Gra­ham Au­dio Chart­well LS6f

Den pu­ris­ti­schen P ich­ten­hef­ten der BBC- Mo­ni­to­re blieb der eng­li­sche Spe­zia­list Gra­ham im­mer treu. Mit der LS 6f gibt es den LS 3/ 5a jetzt auch in ei­ner ver­län­ger­ten Stand­box – mit er­staun­li­chen Klang- und Bass­qua­li­tä­ten.

Stereoplay - - Inhalt - Mal­te Ruhn­ke

Un­ter dem Kür­zel LS 5/ 8 wa­ren es In­ge­nieu­re der bri­ti­schen BBC, die ei­nen idea­len Ab­hör­mo­ni­tor grö­ße­ren Ka­li­bers de nie­ren woll­ten. Dar­aus wur­de ei­ne gan­ze Rei­he von P ich­ten­hef­ten, wo­bei das kom­pak­te­re De­ri­vat LS 3/ 5a wohl das be­kann­tes­te dar­stellt, war es doch für Stu­dio, mo­bi­les Ab­hö­ren und akus­ti­sche Ex­pe­ri­men­te zugleich op­ti­miert. Die zahl­rei­chen Li­zenz­fer­ti­gun­gen er­ober­ten spä­ter auch die Hig­hEnd- Welt und er­freu­ten sich be­son­ders im Zeit­al­ter der Gi­gan­to- Laut­spre­cher un­ter ho­mo­ge­ni­täts­be­streb­ten Hig­hEn­dern gro­ßer Be­liebt­heit.

Gra­ham Au­dio aus En­g­land ge­hört heu­te noch zu den we­ni­gen Laut­spre­cher­ma­nu­fak­tu­ren, die sich nicht nur an die fast 50 Jah­re al­ten BBC- Vor­ga­ben hal­ten, son­dern auch das gan­ze Pro­gramm klas­si­scher Mo­ni­to­re bis hin zur 12- zöl­lig ge­la­de­nen LS5/ 8 fer­ti­gen. Kein Wun­der: Chef­ent­wick­ler Derek Hug­hes, mitt­ler­wei­le 73 Jah­re alt, ist der Sohn des Grün­der­paa­res der le­gen­dä­ren Mar­ke Spen­dor ( SPEN­cer + DORo­thy Hug­hes), die die BBC- Mo­ni­to­re einst so rich­tig be­kannt mach­ten.

Im ste­reo­play- Hör­raum reus­sier­te al­ler­dings be­son­ders die klei­ne LS3/ 5a, die aber mit ge­schlos­se­nem Vo­lu­men und über­schau­ba­rer Grö­ße deut­li­che Li­mits bei Tief­gang und Pe­gel kennt. Um die Ho­mo­ge­ni­täts-

Idea­le die­ses Nah­feld­mo­ni­tors mit den mo­der­nen An­sprü­chen an ei­ne er­wach­se­ne HiFi- Box zu ver­bin­den, ent­stand bei Gra­ham das Pro­jekt Chart­well LS 6, das es so­wohl als üp­pig di­men­sio­nier­te ( 17 Li­ter net­to um­fas­sen­de) Kom­pak­te als auch als klei­ne Stand­box gibt und das auf et­was mo­der­ne­re Chas­sis- Tech­nik zu­rück­greift.

Zwei We­ge aus dem Stand

Bei­den ge­mein ist die Ver­wen­dung ei­nes Re ex­rohrs, um den Tief­gang und die Pe­gel­ka­pa­zi­tä­ten im Bass zu er­hö­hen und den Tief­mit­tel­tö­ner zu ent­las­ten. Denn der ge­sam­te Fre­quenz­be­reich von den tiefs­ten Bäs­sen bis fast 4000 Hertz wird von ei­nem ein­zi­gen Chas­sis wie­der­ge­ge­ben, was auch dem klas­si­schen BBC- Mus­ter ei­ner ZweiWe­ge- Box ent­spricht. In die­sem Fall ist es ein mit 6 Zoll di­men­sio­nier­ter, von Gra­ham selbst ent­wi­ckel­ter Ko­nus mit Po­ly­pro­py­len­mem­bran, des­sen nach hin­ten ge­wölb­te Si­cke dem Schall hö­he­rer Fre­quen­zen mög­lichst we­nig Hin­der­nis­se ent­ge­gen­set­zen soll, zugleich aber auch wei­ten Aus­len­kun­gen des in Lang­hub­tech­nik aus­ge­leg­ten An­triebs nicht ent­ge­gen­ste­hen darf.

