Tri­ang­le- Haus­be­such

Ein Be­such bei Tri­ang­le

Stereoplay - - Inhalt - Mal­te Ruhn­ke

Wie ein ty­pi­scher Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Laut­spre­cher­ma­nu­fak­tur sieht Hu­go De­cel­le nicht aus: Der jun­ge, welt­ge­wand­te und dem Ge­nuss nicht ab­ge­neig­te Fran­zo­se führt das Vor­zei­ge­un­ter­neh­men, das äl­ter ist als er selbst, mit fran­zö­si­schem Charme und ver­sprüht viel po­si­ti­ve Ener­gie.

Be­reits 1980 wur­de Tri ang­le ge­grün­det und mach­te sich un­ter Hi­Fi- Fans ei­nen sehr gu­ten Na­men als Spe­zia­list für Breit­band- und Hoch­wir­kungs­grad- Laut­spre­cher. Un­ter Bran­chenIn­si­dern gel­ten die an zwei Stand­or­ten – bei der Ge­schäfts­lei­tung na­he Bor­deaux und beim Ent­wick­lungs-/ Fer­ti-

gungs­kom­plex nörd­lich von Pa­ris – be­hei­ma­te­ten Tri­ang­ler als Vor­bild für ei­ne über­ra­gen­de Fer­ti­gungs­tie­fe und ho­hes hand­werk­li­ches Kno- whow im Laut­spre­cher­bau.

Gro­ße Tra­di­tio­nen

Denn an­ders als bei vie­len gro­ßen Her­stel­lern wer­den hier al­le Trei­ber von der Pi­ke auf selbst ent­wi­ckelt und groß­teils auch in ei­ge­nen Werk­stät­ten ge­fer­tigt: mit Akri­bie, Pas­si­on und Sinn fürs De­tail.

Ei­gen­schaf­ten, die man un­se­ren west­li­chen Nach­barn sonst vor al­lem bei ei­nem Pro­dukt zu­schreibt: dem Wein. Und das ist auch gar nicht so weit her­ge­holt, denn Hu­go und sein Va­ter Oli­vier De­cel­le, der 1980 als ers­ter Händ­ler Tri­an­glePro­duk­te mit Ver­ve ver­kauf­te und die Fir­ma 2006 kom­plett über­nahm, sind auch in die­sem Ge­schäft er­folg­reich und be­trei­ben im St. Émi­li­on mit dem Cha­teau Je­an Fau­re ( Bild Sei­te 66 oben) ein sehr re­nom­mier­tes, als Grand Cru klas­si zier­tes Wein­gut.

Doch zu­rück zum Laut­spre­cher­bau und dem Pro­duk­ti­ons­Haupt­quar­tier: Wer durch die hei­li­gen Hal­len in der Pi­car­die geht, spürt die Ernst­haf­tig­keit und das Qua­li­täts­be­wusst­sein, mit dem hier an al­le De­tails ge­dacht wird, die spä­ter ein-

mal klan­gre­le­vant wer­den könn­ten – und das sind vie­le, denn Bo­xen sind ex­trem kom­plex.

Viel Hand­ar­beit

Die Qua­li­täts­kon­trol­le ist da­bei von gro­ßer Wich­tig­keit: So­wohl Chas­sis als auch fer­ti­ge Bo­xen wer­den in ver­schie­de­nen Sta­di­en im­mer in spe­zi­el­len Mess­kam­mern wie­der mess­tech­nisch mit den Re­fe­ren­zen ver­gli­chen. Die To­le­ran­zen sind sehr eng. Um sie ein­hal­ten zu kön­nen, wer­den die kri­ti­schen Ar­beits­schrit­te wie Ver­kle­ben der Mem­bra­nen und Ein­pas­sung der Chas­sis nur im ei­ge­nen Haus per Hand­ar­beit er­le­digt.

Er­höh­te An­for­de­run­gen an die Ge­nau­ig­keit gibt es auch bei der Ent­wick­lung, denn Horn­hoch­tö­nern und wir­kungs­grad­star­ken Ko­nen, die Spe­zia­li­tä­ten von Tri­ang­le, sind ein an­spruchs­vol­les Feld, bei dem je­der Mi­kro­me­ter und je­des Mil­li­gramm zäh­len. Bei der Chas­sis- Ent­wick­lung hat man des­halb mo­derns­te Si­mu­la­ti­ons­und Ana­ly­se­ver­fah­ren von Klip­pel oder La­ser- In­ter­fe­ro­me­trie bis zum gro­ßen re ex­ar­men Mess­raum zur Ver­fü­gung.

