Yes

Stereoplay - - Musik -

Die Lust am Wie­der­käu­en hat auch ih­re Gren­zen. „ To­po­gra­phic Dra­ma“ist ein zu ei­nem Kon­zert­pro­gramm zu­sam­men­ge­schnit­te­nes Kom­pen­di­um von Auf­nah­men zwei­er Tour­ne­en aus den Jah­ren 2016 und 2017, wo die ak­tu­el­le Be­set­zung der frü­he­ren Prog- Rock- He­ro­en Yes die Al­ben „ Dra­ma“( 1980), „ Ta­les From To­po­gra­phic Oce­ans“( 1973) und ein paar Ein­zel­stü­cke ih­res Re­per­toires zur Auf­füh­rung brach­ten. Was als Live- Er­leb­nis noch funk­tio­niert ha­ben mag, wirkt als CD- Ar­chi­va­lie al­ler­dings eben­so lahm wie stel­len­wei­se ziel­los, weit­ab der Ener­gie, die die­se Mu­sik einst an­trieb. Die­ses Al­bum wä­re nicht nö­tig ge­we­sen. Bob Se­ger ist nicht in den Jung­brun­nen ge­fal­len. Das neue Al­bum des 72- Jäh­ri­gen ziert nur ein Ju­gend­fo­to. Ganz so ju­gend­lich klingt „ I Knew You When“frei­lich nicht. Aber dem schnell ver­dau­li­chen Te­enager- Kon­sum hat er sich noch nie an­ge­dient. Se­gers ers­tes Al­bum seit drei Jah­ren bie­tet He­art­land Rock, viel Per­sön­li­ches, ei­ni­ges Po­li­ti­sches und manch klu­ger Rat­schlag in­klu­si­ve. Über­ra­schen­des hat man von ihm nicht zu er­war­ten, da­für um­so mehr So­li­des. Schwe­re Gi­tar­ren tref­fen lei­den­schaft­li­ches Sa­xo­fon, Soul paart sich mit Rock, Kraft mit Weis­heit. Bob Se­gers Lie­der spre­chen wie ge­habt dem ein­fa­chen Mann Ame­ri­kas aus der See­le, und das ist gut so. Ei­nes Ta­ges be­gann auch der Tan­go, sich von den Vä­tern zu lö­sen. Otros Ai­res ist ei­nes der Pro­jek­te, das die Klän­ge in neue Zu­sam­men­hän­ge führt, in die Clubs und in­zwi­schen auch auf den Bal­kan. Über vier Jah­re hin­weg wur­den zwi­schen Bu­e­nos Ai­res und So­fia Mu­sik­da­tei­en hin- und her­ge­schickt, bis das Gleich­ge­wichst zwi­schen den Sti­len ge­fun­den war. Sän­ger aus bei­den Kul­tur­krei­sen, Gyp­sy- Blä­ser und Ak­kor­de­on­sounds, die At­mo­sphä­re der Tanz­pa­läs­te und der Mark­plät­ze tref­fen auf­ein­an­der und ver­knüp­fen sich zu ei­ner wil­den Mi­schung, de­ren Selbst­ver­ständ­lich­keit am En­de über­rascht. Läs­sig auf Plat­te – aber live muss das erst der Ham­mer sein.

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