Zwit­ter­we­sen

Pho­no­ver­stär­ker mit Di­gi­tal­aus­gang, Plat­ten­spie­ler mit Li­ne- Out

Stereoplay - - Inhalt - Alex­an­der Ro­se

Die Fir­ma Len­co wur­de 1946 in Burg­dorf, Schweiz, vom Ehe­paar La­eng ge­grün­det. Das HiFi- be­geis­ter­te Ehe­paar hat­te er­kannt, dass ein enor­mer Be­darf nach hoch­wer­ti­gen Plat­ten­spie­lern be­stand. Ei­nen ers­ten gro­ßen Er­folg lan­de­ten die Schwei­zer mit dem kom­pak­ten Len­co L 75 mit Reib­rad­an­trieb im Jahr 1967. Lei­der muss­te die Fir­ma schon 1977, drei Jah­re nach dem Tod von Ma­rie La­eng, die die trei­ben­de Kraft hin­ter Len­co war, Kon­kurs an­mel­den.

Die an­schlie­ßend ge­grün­de­te Len­co Au­dio AG sorg­te noch ein paar Jah­re für Re­pa­ra­tu­ren der ver­kauf­ten Plat­ten­spie­ler. In der Hoch­pha­se be­schäf­tig­te die Fir­ma 1330 Mit­ar­bei­ter und lie­fer­te HiFi- Plat­ten­spie­ler in mehr als 80 Län­der.

Der wei­te­re Ver­lauf der Fir­men­ge­schich­te ist et­was un­durch­sich­tig, die Na­mens­rech- te wur­den aber 1997 von der nie­der­län­di­schen STL Group er­wor­ben. Und seit et­wa 2010 gibt es ei­ne er­staun­li­che Pro­dukt­viel­falt, die un­ter dem Na­men Len­co er­scheint: Von MP3Play­ern über Ra­dio­we­cker bis hin zu Blue­tooth- Laut­spre­chern und Boom­bo­xen ist al­les da­bei.

Klas­si­scher An­trieb

Der Len­co L- 87 ist ein rie­men­ge­trie­be­ner Plat­ten­spie­ler, der vom Her­stel­ler Slim­li­ne ge­tauft wur­de. Schlank ist er auf je­den Fall, ins­ge­samt an­ge­nehm kom­pakt und doch so­li­de wir­kend – bei sei­nem ge­rin­gen Preis von 320 Eu­ro nicht selbst­ver­ständ­lich.

Das MDF- Ge­häu­se gibt es le­dig­lich in weiß- hoch­glanz­la­ckier­ter Ver­si­on. Die ge el uns aber sehr gut, so­dass wir hier nicht über man­geln­de Farb­viel­falt re­den wol­len. Zu­dem gibt es zahl­rei­che wei­te­re Len­co- Mo­del­le in op­tisch sehr un­ter­schied­li­chen Aus­füh­run­gen. Da soll­te für je­den Ge­schmack et­was da­bei sein.

Der Mo­tor bringt auch beim Len­co ei­nen Alu­mi­ni­um- Tel­ler zum Ro­tie­ren, und zwar so­wohl in LP- ( 33 1/ 3 RPM) als auch in Sing­le- Ge­schwin­dig­keit ( 45 RPM). Auf dem Tel­ler liegt ei­ne recht di­cke, wei­che Gum­mi­mat­te, vier ent­kop­peln­de Fü­ße sor­gen für si­che­ren Stand.

In der ab­nehm­ba­ren Heads­hell mit SME- Ver­schluss sitzt ein Au­dio- Tech­ni­ca- AT3600LMM- Ton­ab­neh­mer. Die­ser Ton­ab­neh­mer wird nur an Plat­ten­spie­ler­her­stel­ler ver­kauft, nicht di­rekt an End­kun­den. Hier­ar­chisch ist er un­ter dem AT91 an­ge­sie­delt. Wer ei­nen ers­ten, klei­nen Up­grade- Schritt ge­hen möch­te, kann die Er­satz­na­del des AT91 ein­set­zen. Auch Au­dio Tech­ni­ca emp ehlt die­sen Schritt, da das AT3600L mit ei­ner sehr ho­hen Au age­kraft von 3,5 mN ( Mil­li­new­ton) be­trie­ben wird.

Als Staub­schutz liegt ei­ne schar­nier­lo­se Ab­deck­hau­be aus Acryl­glas bei. Sie wird im Ru­he­zu­stand auf dem L- 87 und beim Be­trieb am bes­ten zur Sei­te ge­legt, schließ­lich sind sol­che Hau­ben Schall­fän­ger. So ver­mei­det man auch Schä­den an Arm und Ab­neh­mer, soll­te man beim Be­trieb doch mal an die nur auf­ge­leg­te Hau­be sto­ßen.

