An­ge­trie­ben wird die­ser von ei­nem Wech­sel­strom­mo­tor, der hin­ten links auf der Zar­ge sitzt. Die­ser ist mit ei­nem aus Del­rin ge­fer­tig­ten Pul­ley be­stückt. Für den oran­ge­nen Rie­men gibt es hier gleich zwei Nu­ten: ei­ne für 33 1/ 3 und ei­ne für 45 Um­dre­hun­gen pro Mi­nu­te.

Tra­di­ti­on ver­pflich­tet

A pro­pos oran­ge: Ein ech­ter Hin­gu­cker ist auch der An­schal­ter, der nach Be­tä­ti­gung in ei­nem schö­nen Oran­ge­ton leuch­tet. Das ist nicht ein­fach nur ein Gim­mick, son­dern hat den Hin­ter­grund, dass die VU- Me­ter der Re­vox-Mas­ter­band- Ma­schi­ne nach Be­tä­ti­gen des Po­wer- Knop­fes eben­falls in ei­nem sol­chen oran­ge­nen Licht leuch­te­ten. Man fühlt sich hier al­so ei­ner ana­lo­gen Tra­di­ti­on verp ich­tet.

A pro­pos an­schal­ten: Be­tä­tigt man die Po­wer- Tas­te, wird man Zeu­ge der Kraft des Mo­tors. Die­ser legt näm­lich ei­nen sol­chen Zug an den Tag, dass der nicht mal be­son­ders schwe­re Del­rin- Tel­ler zu­nächst vom Rie­men gar nicht „ mit­ge­nom­men“wird und es zwei Se­kun­den dau­ert, bis al­les läuft und Ru­he herrscht. Die herrscht

dann aber wirk­lich. Der leich­te Tel­ler kommt nach er­neu­tem Be­tä­ti­gen des Po­wer- Knop­fes in­ner­halb nicht mal ei­ner Tel­ler­um­dre­hung zum Stand.

Gut ge­bet­tet

Auf der Un­ter­sei­te des Chas­sis be nden sich ei­ne Acryl­plat­te so­wie vier nicht in der Hö­he ver­stell­ba­re Fü­ße aus dem Hau­se HRS. Die­se Fir­ma, eben­falls in den USA an­säs­sig, baut in ers­ter Li­nie mas­si­ve HiFiRacks, die ei­nem, so­fern man über ei­ne dies­be­züg­li­che Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit ver­fügt, die Freu­den ( oder Neid-) Trä­nen in die Au­gen trei­ben kann.

Und die HRS- Fü­ße er­le­di­gen ih­ren Job ganz aus­ge­zeich­net! Kein Wun­der, ist doch der Fe­der­weg über­ra­schend hoch ( sie­he Fo­to). Klopft oder schlägt man auf die Stell äche, bleibt der Plat­ten­spie­ler un­be­ein­druckt.

Kein Plat­ten­spie­ler oh­ne Ton­arm. Ei­ne Be­son­der­heit in der Preis­klas­se springt ei­nen so­fort an: Der kar­da­nisch ge­la­ger­te Arm ist gan­ze zehn Zoll lang. Für vie­le Vi­nyl­fans ist das die idea­le Arm­län­ge, ver­bin­det sie doch Sta­bi­li­tät und güns­ti­ges Ge­wicht mit ei­nem ge­gen­über Neun- Zöl­lern ver­rin­ger­ten tan­gen­tia­len Spur­fehl­win­kel.

Ge­fer­tigt wird der Arm aus Alu­mi­ni­um, das Ge­gen­ge­wicht aus Del­rin. Die An­tis­ka­tin­gEin­stel­lung er­folgt per an ei­nem Fa­den zie­hen­den Ge­wicht, hier­bei gibt es vier Ab­stu­fun­gen. Die­se Pra­xis ist weit ver­brei­tet, et­wa bei vie­len Pro-Ject- Ar­men. Nicht sehr hübsch, aber un­be­denk­lich: Ist der Arm in Ru­he­po­si­ti­on, liegt das Ge­wicht auf dem Chas­sis auf.

Der Stu­dio Tra­cker ar­bei­tet mit be­weg­ten Ma­gne­ten und lie­fert ei­ne Aus­gangs­span­nung von 3,5 mV. Es ist al­so kei­ne exo­ti­sche Vor­stu­fe nö­tig, die­ser Ton­ab­neh­mer läuft an je­dem MM- fä­hi­gen Pho­no­ein­gang. Ba­sis des Ton­ab­neh­mers ist ein Audio Tech­ni­ca, das um­fang­reich mo­di ziert wur­de.

Der Dia­mant hat ei­nen el­lip­ti­schen Schliff, an ei­nem

MM- Ein­gang mit 100 pF Ka­pa­zi­tät und ei­ner Ab­schlus­sim­pe­danz von 47.000 fühlt sich Stu­dio Tra­cker laut Her­stel­ler be­son­ders wohl.

Un­be­dingt er­wäh­nen soll­te man noch schnell die Ab­deck­hau­be, die dem MoFi bei­liegt. Die ist näm­lich na­he­zu un­durch­sich­tig, was das ab­ge­deck­te Lauf­werk ziem­lich edel und cool aus­se­hen lässt. Ja, ge­nau die­sen Plat­ten­spie­ler wür­de sich Bat­man in sei­nen Bat- Hör­raum stel­len.

