Franz Schu­bert: Ok­tett D. 803, Zwei Me­nu­et­te aus D. 89 Wun­der­bar at­men­de Ago­gik

Stereoplay - - Musik -

Er kann auch laut – et­wa im Cre­scen­do am En­de der Kopf­satz- Ex­po­si­ti­on von Schu­berts Ok­tett. Doch über wei­te Stre­cken macht Lo­ren­zo Cop­po­la, ei­gent­lich der der­zeit füh­ren­de Meis­ter his­to­ri­schen Kla­ri­net­ten­spiels, den po­sen­haf­ten Sen­si­bi­lis­si­mus: mit ei­nem echo­tö­ni­gen Pia­nis­si­mo, das zwar bei der „ Mo­ren­do“- Vor­schrift im Ad­a­gio al­len Er­den­rest in die Ek­s­ta­se se­li­ger Ent­rü­ckung hin­über­haucht, an­sons­ten aber nur ma­nie­riert wirkt. Die hoch­ka­rä­ti­ge Ori­gi­nal­klang- Trup­pe um die Gei­ge­rin Isa­bel­le Faust ( ex­zel­lent die ge­schmei­dig no­blen Horn­ru­fe Teu­nis van der Zwarts) wird da­durch schon mal ins Klein­lau­te ge­zwun­gen. Denn oh­ne Not­brem­se rea­li­siert sie mit zu­pa­cken­de­rer Dif­fe­ren­ziert­heit die Span­nung zwi­schen Di­ver­ti­men­to- Mas­ken und den klaf­fen­den Ab­grün­den im Idyll: dem herb die Kan­ti­le­ne ab­rei­ßen­den Piz­zi­ca­to- Knall der Bäs­se am En­de des Ad­a­gios, dem horn­blub­bernd ru­mo­ren­den Ver­klin­gen des Va­ria­tio­nen­sat­zes oder den dra­ma­tisch tre­mo­lie­ren­den An­dan­te- Ac­com­pa­gna­ti im Fi­na­le. Aber nicht nur der Schat­ten­wurf, auch die Jo­via­li­tät des Fe­schen, des ele­gant Spie­le­ri­schen, des Ros­si­ni- Tem­pe­ra­ments ne­ben dem Welt­schmerz ge­hört zum emo­tio­na­len Klan­gre­lief die­ser Mu­sik – und wird hier, samt der bril­lant durch­star­ten­den Fi­nal- Stret­ta, vol­ler Elan in­sze­niert: von Fausts schlank- elo­quen­tem Gei­gen­spiel mit kris­tal­li­ner Fin­ger­fer­tig­keit, vom En­sem­ble mit wun­der­bar at­men­der Ago­gik, mit ak­zen­tu­ier­tem Puls im straf­fen, aber nicht hek­tisch ver­wu­sel­ten Scher­zo und ge­ne­rell mit wah­rer Sen­si­bi­li­tät im Zu­sam­men­spiel und in den Mo­men­ten der Su­bli­ma­ti­on ( wie der äthe­ri­schen As- Dur- Va­ria­ti­on). Al­so trotz der Vor­be­hal­te ge­gen Cop­po­las Ei­gen­bröt­ler- Trip ( der in den vir­tu­os flat­tern­den Trio­len des Fi­na­les üb­ri­gens wie weg­ge­wir­belt scheint) ei­ne gro­ße Auf­nah­me der farb­ech­ten, ge­stalt­ge­nau­en Schu­bert- Au­then­ti­zi­tät; auch in den bei­den zu­ge­ge­be­nen Me­nu­ett- Pre­zio­sen aus dem Früh­werk.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.