So alt­ba­cken, wie die Mem­bran­kon­struk­ti­on auf den ers­ten Blick er­scheint, so mo­dern ist die Tech­nik da­hin­ter: Ein sehr li­gra­ner Guss­korb, ei­ne hub­freu­di­ge, ge­gen Kom­pres­sio­nen hin­ter­lüf­te­te Zen­trier­spin­ne, ei­ne sehr wei­che Si­cke und ein star­ker An­trieb ste­hen auf der Ha­ben- Sei­te. Kein Wun­der, muss er doch so­wohl im klei­ne­ren Vo­lu­men der LS 6f als auch im grö­ße­ren der Stan­dard­va­ri­an­te spie­len und in letz­re­rer auch tiefs­te Bäs­se bis zu er­staun­li­chen 35 Hz hin­un­ter mit­samt dem Grund- und Prä­senz­be­reich über­neh­men, oh­ne sich bei grö­ße­ren Pe­geln gleich zu ver­he­ben

Denn für den Hoch­ton­be­reich hiel­ten die Gra­ham- In­ge­nieu­re um Derek Hug­hes an der 3/ 5a- Di­men­sio­nie­rung fest und ent­schie­den sich für ei­ne 19- mm- Ka­lot­te, de­nen man hö­he­re Au ösung und ein nah­feld­taug­li­ches wei­te­res Rund­strahl­ver­hal­ten nach­sagt, aber eben auch ein schwer zu be­herr­schen­des Ver­hal­ten im Be­reich un­ter­halb der ei­gent­li­chen Ein­satz­fre­quenz von 4 kHz, un­ter der mit ei­nem Fil­ter 4. Ord­nung re­la­tiv ri­gi­de ab­ge­trennt wird.

Das Gra­ham- Ex­em­plar ver­bin­det denn auch ei­ne klei­ne Mem­bran mit ei­ner sehr gro­ßen, wuls­ti­gen Si­cke, um Über­las­tungs­pro­ble­me im Trenn­be­reich voll­stän­dig zu ver­hin­dern ( denn viel Hub muss ei­ne Ka­lot­te für ih­re ei­gent­li­che Auf­ga­be nicht stem­men). Auch ist die klei­ne Ka­lot­te in ei­ner Art win­zi­ger Schall­füh­rung ver­baut, um den Über­gangs­be­reich noch­mals im Trenn­be­reich zu har­mo­ni­sie­ren.

Au­ßen klas­sisch

Das Ge­häu­se mit ei­nem knap­pen Me­ter Hö­he wur­de wie in der Mo­ni­tor- Va­ri­an­te als klas- si­sche „ Thin­wall“- Kon­struk­ti­on ge­plant und ge­baut. Das be­deu­tet, dass die ei­gent­li­chen Wän­de re­la­tiv dünn sind. Um sie un­an­fäl­lig ge­gen­über Re­so­nan­zen, vor al­lem ge­fürch­te­ten Mit­tel­ton­ver­fär­bun­gen zu ma­chen, wer­den sie par­ti­ell, be­son­ders in den Zen­tren der Wän­de, mit schwe­rer Be­däm­mung ver­se­hen. Groß­zü­gig ge­stopf­te St­ein­wol­le im In­ne­ren tut ihr Üb­ri­ges.