Nor­mal- Res

Auch im Len­co steckt ein Ana­log-/ Di­gi­tal- Wand­ler, der LPs in so­ge­nann­ter CD- Qua­li­tät ( 16 Bit/ 44,1 kHz) auf ei­ne Fest­plat­te ko­piert. Zum Lie­fer­um­fang ge­hört ne­ben al­len er­for­der­li­chen Ka­beln auch ei­ne CD mit der Soft­ware Au­da­ci­ty. Mit die-

ser kann man schnell Auf­nah­men er­le­di­gen, man kann aber auch, wenn ei­nem der Sinn da­nach steht, tie­fer in die Fein­hei­ten der Soft­ware ein­tau­chen und so zum Bei­spiel Mu­sik­da­ten nach­be­ar­bei­ten.

Dem ge­üb­ten Au­ge el nicht erst im Hör­raum auf, dass der Ton­ab­neh­mer ab Werk schief steht und der Dia­mant so­mit nicht per­fekt senk­recht in die Ril­le der LP taucht. Das Pro­blem liegt aber nicht am Ein­bau, son­dern am Arm. In den Mes­sun­gen el das nicht wei­ter auf, es scheint, als wä­re die run­de Na­del des AT3600L da nicht so wäh­le­risch wie auf­wen­di­ger, schär­fer ge­schlif­fe­ne Dia­man­ten. Auch bei ei­nem Wech­sel des Na­de­l­ein­schubs ist we­gen des­sel­ben Schliffs al­so nicht mit Nach­tei­len zu rech­nen.

Was uns aber bei den Mes­sun­gen auf el, war ei­ne Be­gren­zung des Fre­quenz­gangs. Über 20 kHz über­trägt der Len­co L- 87 kei­ne In­for­ma­tio­nen. Es scheint, als wä­re der Ana­log­aus­gang ge ltert.

Beim Hör­test muss­ten wir den Laut­stär­ke­stel­ler des Oc ta­ve V 110 SE bei Mu­sik­wie­der­ga­be über den Len­co et­was wei­ter nach rechts dre­hen, sei­ne Pho­no vor­stu­fe lie­fert we­nig Aus­gangs­span­nung.

A Noc­turnal Va­ca­ti­on

Dy­na­misch wirkt der Len­co L- 87 zwar et­was ge­bremst, spielt aber an­ge­nehm rund und re­la­xed und schafft es gut, den Charme der Mu­sik­wie­der­ga­be von Vi­nyl zu trans­por­tie­ren.

An die Pro- Ject AD Box S2 Pho­no an­ge­schlos­sen, kam mehr Glanz und Struk­tur in die Dar­bie­tung. Aber nicht nur das, die Mu­sik hat­te nun auch mehr Punch und Schwung. Zu­dem schien die Mu­sik nun ein et­was hö­he­res Tem­po zu ha­ben, was als Aus­sa­ge im­mer ein we­nig selt­sam an­mu­tet, vie­len Le­sern aber ein ver­trau­tes Phä­no­men sein dürf­te.

We­ni­ger ver­wun­der­lich war hin­ge­gen, dass Ali­ce Co­o­pers Stim­me in „ Wel­co­me To My Night­ma­re“über die ex­ter­ne Pho­no­vor­stu­fe in punc­to Ar­ti­ku­la­ti­uon zu­leg­te. Das war nicht welt­be­we­gend, aber auf­fäl­lig. Die AD Box S2 Pho­no hat­te aber noch ei­nen an­de­ren Vor­teil: Ihr Aus­gangs­pe­gel ist deut­lich hö­her als der der im Len­co ein­ge­bau­ten Vor­stu­fe, was je nach nach­ge­schal­te­tem Ver­stär­ker Vor­tei­le brin­gen kann.

Doch mal ganz ehr­lich: Der Len­co L- 87 ist nicht das Ge­rät, das man hin­ter­her noch groß auf­rüs­tet. Er ist zu­dem kein Plat­ten­spie­ler für je­der­mann und will das auch gar nicht sein. Wer aber ein­fach ei­ne be­zahl­ba­re und den­noch an­spre­chend ver­ar­bei­te­te so­wie or­dent­lich klin­gen­de Mög­lich­keit sucht, in die Vi­nyl­welt ein­zu­stei­gen, der ist hier ge­nau rich­tig.

Da­her lau­tet un­ser Tipp: Den Na­de­l­ein­schub des AT91 ( ATN91, 18 Eu­ro) kau­fen und den Len­co an­sons­ten so las­sen, wie er ist. Und was „ ganz Ver­rück­tes“tun: ent­spannt und zu­frie­den Plat­ten hö­ren, oh­ne stän­dig Feh­ler zu su­chen.

Die Heads­hell des Ton­arms kann man ab­schrau­ben. Das ist prak­tisch, wenn man Na­de­l­ein­schub oder Ton­ab­neh­mer wech­seln und/ oder wenn man wei­te­re Ton­ab­neh­mer in wei­te­ren Heads­hells vor­hal­ten möch­te, et­wa für Mo­no- Schall­plat­ten. Ei­ne Aus­spa­rung im Tel­ler er­leich­tert das Um­le­gen des An­triebs­rie­mens um das Mo­tor- Pul­ley.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.