Auch an Nach­hal­tig­keit wur­de sei­tens der Ent­wick­ler ge­dacht: Soll­te es mal zu ei­nem Schar­nier­scha­den kom­men, kann man die­se im Hand­um­dre­hen aus­wech­seln. So muss man nicht gleich die gan­ze Hau­be neu er­wer­ben.

Mon­tiert wird das Ge­rät in den USA, ge­nau­er: in Ann Ar­bor, ei­ner Stadt in der Nä­he von De­troit. Auch das trägt da­zu bei, dass der Preis wirk­lich nicht zu hoch er­scheint.

The Rhythm Has My Soul

Das ers­te Stück, das wir dem Stu­dio Deck Plus ser­vier­ten, war Pe­ter Ga­b­ri­els „ The Rhythm Of The Heat“in der dy­na­mi­schen 45er- Ver­si­on von 2015. Bei al­ler Aus­ge­wo­gen­heit hat das MoFi Stu­dio Deck ei­ne kla­re klang­li­che Si­gna­tur, die für tie­fe, fe­dern­de Drums sorgt. Das Stu­dio Deck macht so­fort klar, war­um man auch von Bass­schlä­gen spricht. Die Wie­der­ga­be hat or­dent­lich Punch, klingt in den tie­fen La­gen saf­tig und doch sau­ber.

Man kramt un­will­kür­lich nach rhyth­mi­schen Auf­nah­men. Bil­ly Jo­els „ Glass Hou­ses“( 1980) ent­hält mit „ I Don’t Want To Be Alo­ne“ge­nau so ei­nen Ti­tel. Und tat­säch­lich ent­fal­te­te das Stück ei­nen mit­rei­ßen­den Charme. Die ten­den ziell warm klin­gen­de LP ( Fri­day Mu­sic) ge­rät da­bei glück­li­cher­wei­se nicht zu fül­lig, son­dern bleibt in Bass und Grund­ton schön trans­pa­rent. Über­haupt ge­lingt der Kom­bi ei­ne über­aus be­frie­di­gen­de Mi­schung aus au­dio­phi­len Tu­gen­den ( Ab­bil­dung, Durch­hör­bar­keit, Dy­na­mik, Na­tür­lich­keit etc.) und ei­ner Por­ti­on Spaß.

Sie mer­ken es schon, das Stu­dio Deck Plus mit MM- Ton­ab­neh­mer Stu­dio Tra­cker ge el uns aus­ge­zeich­net, vor al­lem an­ge­sichts von Preis und Leis­tung: Spiel­freu­dig, druck­voll, rhyth­mus­be­tont macht es mit je­der Mu­sik­rich­tung Freu­de, dem sehr er­wach­sen auf­spie­len­den Set zu lau­schen.

Noch mehr Freu­de mach­te es uns aber mit dem Or­to­fonQuin­tett Red. Das Quin­tett Red brach­te mehr Raum zwi­schen die Tö­ne, ver­lieh dem Bass noch mehr Druck und reich­te tie­fer hin­ab – man könn­te sa­gen, das Or­to­fon be­tont die Stär­ken des Lauf­werks noch ein we­nig bes­ser, wes­halb wir die Kom­bi­na­ti­on an die­ser Stel­le aus­drück­lich emp­fe­heln wol­len.

Wer ei­ne gu­te MC- Pho­no­vor­stu­fe hat, soll­te sich die­se Kom­bi­na­ti­on un­be­dingt an­hö­ren. Aber auch wer das Kom­plett- Set nimmt, macht al­les rich­tig!

So­bald man den Ton­arm zur Plat­te be­wegt, ver­liert das An­tis­ka­tin­gGe­wicht sei­nen Kon­takt zum Chas­sis.

Der MM- Ton­ab­neh­mer Stu­dio Tra­cker ist im Grun­de ein stark mo­di­fi­zier­tes Audio Tech­ni­ca. Der Fin­ger­bü­gel der Heads­hell ist et­was kurz ge­ra­ten – ei­ner der ganz we­ni­gen Kri­tik­punk­te.

Das fett­ge­schmier­te La­ger ist in­ver­tiert: Der kur­ze La­ger­dorn sitzt im Chas­sis und ist oben ab­ge­run­det. Sein Ge­gen­part, die Hül­se ( oben), steckt fest im Del­rin- Tel­ler. Die To­le­ran­zen sind sehr ge­ring, es kann bis zu 20 St­un­den dau­ern, bis der Tel­ler sich kom­plett ab­ge­senkt hat.

Fin­ger weg, Al­f­red! Die mi­ni­mal trans­pa­ren­te Hau­be ver­leiht dem Stu­dio Deck ei­ne ed­le und sehr de­zen­te Er­schei­nung. Nur Fin­ger­ab­drü­cke sieht man auf dem dunk­len Ma­te­ri­al bes­ser als auf an­de­ren Hau­ben.

Die Dämp­fungs­fü­ße von HRS soll­ten Schu­le ma­chen. Der Fe­der­weg ist recht hoch ( links oh­ne Last, rechts mit), die Wir­kung oh­ne Fra­ge über­durch­schnitt­lich.

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