Klang­tüft­ler mit kla­rer Vi­si­on

Stereoplay - - Musik -

Ste­ve Tib­betts ist ein Su­chen­der. Um die Rä­um­lich­keit von „ Life Of“zu er­rei­chen, bau­te er bei­spiels­wei­se nicht nur sein gan­zes Equip­ment in sei­nem Lieb­lings­saal, der Kon­zert­hal­le des Ma­ca­les­ter Col­le­ge in Min­ne­so­ta, auf, son­dern fing den Raum mit zwei Mi­kro­phon­paa­ren ein, die er in der Mit­te und am En­de des Saals auf­stell­te. Auch bei sei­nem Haupt­in­stru­ment, ei­ne Mar­tin D- 12- 20, hat­te er ge­naue Vor­stel­lun­gen da­von, wie er den idea­len Klang er­zeugt. „ Die Mar­tin Gi­tar­re ist jetzt fast ein hal­bes Jahr­hun­dert alt“, er­klärt Tib­betts, „ mit ab­ge­spiel­ten Bün­den. Ich las­se die Sai­ten alt und auf ih­re Art bei­na­he tot, et­was, das ich von Leo Kott­ke ge­lernt ha­be. Auf die­se Wei­se hat das In­stru­ment ei­nen war­men, ein we­nig in die Jah­re ge­kom­me­nen Sound mit ei­ner in­wen­di­gen Re­so­nanz, als hät­te es ei­nen ei­ge­nen klei­nen Kon­zert­saal in sich“. Das ist je­doch nicht al­les, denn auch der Spiel­stil des Gi­tar­ris­ten und Pia­nis­ten dreht sich ganz um die Ent­fal­tung des Klangs. Die Stü­cke von „ Life Of“, sei­nes neun­ten Al­bums im Acht­jah­res­ab­stand für das La­bel ECM, sind ne­ben den ame­ri­ka­ni­schen Roots- Wur­zeln von fern­öst­li­chen Spiel­tech­ni­ken in­spi­riert, ins­be­son­de­re von der Ga­me­lan Mu­sik aus Ba­li und Tra­di­tio­nen aus Ne­pal und In­di­en. Dar­aus er­gibt sich ei­ne struk­tu­rell eher krei­send als li­ne­ar wir­ken­de Soun­der­schei­nung, die Tib­betts durch Per­kus­si­ons- Ele­men­te von Marc An­der­son und durch das Cel­lo und Bor­dun­in­stru­men­te von Mi­chel­le Kin­ney er­gän­zen lässt. Im Zen­trum steht der zehn­tei­li­ge Zy­klus „ Life Of“, den er je­weils wich­ti­gen Men­schen sei­nes Lebens wid­met, um­rahmt von drei klam­mern­den, aber auch wei­ter­füh­ren­den Stü­cken, die sich in ih­rer Ge­samt­heit zu ei­ner kam­mer­fol­ki­gen Ein­heit flir­ren­der Im­pres­sio­nen ver­bin­den. Tib­betts’ Mu­sik wirkt da­bei als wä­re sie ab­sichts­frei, aber schon der her­aus­ra­gend fei­ne Klang der Auf­nah­me er­zählt ei­ne an­de­re Ge­schich­te.

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