Die­se sorgt zwar für ei­ne et­was ge­rin­ge­re Ef­fek­ti­vi­tät des Re ex­ka­nals, den man im So­ckel der Box bei­na­he über­se­hen könn­te, das ist aber durch­aus ein ge­woll­ter Ef­fekt. So er­wei­tert der Bass­re ex den Tief­gang und ent­las­tet die Mem­bran von Hub, oh­ne zu breit­ban­dig cha­rak­ter­lich in den Bass ein­zu­grei­fen.

1 Me­ter Mu­si­ka­li­tät

Die to­na­le Ab­stim­mung, von Laut­spre­cher­her­stel­lern auch „ Voi­cing“ge­nannt, ist den Gra­ham- Man­nen ful­mi­nant ge­lun­gen. Tschai­kow­skys

„ Ho­pak“( vom Min­ne­so­ta Orches­tra, Re­fe­rence Re­cor­dings) spiel­te sie mit ei­ner ent­fes­sel­ten Spiel­freu­de, ho­lo­gra sch drei­di­men­sio­na­lem Raum und ei­ner ver­blüf­fend ge­schlos­sen, to­nal un­glaub­lich rea­lis­ti­schen Dar­bie­tung. Die Durch­hör­bar­keit ge­riet zu über­ra­gend sei­di­ger Trans­pa­renz, oh­ne im Sin­ne ei­nes ana­ly­ti­schen Mo­ni­tors De­tails zu se­zie­ren. Je­de spiel­tech­ni­sche Fein­heit hat­te ih­ren mu­si­ka­li­schen Sinn und war vor­t­ref ich in die Ge­samt­dar­bie­tung ein­ge­bun­den.

Der her­vor­ra­gen­de Ein­druck bei Klassik setz­te sich bei prak­tisch al­len Mu­sik­rich­tun­gen fort: Hu­bert von Goi­serns li­ve­haf­tig sat­ten Al­pen­rock „ Im Jahr des Dra­chen“lud die Chart­well mit ei­nem sprü­hen­den Li­ve- Charme auf, der aber kei­nes­falls zu­las­ten der Fein­heit ging. Um­so er­staun­li­cher, was sie an sehr tie­fem, kul­ti­vier­tem und punkt­ge­nau­em Bass ser­vie­ren konn­te, der bis zu mitt­le­ren Laut­stär­ken das Ge­fühl ei­ner groß­vo­lu­mi­gen High- End- Box ver­mit­teln konn­te. Erst bei Pe­geln ober­halb der Nor­mal­hö­rer­gren­ze zeig­ten sich Er­mü­dungs­er­schei­nun­gen.

Ge­nau­so ugs pass­te sie sich an sanf­te Klän­ge an: Uli­ta Kraus‘ „ Ba­ker Street“er­klang von der ers­ten Se­kun­de an in in­ti­mer At- mo­sphä­re mit sei­dig- ge­schmei­di­ger Stimm­dar­stel­lung und sanft ge­zupf­ten Blu­e­no­tes. So geht die Gra­ham als ei­ne der au­dio­phils­ten, aber auch uni­ver­sells­ten klei­nen Bo­xen in die ste­reo­play­His­to­rie ein.

Der 6- Zöl­ler sieht von vorn klas­sisch aus, da­hin­ter steckt mo­derns­te Chas­sis- Tech­nik: ein be­son­ders fi­li­gra­ner Guss­korb, ein kräf­ti­ger Ma­gnet, ei­ne wei­te Zen­trier­spin­ne, die so hin­ter­lüf­tet ist, dass sich kei­ne Kom­pres­sio­nen um den Ma­gnet­spalt her­um ein­schlei­chen kön­nen. Die Si­cke ist nach hin­ten ge­wölbt.

Der Hoch­tö­ner ist mit 19 mm be­son­ders klein, um bis in die höchs­ten Hö­hen sau­be­res Rund­strah­len zu er­mög­li­chen. Auf­ge­hängt ist er an ei­ner sehr gro­ßen und wuls­ti­gen Si­cke, um bei Be­las­tun­gen im Aus­blend­be­reich pro­blem- und klirr­frei mit­ge­hen zu kön­nen.

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