Bei Hör­nern ge­nügt selbst das nicht, denn de­ren End­ab­stim­mung lässt sich we­der mes­sen noch si­mu­lie­ren. Um den Pro­to­ty­pen­bau und auf­wen­di­ge Te­st­rei­hen zu ver­ein­fa­chen, wer­den die Pro­to­ty­pen des­halb per 3D- Dru­cker in ver­schie­dens­ten Va­ri­an­ten her­ge­stellt und be­vor­zugt per Ge­hör sen­so­risch se­lek­tiert. Das ist beim Wein nicht an­ders, und auch hier sind die De­cel­les er­folg­reich. San­té!

Bei der Fer­ti­gungs­tie­fe und Qua­li­täts­kon­trol­le lässt die fran­zö­si­sche Ma­nu­fak­tur so man­chen welt­be­kann­ten Kon­kur­ren­ten im Regen ste­hen: Die Jus­ta­ge der Schwing­ein­heit in die Laut­spre­cher­korb-/ Ma­gnet­ein­heit ( von links) ge­schieht eben­so in Sois­sons wie die kri­ti­sche End­mon­ta­ge der Chas­sis. Beim Lö­ten der Fre­quen­zwei­chen und beim Ein­set­zen der Trei­ber in die Ge­häu­se sind höchs­te Prä­zi­si­on und Er­fah­rung ge­fragt, denn klei­ne hand­werk­li­che Feh­ler kön­nen un­an­ge­neh­me Fol­gen für den Klang oder die Lang­le­big­keit der Pro­duk­te ha­ben.

Im re­flex­ar­men Raum des haus­ei­ge­nen Ent­wick­lungs­la­bors sor­gen Schaum­stoff­kei­le für ei­ne prak­tisch voll­stän­di­ge Be­dämp­fung al­ler Re­fle­xio­nen. Da­mit kann der auf ei­ner Hu­bein­heit mon­tier­te Laut­spre­cher un­ter ver­schie­de­nen Win­keln oh­ne stö­ren­de Fremd­ein­flüs­se ge­mes­sen wer­den.

Be­son­ders bei Horn­for­men ent­schei­den oft Mi­kro­me­ter und we­ni­ge Grad Win­kel über klang­li­ches Wohl und We­he. Ein 3D- Dru­cker stellt vie­le ver­schie­de­ne Mus­ter ( rechts der Ab­schluss- Pha­se- Plug der Horn­druck­kam­mern) auf Wunsch her und er­leich­tert den Pro­zess der Op­ti­mie­rung in Hör­te­st­rei­hen.

Ein Mess- und Si­mu­la­ti­ons­sys­tem von Klip­pel ist für die Ana­ly­se der nicht­li­nea­ren Cha­rak­te­ris­ti­ka der Chas­sis­tei­le zu­stän­dig und er­mög­licht de­ren Per­fek­tio­nie­rung.

Mit­tels ei­nes La­sers und Po­si­ti­ons- Trackings kann das tat­säch­li­che Be­we­gungs­ver­hal­ten je­des Mem­bran­tei­les bei un­ter­schied­lichs­ten Schwin­gungs­zu­stän­den er­fasst wer­den.

Wir­kungs­grad, Stei­fig­keit und Schnel­lig­keit – um die­se Ei­gen­schaf­ten bei ei­nem Ko­nus zu ver­ei­nen, ist High­tech ge­fragt, wie hier der Sand­wich mit Bie­nen­wa­ben­struk­tur.

Män­ner­stolz: Ge­schäfts­füh­rer Hu­go De­cel­le ( links) und Pro­jekt­ma­na­ger Se­bas­ti­an Mi­quel zei­gen in his­to­ri­schen Ge­mäu­ern ne­ben dem Flagg­schiff Ma­gel­lan Grand Con­cer­to auch die be­zahl­ba­re Del­ta.

Die Si­gna­tu­re Del­ta ver­eint al­le Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en von Tri ang­le für 5500 Eu­ro ( Paar­preis).

Da­mit die ent­wi­ckel­te Qua­li­tät auch beim Hö­rer da­heim an­kommt, wer­den je­der Trei­ber und je­de Box in der Mess­kam­mer auf To­le­ran­zen un­ter­sucht. Rechts: die Ein­spiel­kam­mer für Laut­spre­cher- Chas­sis.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.